Zeitschriften und Zeitungen

GegenStandpunkt

Die Zeitschrift GegenStandpunkt bietet, vierteljährlich, marxistische Theorie.

Nein, zeitgemäß ist das nicht. Aber was heißt das schon? Wenn Leute, die bisher schon nichts vom Marxismus wissen wollten, jetzt außerdem noch sicher sind, daß sie damit im Trend liegen: Sollen Marxisten sich davon beeindrucken lassen und auch lieber andere, modischere Gedanken fassen? Wenn ein linker Anstrich kein Publikumsinteresse mehr weckt; wenn weltweit ein anderer Wind weht, in den Gelegenheitsdenker ihr Mäntelchen hängen: Macht das den Kapitalismus über jede Kritik erhaben? Sollen seine Gegner den Mund halten und sich schleunigst bekehren, ausgerechnet weil die Chefs gewisser Staaten im Osten, die den Kommunismus auf eine idealistische Phrase heruntergebracht und ihre Überzeugungsarbeit mit dem Staatssicherheitsdienst betrieben haben, jetzt den Fortschritt von der Volksdemokratie zur Demokratie und vom planerisch verbesserten Kapitalismus zum richtigen geschafft haben? Warum sollten Kritiker des siegreichen Systems überhaupt einer „Zeit“ „gemäß“ sein, die sie nach Strich und Faden für verkehrt und schädlichnhalten? Da schreiben sie die Argumente, die sie gegen diese „Zeit“ auf Lager haben, doch lieber ordentlich auf.

Neueste Beiträge

Krieg, Kriegsmoral und Kriegsöffentlichkeit

GegenStandpunkt, 8. September 2021
Die Neuauflage des Krieges zwischen Israel und der Hamas ist eine Herausforderung an unseren deutschen Anti-Antisemitismus und dessen nationale Sittenwächter von der Bild-Zeitung.

Wahlkampf – Sachthema: Klimawandel

GegenStandpunkt, 8. September 2021
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Schon wieder „Lokführer gegen alle“

GegenStandpunkt, 8. September 2021
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Krise im Donbass

GegenStandpunkt, 8. September 2021
Im Winter dieses Jahres beginnt die Ukraine mit umfassenden Kriegsvorbereitungen. Der ukrainische Armeechef Ruslan Chomtschak erklärt, „auf dem Ausbildungsprogramm der gesamten ukrainischen Armee stünden in diesem Frühjahr Straßen- und Häuserkämpfe in städtischer Umgebung“. Verletzungen der (...)

Das Pflegeurteil

GegenStandpunkt, 26. August 2021
Manchmal kommt den sozial Schwachen ein Gericht zu Hilfe. Das höchste deutsche Arbeitsgericht schreitet gegen den „systematischen Gesetzesbruch“ in der geschäftlichen Sphäre der häuslichen Pflege ein. Und was vermelden dazu die öffentlichen Beobachter? Damit werde ein sozialstaatliches Modell infrage (...)

Der Mietdendeckel

GegenStandpunkt, 26. August 2021
In Berlin haben sich neulich einige wohlmeinende Politiker an der Lösung der alterwürdigen „Wohnungsfrage“ versucht. Erlaubt war ihr Mietendeckel nicht, wie sich jetzt herausgestellt hat.

Inflation

GegenStandpunkt, 15. August 2021
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Wahlkampf kurz und bündig

GegenStandpunkt, 2. Juni 2021
In der Demokratie hat alle Unzufriedenheit des Volks eine erwünschte Adresse: die Opposition. Sie bietet dem Bürger eine politische Alternative, die Aussicht auf Verbesserung aller Lebenslagen durch einen Machtwechsel verspricht. Im Wahljahr 2021 gibt es drei bemerkenswerte Angebote, die (...)
GegenStandpunkt. Politische Vierteljahreszeitschrift
Logo von GegenStandpunkt
Beschreibung Marxistische Theoriezeitschrift
Sprache Deutsch
Verlag GegenStandpunkt VerlagsGmbH
Erstausgabe 1992
Erscheinungsweise vierteljährlich (März/Juni/September/Dezember)
Verkaufte Auflage geschätzte 7.000 Exemplare
Chefredakteur Peter Decker
Herausgeber Bruno Schumacher
Weblink GegenStandpunkt.com
ISSN (Print)

GegenStandpunkt. Politische Vierteljahreszeitschrift ist eine marxistische Theoriezeitschrift aus dem gleichnamigen Verlag mit Sitz in München, die seit 1992 regelmäßig erscheint. In der Nachfolge verschiedener Publikationen der Marxistischen Gruppe (MG), besonders der Marxistischen Streit- und Zeitschrift (MSZ), führt sie inhaltlich deren Linie fort. Die Zeitschrift wurde bis zum Jahr 2018 vom Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet und in den Bereich des Linksextremismus eingeordnet.[1]

Übersicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der GegenStandpunkt erscheint vierteljährlich mit einem Umfang von 100–200 Seiten. Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes hat er eine Auflage von 7000 Exemplaren. Die Zeitschrift gliedert sich in eine Rubrik mit kürzeren, teilweise polemischen Kommentaren zu Ereignissen des abgelaufenen Quartals (Chronik – Kein Kommentar!) und den Hauptteil mit ausführlichen Analysen der Fortschritte von Geschäft und Gewalt entsprechend der GegenStandpunkt-eigenen Kapitalismuskritik. Häufig widmet sich das Heft in aktualisierten Fassungen Grundsatzfragen von bürgerlichem Staat und kapitalistischer Ökonomie (z. B.: Der Staatshaushalt, Die Währung und ihr Wert, Der Islam, Das Volk). Die Jahrgänge bis 2014 sind auch über die Website als E-Book frei abrufbar.[2] Aus den aktuellen Ausgaben bietet der GegenStandpunkt ausgewählte Artikel zur freien Ansicht auf seiner Website an, aus den Ausgaben, die länger als ein Jahr zurückliegen, werden alle Artikel kostenlos zugänglich gemacht.

Verlag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Verlagsprogramm gehört neben der Zeitschrift eine Buchreihe zu Themen wie Arbeit und Reichtum, Das Finanzkapital, Das Proletariat, Der bürgerliche Staat, Imperialismus, Der Faschismus, Die Psychologie des bürgerlichen Individuums, Das Geld sowie diverse Broschüren zur Kritik der bürgerlichen Wissenschaft. 2019 sind dort die Bücher Gesundheit. Ein Gut und sein Preis[3] sowie Kritik der Betriebswirtschaftslehre. Planungsregeln für erfolgreiches Wirtschaften in der kapitalistischen Konkurrenz[4] erschienen.

Einige ältere Bücher, zum Beispiel der bürgerliche Staat oder Imperialismus (I,II,III) sind im Volltext auf der Website abrufbar.[5]

Der Gegenstandpunkt baut im Wesentlichen auf dem unvollendeten Werk Das Kapital auf, hat dies aber theoretisch weiterentwickelt.[6][7] Der Hauptautor Karl Marx war gestorben, bevor er das Buch über den Weltmarkt und den bürgerlichen Staat schreiben konnte.

Weder ist der Gegenstandpunkt Teil der Wertkritik noch lässt er sich dem orthodoxen Marxismus-Leninismus zuordnen. Beiden Marx-Lesearten weist der Gegenstandpunkt erhebliche theoretische Defizite zu.[8][9][10]

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die publizistische Arbeit hinaus bietet die Redaktion in über 30 Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Möglichkeit, im Rahmen von Jours fixes über Grundsatz- und aktuelle Themen zu diskutieren. Außerdem organisiert die Zeitschrift in regelmäßigen Abständen Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen mit einzelnen Redakteuren. Mitschnitte ausgewählter Veranstaltungen stellt der Verlag selbst zum Download bereit, ein größeres Archiv diverser Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen wird aber unabhängig von dem Verlag auf der Seite Argudiss[11] bereitgestellt.

Bekannte Vertreter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannte Vertreter der Redaktion GegenStandpunkt sind neben Karl Held, verantwortlicher Redakteur seit der Gründung 1992 bis zu seinem Tod 2010, unter anderem sein Nachfolger in dieser Funktion Peter Decker, der über "Die Methodologie kritischer Sinnsuche. Systembildende Konzeptionen Adornos im Lichte der philosophischen Tradition"[12] im Jahr 1982 dissertierte, der Industriesoziologe Theo Wentzke sowie die in Bremen tätigen Hochschullehrer Margaret Wirth und Freerk Huisken.

Übersetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verlag veröffentlicht sämtliche Publikationen primär in deutscher Sprache, übersetzt aber länderspezifisch ausgewählte Artikel und Publikationen auch in andere Sprachen und veröffentlicht diese kostenfrei. So unterhält der GegenStandpunkt eigene Webseiten mit entsprechend übersetzten Publikationen für die englische[13], spanische[14], französische[15], italienische[16], russische[17] und niederländische[18] Sprache.

Einstufung durch den Verfassungsschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vom Bremer Verfassungsschutz 2007 als „konspirativ tätige, sektenartige Organisation“[19] bezeichnete Gruppierung hatte nach Angaben des Bundesverfassungsschutzes bundesweit 2018 etwa 3000 Mitglieder[1] (2014 etwa 4000, 2012 etwa 5000, 2011 etwa 7000), unter ihnen viele ehemalige Mitglieder der Marxistischen Gruppe. Das „Fernziel der Gruppe“ ist laut Verfassungsschutzbericht des Bundes 2012 „die revolutionäre Überwindung der bestehenden, pauschal als ‚Kapitalismus‘ verunglimpften verfassungsmäßigen Ordnung, allerdings ist dies nach eigener Einschätzung gegenwärtig nicht zu verwirklichen“.[20]

„Die sektenartig organisierte Gruppe ‚GegenStandpunkt‘ (GSP) vertritt eine modifizierte Marxismus-Konzeption. Sie lehnt die parlamentarische Demokratie als ‚perfekte Form bürgerlicher Herrschaft‘ ab. Ihr Ziel ist die Errichtung einer sozialistischen beziehungsweise kommunistischen Gesellschaft durch die revolutionäre Überwindung der gegenwärtigen Staats- und Gesellschaftsordnung. Aufgrund ihres elitären Marxismus-Verständnisses ist die Gruppierung in der linksextremistischen Szene weitgehend isoliert.“

Verfassungsschutzbericht des Bundes 2018, S. 154

Mittlerweile wird die Zeitschrift in den Verfassungsschutzberichten der Länder nicht mehr erwähnt, auch nicht im „Stammland“ Bayern[21]. Im Verfassungsschutzbericht des Bundes von 2019 findet sie ebenfalls keine Erwähnung mehr.

Radiobeiträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einigen Städten werden auch Radiobeiträge zu aktuellen Geschehnissen auf gegenöffentlichen bzw. freien Radiosendern veröffentlicht (Frankfurt am Main – Radio X; München – Radio Lora; Marburg – Radio Unerhört Marburg; Wien – Orange 94.0).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Verfassungsschutzbericht 2017. (PDF,8 MB) Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, abgerufen am 13. Dezember 2018.
  2. gegenstandpunkt.com
  3. GegenStandpunkt: Gesundheit. GegenStandpunkt, abgerufen am 1. Januar 2019.
  4. GegenStandpunkt: Kritik der Betriebswirtschaftslehre. Abgerufen am 1. Januar 2019.
  5. Bücher | GegenStandpunkt. Abgerufen am 2. August 2020.
  6. Arbeit und Reichtum | GegenStandpunkt. Abgerufen am 2. August 2020.
  7. Das Finanzkapital | GegenStandpunkt. Abgerufen am 2. August 2020.
  8. Linke Kapitalismuskritik | GegenStandpunkt. Abgerufen am 2. August 2020.
  9. 100 Jahre Russische Revolution | GegenStandpunkt. Abgerufen am 2. August 2020.
  10. Heinrichs Kapitalverständnis | GegenStandpunkt. Abgerufen am 2. August 2020.
  11. Johannes Köper: Archiv für einige Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen mit Redakteuren des GegenStandpunkt. In: Argudiss. Abgerufen am 1. Januar 2019.
  12. Peter Decker: Die Methodologie kritischer Sinnsuche: systembildende Konzeptionen Adornos im Lichte der philosophischen Tradition (= Erlanger Studien). Zugl.: Bremen, Univ., Diss., 1982 u.d.T.: Decker, Peter: Die systembildenden Konzeptionen Adornos im Lichte der philosophischen Tradition, Erlangen 1982, ISBN 978-3-7896-0137-8 (uni-heidelberg.de [abgerufen am 18. März 2021]).
  13. GegenStandpunkt-Verlagsprogramm auf Englisch. Abgerufen am 1. Januar 2019 (englisch).
  14. GegenStandpunkt-Verlagsprogramm auf Spanisch. Abgerufen am 1. Januar 2019 (spanisch).
  15. GegenStandpunkt-Verlagsprogramm auf Französisch. Abgerufen am 1. Januar 2019 (französisch).
  16. GegenStandpunkt-Verlagsprogramm auf Italienisch. Abgerufen am 1. Januar 2019 (italienisch).
  17. GegenStandpunkt-Verlagsprogramm auf Russisch. Abgerufen am 1. Januar 2019 (russisch).
  18. GegenStandpunkt-Verlagsprogramm auf Niederländisch. Abgerufen am 1. Januar 2019 (niederländisch).
  19. Verfassungsschutzbericht Bremen 2007 (PDF; 726 kB)
  20. Verfassungsschutzbericht des Bundes 2012, S. 205 (Memento des Originals vom 28. Dezember 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.verfassungsschutz.de (PDF; 2,4 MB).
  21. Vgl. Bayern – Verfassungsschutzbericht 2017