Bogdan Bogdanović

Geboren 1922, lebt in Belgrad un Wien. Architekturstudium, 1973 Professor an der Universität Belgrad, 1981 Austritt aus der serbischen Akademie der Wissenschaften, vor allem Gestalter einer großen Zahl Denkmäler gegen Krieg und Faschismus im ehemaligen Jugoslawien, 1982-1986 Bürgermeister von Belgrad, 1987 Rückzug in die Dissidenz. Bedeutender Architekt und Autor zahlreicher, international beachteter Werke zur Architektur der Stadt, über „Symbolische Formen“, Mythos und „Menschliche Innen-Architektur“. Beiträge in internationalen Publikationen, wie El Pais, Svenska Dagbladet, Die Zeit u.a. Im Wieser Verlag erschienen: Die Stadt und der Tod, Essays 1993; Architektur der Erinnerung, Essays 1994.

Beiträge von Bogdan Bogdanović
Context XXI, Architecture & Science

Die Zukunft der Stadt

■  Bogdan Bogdanović ▪ Klaus Detlef Olof (Übersetzung)
Oktober
1995

Wenn ich mir Gedanken über die Stadt mache, wenn ich sie zu beschreiben und deuten versuche, verfalle ich gewöhnlich in eine Reihe, ich hoffe entschuldbarer, semantischer Fehler. Ich vergesse gern, daß die Stadt sowohl eine soziologische als auch eine ökonomische Größe ist, daß sie ein technisches (...)

Context XXI, Architecture & Science

Eine Stadt nach Maß des Menschen

■  Bogdan Bogdanović
Oktober
1995

1974 Noch bis gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts bot sich europäischen Reisenden das äußere vieler orientalischer Städte als ein wahres Bild des Wundersamen. Bei vielen Städten schien dieser Eindruck beabsichtigt und arrangiert, als wollten sie sagen: Seht her, wir sind Fatamorgana-Städte! Daß (...)

Context XXI, Architecture & Science

Essay ohne Worte

■  Bogdan Bogdanović
Oktober
1995

Context XXI, CONTEXTXXI Nº 2

Lexique de la ville

(fragments)
■  Bogdan Bogdanović
mars
1996

Antrpophage ou racines anthropophagiques de l’architecture C’est un lieu commun d’avancer que ce qui différencie l’homme de l’animal est l’invention du feu et ce qui l’a immédiatement suivie, à savoir les jeux anthropophagiques. Notre ancêtre suçait la moelle des héros tombés au combat, excellents (...)

Context XXI, Heft 7-8/2001 — 1/2002

Mahnmal in Jasenovac

■  Bogdan Bogdanović
Februar
2002

Beiträge zu Bogdan Bogdanović
Context XXI, Heft 1-2/1999
Bogdan Bogdanovic — Erinnerungen

Der verdammte Baumeister

Juni
1999

Die Stadt und einer der sie liebt, der sie träumt, der für sie kämpft, stehen im Zentrum des „Verdammten Baumeisters“. Bogdan Bogdanovic ist poète maudit der urbanen Welt, er ist ein maudit — ein Verdammter, der als Exilant aus dem ehemaligen Jugoslawien, aus Belgrad, seit 1993 in Wien lebt, wo er (...)

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Bogdan Bogdanović (Beograd, 20. august 1922. — Beč, 18. juni 2010.) bio je jugoslavenski (...)

Bogdan Bogdanović (serbisch-kyrillisch Богдан Богдановић; * 20. August 1922 in Belgrad, Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen; † 18. Juni 2010 in Wien, Österreich[1]) war ein jugoslawisch-serbischer Architekt, Stadttheoretiker und Essayist. Er war Autor zahlreicher Publikationen zur Architektur von Städten, insbesondere über mythische und symbolische Aspekte, und verfasste zahlreiche Beiträge in internationalen Medien (El País, Svenska Dagbladet, Die Zeit u. a.).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steinerne Blume von Bogdan Bogdanović in der Gedenkstätte des KZ Jasenovac

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, an dem er auf der Seite der jugoslawischen Partisanen teilnahm, studierte Bogdanović Architektur und arbeitete zunächst als Assistent am Lehrstuhl für Urbanistik der Universität Belgrad. 1951 gewann er einen Wettbewerb zur Errichtung eines Denkmals auf dem sephardischen Friedhof in Belgrad und schuf damit die erste von insgesamt rund 20 Gedenkstätten, die er bis in die 1980er Jahre in ganz Jugoslawien realisierte.[2] Zu seinen bekanntesten Werken zählt die monumentale Betonskulptur „Steinerne Blume“ im Jasenovac-Gedenkpark (1966), die auch internationale Beachtung fand.

Die Arbeit an dem Denkmal auf dem Belgrader sephardischen Friedhof (1951–1952) erwies sich als bedeutsam für Bogdanovićs weiteres Werk. Zwar selbst nicht gläubig, begann er sich dafür mit der jüdischen Symbollehre und der Kabbala auseinanderzusetzen, was sein von Metaphysik und Surrealismus geprägtes weiteres Schaffen beeinflusste („Ich kann also sagen, dass ich durch meine Beschäftigung mit der jüdischen Esoterik anfing, vieles zu sehen, das später meine ganze Arbeit und, wenn Sie so wollen, auch mein Leben stark beeinflusst hat.“[2]). Mit seinem Stil stand er im Widerspruch zum auch in Jugoslawien bis in die 1960er-Jahre vorherrschenden Sozialistischen Realismus, wurde aber von der Partei- und Staatsführung um Josip Broz Tito, auch um den eigenständigen Weg des Landes im Gegensatz zur Sowjetunion zu unterstreichen, immer wieder unterstützt.

Politisch war er, seit seiner Zeit bei den Partisanen Mitglied der Kommunistischen Partei, in seinen eigenen Worten „ein schlechter Kommunist, aber mit Überzeugung – ein überzeugter Linker“[2]. Zwar fand er sich zunehmend in Opposition zur immer nationalistischer agierenden Staatsführung, wurde aber 1982, auf Initiative des damaligen Parteivorsitzenden der Kommunistischen Partei Serbiens Ivan Stambolić, dennoch Bürgermeister von Belgrad.

Mit dem Machtantritt von Slobodan Milošević Ende der 1980er-Jahre und dem damit verbundenen sich ausbreitenden Nationalismus in Jugoslawien zog sich Bogdanović in die Dissidenz zurück und legte 1987, nachdem er in einem 60-seitigen offenen Brief Milošević und dessen Anhänger als engstirnige Kriegstreiber bezeichnet hatte, alle offiziellen Ämter zurück. Nach dem Ausbruch der Jugoslawienkriege Anfang der 1990er-Jahre, und auf Grund seiner regimekritischen Äußerungen zunehmend Anfeindungen ausgesetzt, ging er 1993 zusammen mit seiner Frau Ksenija ins Exil. Zunächst reisten sie nach Paris, wo es bereits einen „Belgrader Kreis“ jugoslawischer Emigranten gab. Diese Gruppe war allerdings stark nationalistisch geprägt, weshalb die Eheleute eine Alternative suchten. Auf Einladung von Milo Dor, eines Jugendfreundes von Bogdan Bogdanović, kamen sie schließlich nach Wien, wo in den folgenden Jahren mehrere seiner Bücher in deutscher Sprache erschienen.[2] Im Juni 2010 erlag er in einem Wiener Spital den Folgen eines Herzinfarktes.

Lehrtätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1964 lehrte Bogdanović als Professor an der Fakultät für Architektur der Universität Belgrad und leitete sie ab 1970 als Dekan. Daneben war er zeitweilig Vorsitzender des jugoslawischen Architektenverbands und Mitglied der Serbischen Akademie der Wissenschaften und Künste.[2] Als Dekan versuchte er eine Reform der Architekturausbildung durchzusetzen, wurde aber noch vor deren Realisierung von der Partei zum Rücktritt gezwungen. Er verlegte seinen Unterricht daraufhin ganz in eine leerstehende Dorfschule in der Nähe von Belgrad, wo er bereits seit 1976 mit seiner „Philosophie der Architektur“ ein Alternativprojekt zu verwirklichen versuchte. Auch diese alternative Architekturausbildung wurde von den Machthabern allerdings zunehmend angefeindet. 1981 trat er aus Protest gegen die politische Führung demonstrativ aus der Akademie aus.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkfriedhof Slobodište
Denkmal für die gefallenen Kämpfer der Revolution, Vlasotince

In der Zeit zwischen 1952 und 1981 entwarf Bogdan Bogdanović mehr als 20 Denkmäler und Gedenkstätten gegen Faschismus und Militarismus, die in allen Republiken Jugoslawiens gebaut wurden. Diese Werke resultierten direkt aus seiner persönlichen Erfahrung mit dem Zweiten Weltkrieg. Die Jahreszahlen kennzeichnen den Beginn der Planung bis zum Ende der Bautätigkeit.

Essays[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Deutsch sind von Bogdan Bogdanović die folgenden Essaysammlungen erschienen:

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dem im Jahr 2008 fertiggestellten Dokumentarfilm Architektur der Erinnerung: Die Denkmäler des Bogdan Bogdanović des österreichischen Stadtplaners Reinhard Seiß werden Bogdan Bogdanović und vor allem sein denkmalkünstlerisches Werk umfassend dargestellt.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jelica Jovanović, Vladimir Kulić, Wolfgang Thaler: BOGDAN BOGDANOVIĆ BIBLIOTEKA BEOGRAD. AN ARCHITECT’S LIBRARY. 2020. Salzburg: Fotohof edition. ISBN 978-3-902993-71-7

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Serbischer Architekt und Autor gestorben (Memento vom 21. Juni 2010 im Internet Archive)
  2. a b c d e Reinhard Seiß: Bogdan Bogdanovic: „Ich war und bin ein schlechter Kommunist“, Interview, 26. April 2009
  3. Architekturzentrum Wien Bogdan Bogdanović: Der verdammte Baumeister, Einzelausstellung, 5. März 2009 – 2. Juni 2009.
  4. Video zur Ausstellung Bogdan Bogdanović: Der verdammte Baumeister (2009)
  5. Architektur der Erinnerung: Die Denkmäler des Bogdan Bogdanovic (Memento vom 28. Dezember 2009 im Internet Archive) auf den Seiten des Filmfonds Wien

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bogdan Bogdanović – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien