Café Critique, Jahr 2007
Juli
2007

Antwort an Ulrike Lunacek

Unser Flugblatt zur Regenbogenparade, in dem wir über die Situation von Schwulen und Lesben im Iran informiert und sowohl den geplanten 22-Milliardendeal der OMV mit dem Regime in Teheran als auch die völlig unzureichende Stellungnahme dazu von Ulrike Lunacek kritisiert haben, hat zu einer Reaktion von Lunacek geführt. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses des Nationalrats, Sprecherin der Grünen für Außen- und Entwicklungspolitik sowie für Gleichstellung von Lesben, Schwulen und TransGenders.

Nachstehend unsere Antwort an Ulrike Lunacek, die ebenfalls auf glocalist.com veröffentlicht wurde.

Sehr geehrte Frau Lunacek,

Sie stören sich daran, daß wir ihre Kritik am Zeitpunkt des OMV-Deals und die Forderung nach Einsatz der OMV für Menschenrechtsorganisationen bzw. Oppositionsmedien im Iran in unserem Flugblatt zur Regenbogenparade nicht erwähnt haben. Diese scheinen uns auch entbehrlich zu sein. Denn ob man nun ein Regime wie das iranische zu diesem oder jenem Zeitpunkt, mit oder ohne ein paar Anzeigen in einer oppositionellen Zeitung mit einem 22-Milliardendeal belohnt, ändert nichts an der Sache. (Und auch Sie wissen: die wahrhaft oppositionellen Zeitungen können im Iran gar nicht erscheinen, und dementsprechend kann die OMV auch nicht in ihnen inserieren. Zur Kommentierung Ihrer Forderungen hinsichtlich der OMV-Geschäfte mit der iranischen Theokratie siehe den Artikel von Stephan Grigat in der Berliner Wochenzeitung Jungle World: „Ein Beitrag der Zivilgesellschaft“)

Sie verweisen darauf, daß Sie als einzige Nationalratsabgeordnete die Situation von Schwulen und Lesben im Iran wiederholt kritisiert haben. Das ist uns bekannt. Deshalb heißt es in unserem Text auch: „... daß sie die lebensbedrohliche Situation der iranischen Homosexuellen nicht weiter interessiert, wenn es um die Verteidigung österreichischer Interessen geht.“ Wäre die Diskussion über das geplante OMV-Geschäft nicht ein sehr guter Zeitpunkt und eine passende Gelegenheit gewesen, auf die Situation von Schwulen und Lesben im Iran hinzuweisen, anstatt darauf, daß US-amerikanische Gesetze in Österreich keine Gültigkeit haben?

Zudem erklärt gerade die Tatsache, daß Sie in der Vergangenheit zu den wenigen gehört haben, die überhaupt öffentliche Kritik am Iran formuliert haben, warum wir Sie in unserem Text kritisieren. Von SPÖ- und anderen Politikern und Politikerinnen erwarten wir uns diesbezüglich nichts. Sie hingegen verstehen sich als eine der Emanzipation verpflichtete Politikerin. An eine solche richtet sich unsere Kritik, die nicht auf eine Diskreditierung Ihrer Person abzielt, sondern auf ihre Einsicht hofft. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie Ihre Position ändern (auch wenn es dafür in Ihrer abwehrenden Antwort keine Hinweise gibt) und öffentlich deutliche Opposition zu dem Milliardendeal der OMV artikulieren würden. Gelegenheit hätten Sie dazu beispielsweise bei der Kundgebung, die wir gemeinsam mit der Israelitischen Kultusgemeinde am 30. September in Wien gegen die Iran-Geschäfte der OMV und gegen das Nuklearprogramm jener Mullahs organisieren, die mit einem zweiten Holocaust drohen.

Nebenbei gesagt (auch wenn das hier gar nicht viel zur Sache tut): Wir „entdecken“ nicht erst jetzt die Homophobie der iranischen Mullahs, wie Sie unterstellen. Aktivisten von Café Critique haben sich auch an der Kundgebung vor dem Büro der iranischen Fluglinie gegen die Hinrichtung von zwei Schwulen im Juni 2005 beteiligt. Anders als die Grünen tragen wir allerdings nicht jedesmal eine Fahne unseres Vereins durch die Gegend, wenn wir an einem politischen Protest teilnehmen.

Ihre Kritik der Verwendung des Wortes „Milieu“ ist, mit Verlaub, lächerlich und eine recht durchschaubare Abwehrstrategie. Ein Begriff hat nicht nur eine Semantik, sondern auch einen Kontext. Die Homophobie benutzt das Wort, um Schwule und Lesben ins Schmuddeleck zu stellen. Mit Milieu meinen wir in unserem Text jedoch unmißverständlicherweise nicht Homosexuelle, sondern die Grünen und ihren Anhang. Unser Text bezieht sich auf ein politisches Milieu, das permanent von Menschen- und noch lieber Völkerrechten redet, aber die USA treffen möchte; das mehrere zehntausend Menschen auf die Straße bringt, wenn es gegen die Beseitigung der Hussein-Diktatur im Irak geht, aber sich gar nicht dafür interessiert, wenn die Auslöschung Israels angekündigt wird; das sich angeblich für Frauen- und Homosexuellenrechte engagiert, aber Kritik am politischen Islam gerne als Rassismus abqualifiziert.

Sie nehmen für sich die „Kritik an einzelnen Positionen der US-Regierung“ in Anspruch. Wir auch. Allerdings: Der Antiamerikanismus gehört zur ideologischen Grundausstattung der postnazistischen Republik Österreich. Bei aller notwendigen Differenzierung: er artikuliert sich gerne auch in der „Kritik an einzelnen Positionen der US-Regierung bzw. vom Kongreß verabschiedeten Gesetzen“. Womit eben nicht gesagt ist, daß jede „Kritik an einzelnen Positionen der US-Regierung bzw. vom Kongreß verabschiedeten Gesetzen“ antiamerikanisch wäre. Nur: Erklären Sie uns doch einmal, was es an einem Gesetz zu kritisieren gibt, das Unternehmen von der Investition in einem Staat abhalten soll, in dem apokalyptische Märtyrerbanden herrschen, die in neuen religiösen und politischen Formen an den Vernichtungswahn des NS-Staats anzuknüpfen drohen? Wenn einem angesichts eines nationalen Schulterschlusses gegen die ’arroganten Amis’ als Reaktion auf die Kritik der USA an dem geplanten OMV-Geschäft im Iran nichts Besseres einfällt als die Klarstellung, daß US-Gesetze in Österreich keine Gültigkeit haben, dann bedient man damit natürlich den Antiamerikanismus. Wir jedenfalls freuen uns, daß wenigstens die USA diese Kritik formulieren — wenn’s die Grünen schon nicht hinbekommen.

Opportunismus gut und schön — doch unsachliche Lobgesänge auf das Menschenrechtsengagement der OMV gehen ins Leere. Den Schwulen und Lesben im Iran werden sie zumindest ebenso wenig helfen wie den Israelis, für die das Atomprogramm des Iran eine existentielle Bedrohung darstellt.

Mit freundlichen Grüßen
Café Critique
Wien, 7. 7. 2007

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OMV Aktiengesellschaft

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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN AT0000743059
Gründung 1956
Sitz Wien, OsterreichÖsterreich Österreich
Leitung Alfred Stern[1][2]
Mitarbeiterzahl 25.291 (2020)[3]
Umsatz 16,55 Mrd. Euro (2020)[3]
Branche Öl, Gas und Petrochemie
Website www.omv.com

Die OMV-Hauptsitz in 1020 Wien im Hochhaus „Hoch Zwei

Die OMV-Aktiengesellschaft mit Sitz in Wien ist ein börsennotierter integrierter Erdöl-, Erdgas- und Petrochemiekonzern, der sowohl im Upstream als auch im Downstream aktiv ist.[3] Mit einem Umsatz von 17 Mrd. Euro und einem Mitarbeiterstand von rund 25.000 Beschäftigten (inkl. Borealis) im Jahr 2020 ist OMV eines der größten Industrieunternehmen Österreichs.[3]

Im April 2021 berichtete die Süddeutsche Zeitung, dass Vorstandsvorsitzender Rainer Seele aufgrund schwerer Vorwürfe gegen ihn (siehe Kritik) auf eine Vertragsverlängerung 2022 verzichten werde.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründung des Konzerns erfolgte am 3. Juli 1956 mit seiner offiziellen Eintragung ins Handelsregister als „Österreichische Mineralölverwaltung Aktiengesellschaft“ (ÖMV)[5] und war aus der „Sowjetischen Mineralölverwaltung“ (SMV) hervorgegangen, die bis 1955 von der Sowjetischen Besatzungsmacht kontrolliert wurde.

Ein frühes Logo, das bis um 1970 verwendet wurde, symbolisiert mit einem kreisförmigen dünnen O etwa den Querschnitt eines Rohrs oder Kessels. Darübergelegt ist die zarte trapezförmige Kontur eines Bohrturms an die sich die fetten Umlaut-Striche des Ö und darunter das M anlehnen. Das folgende V kann als Flaschenzug für das Bohrgestänge interpretiert werden.[6] Um 1980 findet sich eine mittelblaue fette Schrift ÖMV. 1982/1983 wird die Bildmarke der nach rechts laufenden Folge Kreis-Quadrat-Dreieck eingeführt. Zarte Einschnitte (1, 2, 1) von oben im Winkel kursiver Schrift in die sonst vollflächigen schwarzen Figuren unterstützt das Lesen als die geometrisch ähnlich konturierte Buchstabenfolge ÖMV.[7] 1991 wird erstmals eine Tankstelle im Ausland, in Ungarn eröffnet. Um gute Lesbarkeit auch im Ausland zu erreichen, wird 1992 der explizite Schriftzug ÖMV unten dazugestellt. In einem weiteren Schritt wurde für international bessere Verständlichkeit 1994 der Umlaut Ö zu einem O reduziert, im Logo wie im Firmennamen.

Im Jahr 1960 wurde die Raffinerie Schwechat südöstlich von Wien in Betrieb genommen[8], 1968 wurde der erste Erdgasliefervertrag mit der damaligen UdSSR abgeschlossen.[9] Im Rahmen des ersten Börsengangs eines staatlichen österreichischen Unternehmens wurden 15 % der ÖMV Ende 1987 privatisiert.[10] Die ÖMV beteiligte sich 1989 beim dänischen Kunststoffkonzern Borealis mit zunächst 25 %. Die erste ÖMV-Tankstelle nahm am 26. Juni 1990 ihren Betrieb in Wien-Auhof auf.[11] Im selben Jahr übernahm die ÖMV die Chemie Linz (die später in Borealis eingegliedert wurde).

Ende 1994 stieg die International Petroleum Investment Company (IPIC) aus Abu Dhabi mit vorerst 19,6 % beim Konzern ein. Im Zuge dieser Internationalisierung wurde der Konzernname „ÖMV“ 1995 auf „OMV“ vereinfacht, da Umlautzeichen in etlichen Sprachen wenig geläufig sind. Auch in Osteuropa wuchs die OMV: 2000 erwarb das Unternehmen rund 10 % am ungarischen Mineralölkonzern MOL, 2003 akquirierte die OMV auch die Upstream-Sparte der deutschen Preussag Energie und baute das Tankstellennetz weiter aus.

Zum Marktführer in Mittel- und Osteuropa wurde die OMV 2004 durch den Erwerb von 51 % des rumänischen Öl- und Gaskonzerns Petrom. Im gleichen Jahr erhöhte die OMV das Grundkapital, womit erstmals mehr als 50 % der Aktien im Streubesitz waren. Nach dem Verkauf von 50 % der Tochtergesellschaft Agrolinz Melamine an die IPIC im Jahre 2005 wurde gemeinsam mit IPIC die Borealis-Gruppe zur Gänze übernommen.

2006 beteiligte sich die OMV mit 34 % am türkischen Erdölkonzern Petrol Ofisi.

Im Mai 2006 kündigten die Vorstände der OMV und der Verbund AG (Elektrizität) an, dass eine Fusion angestrebt werde. Es wurde spekuliert, dass diese Idee eher politisch als wirtschaftlich motiviert wäre. Zuerst schien eine Fusion politisch möglich, letztlich scheiterte sie aber am Widerstand der Landeshauptleute.

2007 erhöhte die OMV ihre Anteile am ungarischen Mineralölkonzern MOL auf vorerst 20,2 %. Nachdem ein Übernahmeangebot im August 2008 von der MOL abgelehnt worden war, und die EU-Kommission scharfe Auflagen für eine Genehmigung gemacht hatte, veräußerte die OMV im März 2009 ihre gesamten MOL-Beteiligungen. Ende 2010 übernahm die OMV den Anteil der Dogan-Holding an der Petrol Ofisi und erhöhte ihren Anteil somit auf 95,75 %. 2012 konnte mit der Domino-1-Bohrung im Neptun-Block vor der rumänischen Schwarzmeerküste der bisher ergiebigste Gasfund der OMV gemacht werden.[12]

Im Oktober 2013 schloss die OMV Verhandlungen über eine Beteiligung an den Öl- und Gasfeldern der norwegischen Statoil in Norwegen und Großbritannien (westlich der Shetlandinseln) erfolgreich ab. Mit 2,65 Mrd. US-Dollar stellte dies damals die größte Akquisition in der Unternehmensgeschichte dar.[13] Der Verkauf des 45%-Anteils an der deutschen Raffinerie Bayernoil an die Varo Energy wurde im Juni 2014 abgeschlossen.[14]

2015 erhöhte die OMV ihre Beteiligung an der Petrol Ofisi auf 100 %. Im Jahr 2017 verkaufte sie das Unternehmen an die Vitol Gruppe.[15] Ebenfalls 2017 unterzeichnete die OMV gemeinsam mit ENGIE, Shell, Uniper und Wintershall einen Finanzierungsvertrag mit der Nord Stream 2 AG. Die 1.220 Kilometer lange Nord Stream 2 Gaspipeline wird von der russischen Küste durch die Ostsee nach Deutschland verlaufen.[16]

2019 gründeten die OMV und Sapura Energy Berhad die SapuraOMV Upstream Sdn. Bhd., ein führendes, unabhängiges Öl- und Gasunternehmen in Malaysia.[17] Im gleichen Jahr beteiligte sich die OMV mit einem 15 %-Anteil an ADNOC Refining in den Vereinigten Arabischen Emiraten.[18]

Im März 2020 unterzeichnete die OMV eine Vereinbarung zur Aufstockung ihrer Beteiligung an Borealis: die OMV, die bislang 36 % der Anteile an Borealis hielt, erwirbt weitere 39 % und erhöhte damit ihren Anteil auf 75 %. Diese Akquisition war die bisher größte in der Unternehmensgeschichte und gleichzeitig eine Erweiterung der Wertschöpfungskette in Richtung Petrochemie.[19] Im Dezember 2020 verkaufte die OMV ihr Tankstellennetz in Deutschland mit 285 Tankstellen an die britische EG Group.[20]

Im Dezember 2020 nahm die OMV gemeinsam mit ihrem Partner Verbund in Schönkirchen (Niederösterreich) die damals größte Photovoltaikanlage Österreichs in Betrieb.[21]

Im Juni 2021 verkaufte die OMV die Tochter OMV Slowenien, bestehend aus Tankstellen und das Kundengeschäft in Slowenien an die ungarische MOL, die schon bisher daran 7,75 % hielt.[22]

Vorstandsvorsitzende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Vorstandsmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufsichtsratsvorsitzende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmensdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktionärsstruktur[30]

31,5 % ÖBAG – Österreichische Beteiligungs AG
24,9 % Mubadala Petroleum and Petrochemicals Holding Company (MPPH)
28,6 % Institutionelle Investoren
12,1 % Privatanleger und diverse
2,3 % Unidentifizierter Streubesitz
0,5 % Eigene Aktien und andere

Geschäftsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Upstream[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Geschäftsbereich Upstream konzentriert sich die OMV auf die Exploration, Entwicklung und Produktion von Öl und Gas in fünf Kernregionen: 1) Mittel- und Osteuropa, 2) Mittlerer Osten und Afrika, 3) Nordsee, (4) Russland und (5) Asien-Pazifik. 2020 lag die durchschnittliche Tagesproduktion bei 463.000 boe/d mit einem Schwerpunkt auf der Produktion von Erdgas; die sicheren Reserven betrugen zum Jahresende 1,34 Mrd. boe.[3]

Downstream[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bereich Downstream Öl betreibt drei Raffinerien: Schwechat (Österreich), Burghausen (Deutschland), die beide über eine integrierte Petrochemie-Produktion verfügen, sowie die Raffinerie Petrobrazi (Ploiești, Rumänien), die überwiegend rumänisches Rohöl verarbeitet. Zusätzlich hält die OMV einen 15%-Anteil an ADNOC Refining und ADNOC GLOBAL Trading JV. Die OMV verfügt damit über eine Raffineriekapazität von mehr als 500 kbbl/d.[3] Darüber hinaus betreibt die OMV etwa 2.100 Tankstellen in zehn europäischen Ländern und verfügt über Gasspeicher in Österreich sowie Deutschland. Im Jahr 2020 hat die OMV rund 164 TWh Erdgas verkauft und sie hält 65 % am Central European Gas Hub (CEGH), einer etablierten Gashandelsplattform.[3]

Beteiligungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die OMV ist unter anderem an folgenden Unternehmen beteiligt:[31]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Vergangenheit stand die OMV vor allem wegen ihres Engagements im Sudan in der Kritik.[32][33] Im September 2007[34] hatte die OMV mit der National Iranian Oil Company einen Vorvertrag unterzeichnet, der nach iranischen Medienangaben über 25 Jahre ein Geschäftsvolumen von 22 Milliarden Euro umfassen soll. Während die österreichische Regierung die Vertragsverhandlungen mit der Begründung einer stärkeren Unabhängigkeit von russischen Lieferungen begrüßte,[35] stieß das Vorhaben bei der US-Regierung[36] und bei verschiedenen Organisationen wie z. B. dem Jüdischen Weltkongress auf massive Kritik. Die OMV wurde aufgerufen, auf das Geschäft zu verzichten. Auf entsprechende Proteste vor der Jahreshauptversammlung 2008 entgegnete OMV-Chef Ruttenstorfer, dass noch kein Abschluss des Geschäfts absehbar sei und es darum gehe, mehr Unabhängigkeit der Energieversorgung von russischen Lieferungen zu gewährleisten. Des Weiteren stieß der kostspielige Übernahmeversuch des ungarischen Mitbewerbers MOL auf Kritik bei der Jahreshauptversammlung.[37]

Im Sommer 2019 plante die OMV, vor der Küste Neuseelands nach Öl zu bohren. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte diese Bestrebungen aufgrund der dort ansässigen Delphin- und Blauwalpopulation. Alle anderen großen Ölkonzerne hätten sich bereits aus Neuseeland zurückgezogen.[38] Das österreichische Klimavolksbegehren betonte zudem die klimaschädlichen Auswirkungen von Ölförderungen und bezeichnete die Bohrpläne in einer Aussendung als an „Verantwortungslosigkeit nicht zu überbieten“.[39]

Dass die OMV im November 2019 ankündigte, das Ölfeld zu verkaufen, reichte Greenpeace nicht, da weiterhin Öl- und Gasbohrungen geplant wären und die OMV immer noch im Besitz von zwei Gasfeldern sei.[40]

Systematische Überwachung von Klimaaktivisten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Unternehmen und seinem Vorstandsvorsitzenden Rainer Seele wird vorgeworfen, Klimaaktivisten von Greenpeace und Fridays for Future durch internationale Spionagedienstleister systematisch überwachen zu lassen, was das Unternehmen bestreite, schreibt die Süddeutsche Zeitung im April 2021. Ebenso seien auch Schüler und Senioren bei Protesten in Neuseeland beobachtet worden sein. Der Konzern soll außerdem intern Mitarbeiter auf der Suche nach Leaks ausgeforscht haben, indem Diensthandys und E-Mails der Belegschaft ausgewertet würden. Weiter steht Seele in der Kritik, bei der Übernahme des Plastikherstellers Borealis einen viel zu hohen Kaufpreis gezahlt zu haben. Außerdem hätte er den Aufsichtsrat nicht ausreichend informiert.[41]

Neuorientierung 2021[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Februar 2021 wurde im Rahmen der Ergebnispräsentation[42] eine Neuausrichtung der OMV verkündet. Mit der Übernahme der Mehrheitsanteile an Borealis im Jahr 2020 soll die Sparte „Chemicals & Materials“ ein Wachstumsgebiet werden. Der Fokus auf eine Erhöhung der Öl- und Gasförderung auf 600 kboe/d soll zurückgenommen werden, laut Plan soll das Fördervolumen auf aktuellem Niveau von etwa 480 kboe/d gehalten werden. Auch die Verdoppelung der Förderreserven soll nicht mehr angestrebt werden.

Von den 2020 angekündigten Verkäufen mit einem Volumen von 2 Mrd. Euro wurden mit Stand 4. Februar 2021 mehr als die Hälfte realisiert: Verbliebene Anteile an der Pipelinetochter Gas Connect Austria (GCA), das Tankstellennetz in Deutschland und die Ölproduktion in Kasachstan sind verkauft. Noch abgegeben werden sollen die Tankstellenkette in Slowenien und das Düngemittelgeschäft der Borealis.

Mittelfristig sollen in Österreich 3 Mrd. Euro investiert werden, ein Drittel davon für nachhaltige Projekte: für Kunststoffrecycling, erneuerbare Energie und die Erzeugung von grünem Wasserstoff. Ziel soll sein, den Rohöleinsatz in den eigenen Raffinerien durch Kunststoffmüll zu substituieren.[43]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: OMV – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Stern übernimmt am 1. September das Ruder bei OMV. In: ORF.at. 31. August 2021, abgerufen am 1. September 2021.
  2. Alfred Stern wird neuer OMV-Chef orf.at, 1. Juni 2021, abgerufen am 2. Juni 2021.
  3. a b c d e f g OMV Geschäftsbericht 2020, Geschäftsbericht 2020, abgerufen am 20. Mai 2020
  4. Cathrin Kahlweit: OMV-Chef kündigt Rückzug an. Süddeutsche Zeitung (Ressort Wirtschaft), 27. April 2021 (SZ.de).
  5. 60 Jahre und kein bisschen leise: OMVs bewegte Geschichte blog.omv.com, abgerufen am 4. Juli 2016.
  6. Bohrturm-Logo auf Modellbahnwaggon memoba.at, abgerufen am 2. Juni 2021.
  7. Anm. In Analogie zum V könnte das Quadrat mit den zwei Einschnitten oben allerdings auch als W interpretiert werden.
  8. Raffinerie Schwechat: 60 Jahre und noch lange nicht pensionsreif Abgerufen am 20. Mai 2020.
  9. Jubiläum: 50 Jahre Gasliefervertrag Abgerufen am 20. Mai 2020.
  10. Die OMV Aktie: 30 Börsenjahre – 2.000 Prozent Rendite Abgerufen am 20. Mai 2020.
  11. 30 Jahre OMV Tankstellen Abgerufen am 20. Mai 2020.
  12. OMV Presseaussendung, ExxonMobil / OMV Petrom: Tiefwasser Gasfund vor der Rumänischen Schwarzmeerküste. Abgerufen am 7. April 2017.
  13. OMV Presseaussendung, OMV schließt Akquisition mit Statoil ab. Abgerufen am 7. April 2017.
  14. OMV Presseaussendung, OMV: Downstream Umstrukturierung auf Kurs. Abgerufen am 7. April 2017.
  15. OMV Presseaussendung, OMV verkauft die 100%ige Tochtergesellschaft OMV Petrol Ofisi an die Vitol Gruppe. Abgerufen am 7. April 2017.
  16. Nord Stream 2 entmystifizieren: OMV’s Gründe, sich am Projekt zu beteiligen Abgerufen am 7. Juli 2019.
  17. OMV und Sapura Energy schließen Vereinbarung zur Bildung einer strategischen Partnerschaft ab Abgerufen am 7. Juli 2019.
  18. ADNOC unterzeichnet bahnbrechende strategische Partnerschaftsabkommen mit Eni und OMV in den Bereichen Raffination und Handel Abgerufen am 7. Juli 2019.
  19. OMV stockt Borealis-Anteile auf Abgerufen am 7. Juli 2019.
  20. OMV verkauft Tankstellennetz in Deutschland. In: wienerzeitung.at. 14. Dezember 2020, abgerufen am 14. Dezember 2020.
  21. OMV und VERBUND intensivieren ihre strategische Energie-Kooperation Abgerufen am 13. Juli 2020.
  22. OMV verkauft Tankstellen in Slowenien an MOL-Gruppe orf.at, 8. Juni 2021, abgerufen am 8. Juni 2021.
  23. Deutscher Topmanager Rainer Seele wird neuer OMV-Chef. Artikel vom 27. März 2017, abgerufen am 20. Dezember 2017.
  24. „Alfred Stern neuer Vorstandschef der OMV“ in orf.at, abgerufen am 1. Juni 2021.
  25. Kurier: Peter Löscher wird OMV-Aufsichtsratschef. Artikel vom 7. April 2016, abgerufen am 26. September 2017.
  26. Der OMV Aufsichtsrat. Abgerufen am 26. September 2017.
  27. Wolfgang Berndt ist neuer OMV-Aufsichtsratschef. Artikel vom 15. Mai 2019, abgerufen am 15. Mai 2019.
  28. a b Hanna Kordik: Neuer Aufsichtsratschef für die OMV. In: Die Presse. 17. September 2020, abgerufen am 18. September 2020.
  29. Hauptversammlung: Mark Garrett in den OMV-Vorstand gewählt. In: Wiener Zeitung. 29. September 2020, abgerufen am 4. November 2020.
  30. Aktionärsstruktur, OMV, Abgerufen am 17. August 2021.
  31. OMV Geschäftsbericht 2016, Direkte und indirekte Beteiligungen der OMV Aktiengesellschaft, S. 209ff. Abgerufen am 7. April 2017.
  32. Philipp-Stephan Schneider: Engagement Multinationaler Unternehmen in Krisenregionen. Am Beispiel der OMV im Sudan, Diplomarbeit, Universität Wien 2004.
  33. taz: Mit blutigen Händen, 10. Juni 2010.
  34. Telepolis: Schweizer Energiekonzern unterzeichnet Milliardengeschäft mit Iran, 17. März 2008.
  35. Wirtschaftsblatt: Gusenbauer und Schüssel für OMV/Iran-Projekt (Memento vom 10. Juni 2015 im Internet Archive), 25. April 2007.
  36. Reuters: U.S. to discuss OMV's Iran gas deal with Austria, 23. April 2007.
  37. OMV: Erst das Fressen, dann die Moral. In: Die Presse. 14. Mai 2008.
  38. Greenpeace gegen OMV in Neuseeland: "Finger weg von Walen!" In: www.diepresse.com. Abgerufen am 23. November 2019.
  39. Klimavolksbegehren verurteilt Neuseeland-Bohrungen der OMV. In: www.ots.at. Abgerufen am 23. November 2019.
  40. OMV zieht sich aus Ölförderung in Neuseeland zurück. In: kurier.at. Abgerufen am 23. November 2019.
  41. Cathrin Kahlweit: OMV-Chef kündigt Rückzug an. Süddeutsche Zeitung (Ressort Wirtschaft), 27. April 2021 (SZ.de).
  42. Ergebnis Jänner – Dezember und Q4 2020 Abgerufen am 20. Mai 2021.
  43. OMV fährt Öl- und Gasproduktion deutlich zurück. In: orf.at. 4. Februar 2021, abgerufen am 4. Februar 2021.

Koordinaten: 48° 12′ 49,2″ N, 16° 24′ 50,7″ O