FORVM, No. 347/348
Dezember
1982

Freiheit für’s Unkraut!

Giftig grüne Bemerkungen*

Bäume werden gefällt, damit Zivilisation umzimmert, verpackt, erwärmt werden kann, damit Sprachspiele den Atemzug überdauern, der sie gebiert — bis schließlich doch das bedruckte Papier in Rauch aufgeht oder vermodert.

Bäume müssen dran glauben, wenn alternativ-grüne Autoren besinnliche Bücher schreiben, in denen zum Schutz der Bäume aufgerufen wird. Gut Holz! Baumzeit ist’s!

Das größte Problem ist für mich gegenwärtig das Licht: es wird abends schnell finster, und bei Kerzenlicht kann ich weder lesen noch schreiben, nur meditieren.

An diesem sonnigen Novembertag sitze ich unter dem entlaubten Nußbaum neben meinem Zigeunerhäuschen und blättere in den neuesten Publikationen meines Freundes Clemens Zerling.

Den Umschlag des Breviers Baumzeit ziert der Slogan: „Freiheit für die Bäume“ (abphotographiert von einem Holzverschlag um einen städtischen Straßenbaum — daneben ein aufgespraytes A im Kreis), während der Heilkräuterkalender in einem eigenen Kapitel „Freiheit für’s Unkraut“ fordert.

Verhallen so nach fünfzehn Jahren Marsch durch Institutionen und Subkulturen kulturrevolutionäre Freiheitsrufe wie ein Echo in Wiese und Wald?

Liberation Vegetation

Den Zwiespalt von Liberation und Vegetation überbrückt in „Baumzeit“ Bertolt Brechts „Der Geierbaum“ liebevoll plaçiert nach einer Information über ein sehr aktuelles Skandalon: „Die Wirkung von Tausalz auf Straßenbäume“.

Doch nachdem Brechts Geier den Baum zerfetzen und zerhacken durften, sodaß er nach einem letzten nächtlichen Aufblühen tot ist, schwärmen in Bettina Rieses Text „Baumgeister“ die grünen Illusionen der „Aquarian Conspiracy“ ungeniert ein. „Baumgeister“, wird der Leser belehrt, „verlangen neuerdings wieder mehr gebührenden Respekt und die Findhorn-Leute lassen uns wissen, daß der Kontakt zu den Geistern wiederhergestellt sei, und so wichtige Angaben über Pflanzenanbau gewonnen werden könnten“. (Was ist mit dem bösen Baumgeist „Schlange“ der Bibel?) Das betrifft jedoch nur die unterste Lad’. Mythologische Stockwerke über diesen Geistern (die ja letztlich nur „Elementare“ und sohin sterblich sind), rangieren die diversen Götter mit ihren je eigenen „Götterbäumen“: Osiris und die Akazie, Mithras und die Zypresse, Shiva und der wilde Apfel, um nur einige zu nennen.

Den keltischen Druiden war die Tanne heilig, ein Tannenzapfen war jenem Dreieck eingezeichnet, das die „dreifache Göttin“, die „Schöpferin und Lenkerin des Universums“ symbolisiert haben soll (Zerlings Hinweis auf das Zigeunerheiligtum Saintes-Maries-de-la-Mer in der Camargue ist leider irreführend: nicht die „drei Marien“ sind das Kultobjekt der Fahrenden, sondern Sara la Kali, die schwarzgesichtige „Dienerin“ der Marien).

Durch Bäume wurden auch die Buchstaben der keltischen Alphabete dargestellt, sie beginnen mit der Birke, die den Anfang des Mondjahrs bezeichnet während das erste Zeichen unseres ABC sich vom hebräischen Aleph, dem Stierkopf, herleitet. Matriarchale Baumzüchter versus patriarchale Tierzüchter? Andererseits war ein Stier der Begleiter der Großen Göttin: „Wollten die Dämonen schwierige Fragen nicht beantworten, versuchten die Druiden, mit Stierhaut-überzogenen Ebereschenzweigen nachzuhelfen“.

Bäume dienten so auch dem Orakeln — und stellten den Kosmos dar, vom alten Welt- und Lebensbaum des Paradieses angefangen bis zum sephirotischen Baum der jüdischen Kabbala und dem Kreuzesbaum, an dem der Welterlöser hing.

Die ersten angelsächsischen Kirchen seien (so zitiert „Baumzeit“ eine Theorie des schottischen Geologen James Hal aus Eschenstangen und Weidenruten geflochtene „Baumkirchen“ gewesen, die im Frühjahr Blattwerk angesetzt hätten. Von Holz in Stein transponiert und riesenhaft vergrößert, habe dies die gotische Architektur ergeben ...

In den steinernen Straßenschluchten der großstädtischen Riesenwelt verarmt die Pflanzenwelt, die Bäume sterben ab, und doch könnten Bäume und Grünanlagen das Stadtklima sehr günstig beeinflussen.

„Was kann der Einzelne machen?“ fragt Bettina Riese und empfiehlt bürgerinitiative Begrünungsaktionen.

„Baumzeit“ enthält etliche Schwarz-weiß-Photos von bewachsenen Hausmauern, ja sogar von einem alten abgestellten Autobus, an dem sich Schlinggewächse hochranken.

Baumpreise

In einem Beitrag von Ralf Huttanus wird von der öffentlichen Rettungsaktion für eine Platane in Köln berichtet. Kostenpunkt: 240.000,— Mark.

Übel wären unsere Uraltvorderen mit jenem „Trottel“ umgesprungen, der das „anläßlich der Bundesgartenschau“ auf dem Berliner Kurfürstendamm gepflanzte „Erste Berliner Ginko-Bäumchen“ umgeschnitten hatte. „Für jeden abgehauenen Baum ein Kopf“, hieß es damals. Leben für Leben!

Clemens Zerling zitiert aus Frazers „Goldenem Zweig“ das Urteil über einen Baumverletzer: „Der Nabel des Verbrechers mußte herausgeschnitten und an den Teil des Baumes genagelt werden, den er abgeschält hatte, und er mußte immer wieder um den Baum herumgejagt werden, bis alle seine Eingeweide sich um den Baum geschlungen hatten“.

Zerling fragt sich, was die Ahnen „wohl beim Kahlschlag zur Erweiterung des Frankfurter Flughafens ausbaldowert hätten“, bemerkt aber ausdrücklich: „Diese Frage ist rein hypothetisch ich rufe keineswegs zur Gewalt auf“.

Zum Lebensbaum gehört das Lebenswasser, die Quelle. Zerling: „Bei den Skalden-Dichtern befindet sich der Urdbrunnen nicht nur dicht am Fuße der Weltesche, sondern eine Wurzel ragt in den Brunnen hinein.“ Heutzutage werden die Wurzeln der Stadtbäume im Winter durch Auftausalz bedroht.

In „Baumzeit“ liest man über den ersten Versuch einer salzfreien Zone in Berlin. Zerling behauptet: „Es war ein voller Erfolg ... Der Zwang, im Kriechtempo zu fahren, verminderte die Unfallhäufigkeit in jenen Tagen ... Trotzdem ist dieses Experiment letztendlich gescheitert.“ Warum? Weil das Alternativstreumittel „Granulat“ sich als „Feind der Auto- und Fahrradreifen entpuppt hat. Nun sind Sand und Lavaschlacke im Gespräch, „und schon haben gewisse Kreise ein Geschäft gewittert. Im Kreis Mayen/Eifel wurde vorsorglich einmal ein ganzer Berg von Lavaschlacke abgetragen“ (Zerling). Wodurch freilich die Grundwasserspeicherung der Gegend gefährdet wurde...

Berlin — Wien Teheran — Madrid

In Berlin sind bereits 40% des Baumbestandes durch Auftausalz vernichtet oder geschädigt. Laut Bernd Lötsch vom Institut für Umweltwissenschaften der Österreichischen Akademie der Wissenschaften wird in Wien bis 1986 ein Drittel der Alleebäume abgestorben sein.

In diesem Winter soll in Wien erstmals anstelle von Salz ein relativ teures Düngemittel eingesetzt werden. Auf längere Sicht besteht dadurch die Gefahr der Überdüngung. Deshalb verlangt Lötsch den gänzlichen Verzicht auf chemische Streumittel in Stadtgebieten und die Schaffung von Bewässerungssystemen, wie sie im Iran und in Spanien in Gebrauch sind.

Die niederösterreichische Straßenbaubehörde (Hofrat Partsch) ließ verlauten, das Leben von Menschen und das Leben von Bäumen könne man nicht „nebeneinanderstellen“, weshalb als Kompromiß das „hochrangige“ (im Gegensatz zum „niederrangigen“) Straßennetz aufgetaut werden würde.

Krisenglück

Allerdings sind nicht nur die Alleebäume bedroht, sondern ganze Wälder. In der Steiermark und im Wiener Wald fürchtet man mit Recht den „sauren Regen“, der in der Bundesrepublik schon länger bekannt ist.

Wenn das in der Wirtschaftskrise passiert, was wird uns erst blühen, wenn Energieverbrauch und Industrieproduktion wieder Zuwächse erzielen — und damit auch die „Schadstoffemissionen“?

Zerling hat eine apokalyptische Vision: Der böse Wurm nagt weiter an der Wurzel der Weltesche Yggdrasil (hier unterbricht mich mein Freund, der Specht: er sitzt über mir im Nußbaum und hämmert wild — den großen alten Birnbaum hat er schon völlig durchlöchert).

Die Weltesche wankt und schwankt: „Der gewaltige Baumriese neigt sich und stürzt mit Donnerkrachen in Midgards Flammengluten, daß Millionen Funken hoch zum Himmel sprühen. Da sinkt auch die Erde in das siedende Meer und das Ende der Welt ist gekommen!“

Doch „halt, da blüht doch was!“ Der Heilkräuterkalender 1983, zusammengestellt und mit vielen schönen Zeichnungen versehen, von Sybille Zerling, informiert ausgiebig über Zaubergetränke, Hexensalben, Giftkräuter und deren genießbare Geschwister und Doppelgänger (z.B. Petersilie und Hundspetersilie, Giftlattich und Gartenlattich, Sellerie und Sium, Gemüse-Portulak und Sonnwendwolfsmilch).

Interessantes und Praktisches lesen wir über „Anbau, Ernte, Heilanwendung und Zubereitung“ auch von Dill, Koriander, Eisenkraut, Wegwarte, Mondraute, Fünffingerkraut, Bingelkraut, Hauswurz und Frauenhaar.

Eigene Kapitel widmen sich dem Taumellolch, dem Mutterkorn, dem tödlichen Wasserschierling (und dem vielleicht weniger giftigen „gefleckten Schierling“), dem Bilsenkraut, dem Stechapfel und dem Schlafmohn.

Die Herausgeber weisen darauf hin, daß „bei Cannabis und einigen anderen Halluzinogenen jeder Umgang, von der Herstellung über den Handel bis hin zum Besitz unter Strafe gestellt“ ist.

Priestertrank

In zwei Punkten möchte ich dem Textautor Clemens Zerling widersprechen. Ich glaube nicht, daß es sich bei der altindischen Rauschdroge Soma um den Fliegenpilz der sibirischen Schamanen handelt. Man sollte mit Identifikationen wie indogermanisch = nördlich = schamanistisch vorsichtig sein, trotz oder gerade wegen der gegenwärtig grassierenden Schamanen-Hysterie.

Herstellungsweise und Wirkung des Soma werden in den Hymnen des Rigveda genau beschrieben, aber bisher ist noch niemand draufgekommen, um welche Pflanze es sich dabei gehandelt haben kann. Es war jedenfalls nichts Alkoholisches im Soma: Während die Priester Soma genossen, mußte sich das nicht eingeweihte Volk mit Sura (Schnaps) begnügen.

Der Genuß des „süßen“ Somasaftes vermittelte „kosmisches Bewußtsein“, analog dem iranischen Haoma, das personifiziert mit einem sternengeschmückten Gürtel dargestellt wurde. Bei Haoma dürfte es sich um ein Seidenpflanzengewächs (Asclepias acida) handeln. Samen einer Asclepias syriaca sind in Deutschland im Handel erhältlich. Verwandt damit ist die bei uns heimische Weiße Schwalbenwurz (Vincetoxicum officinale bzw. Cynanchum vincetoxicum Pers.), deren frische Blätter in der Homöopathie Verwendung finden.

Götterfraß

Unter den Kräutern, die der indische Gott Shiva in seiner Bettelschale umherträgt, spielt jedoch der Hanf eine ganz besondere Rolle. Cannabis ist vijaya, das ist Sieg-Spenderin, in Bengalen sagt man dazu siddhi (geheime Macht). Clemens Zerling vermutet, daß die sexuell stimulierende Wirkung in europäischen Hexenrezepturen von drei Pflanzen herrührt: es „scheinen Bilsenkraut und Stechapfel — unvermeidliche Zusätze in der interkontinentalen Liebes- ░░░░ [**] von indischen und orientalischen Prostituierten verwendet werden soll, für diesen Erlebnispart verantwortlich zu sein“. Wie immer auch die Wirkung von Bilsenkraut in dieser Hinsicht sein mag (Zerling: „Moderne Sklavenhändler sollen heute noch zu Hyoscyamus greifen, wenn sie ahnungslose junge Opfer an Bordelle verschachern wollen“): der letzte russische Zar hat häufig Bilsenkraut zu sich genommen — als Beruhigungsmittel für seinen nervösen Magen, verschrieben von Dr. Badmajew, einem burjätischen Schamanen ...

Und die Wirkung einer hohen Dosis Stechapfelsamen (er soll „Schwindel, Betäubung, Halluzinationen, Delirien, sinnlose Geschäftigkeit und sexuelle Träume“ hervorrufen) war bei meinem sehr unvorsichtigen Eigenversuch vor Jahren eine ganz andere. Ich zitiere aus meinen Notizen: „Erhöhter Muskeltonus, schwer zu beschreibende Veränderung der Stimmungslage ins hintergründig Skurrile, dabei Emotionslose; Auftauchen und gleich wieder Verschwinden von Assoziationsfetzen, deren Inhalt nicht zu identifizieren ist; progressive Änderung der Kurzsichtigkeit in Weitsichtigkeit; danach bleierner Schlaf mit Träumen optisch konturlosen Vorüberhuschens, akustisch verbunden mit Raunen und Geflüster, Farbe grün; leichte Transpiration“.

Kräuterverbote

Tatsächlich ist (außer dem handelsüblichen Rattengift und Erektionsmittel Strychnin) Cannabis das einzig echte Aphrodisiacum. Er wird heute noch in Indien einige Zeit vor Beginn des yogisch-tantrischen Rituals eingenommen, damit die Wirkung im Laufe der erotischen Handlungen „einfährt“. Was uns jedoch nur theoretisch zu interessieren hat, denn bei uns gehört Hanf zu den verbotenen Unkräutern.

Klagt der Heilkräuterkalender: „In den letzten Jahren sind wir ein Volk von Spitzeln und Jägern geworden, aufgerufen von Politikern, Polizei und verantwortungslosen Medien. Ob es nun Terroristen oder Brennnessel waren, immer wurde die Nation angehalten, verstärkt darauf zu achten, ob sich irgendwo Unordnung, Unfug oder Unkraut breit machte“.

In Hessen z.B. waren außer Brennesseln und Disteln auch Berufskraut, Franzosenkraut, Gemeine Melde und Goldrute verboten. Grundstückseigentümer mußten bis zu 10.000 Mark Strafe zahlen, wenn sie die Pflanzen nicht auszupften oder mit Vertilgungsmitteln bekämpften. Das galt auch für „Öd- und Brachländereien, Feldraine, Gräben und Böschungen, sowie Schutthalden und Lagerplätze“.

Nun gibt es ja eigentlich kein Un-Kraut, sondern nur Wild-Kräuter: „Dieses wachsen zu lassen, ist eine ethische Verpflichtung — und es ist lebenswichtig, denn Hafer und Roggen sind entstanden, weil ‚Unkräuter‘ gekreuzt wurden“ (Naturschützer Wolfgang Schumacher, Universität Bonn).

Spritzverbote

Inzwischen haben verschiedene deutsche Bundesländer diese Paragraphen abgeschafft oder gemildert. Im Saarland darf der Löwenzahn wieder wachsen, in der Eifel wird gar der Versuch gemacht, Wildkräuter wieder heimisch werden zu lassen. Die Bauern dürfen dort einen zwei Meter breiten Streifen am Rande ihrer Felder nicht mehr spritzen. Den Minderertrag ersetzt der Staat.

Das sind begrüßenswerte Ansätze, aber doch nur Tropfen auf den heißen Stein. Denn während wir uns — endlich und mit vielem Recht — über die Fortexistenz unserer heimischen Wildkräuter und die Wirkung von Tausalz auf das Leben von Alleebäumen Sorgen machen, geht die Vernichtungsaktion in ganz großem Maßstab weiter!

Im Jahr 2000 wird es den Regenwald am Amazonas wahrscheinlich nicht mehr geben. Die Vereinigten Staaten, Japan und Europa bewahren zwar den eigenen Baumbestand für die Zeit nach 2000 auf, beuten aber die Wälder der Entwicklungsländer weiter aus. Die Vernichtung der Wälder in Lateinamerika, Asien und Afrika führt auch zur Ausrottung der Tierwelt und trägt zur Versteppung bei. Die Wüste schreitet voran, mit ihr das menschliche Elend.

Alles das geschieht aus Prinzip — getreu den Grundsätzen der fortschreitenden, auf den nächsten großen Aufschwung hoffenden Industriegesellschaft, für die Verzicht auf Ausbeutung der Ressourcen auch Produktionseinschränkung, Arbeitslosigkeit, Verelendung der Menschen bedeutet.

Paradies

Soll da auf die „Beherrschung der Natur“ verzichtet werden? Der Vorschlag des holländischen Ökologen Louis G. LeRoy, einfach alles wild wachsen zu lassen, kommt aus dem Glauben an das Paradies, die Friedfertigkeit der Natur.

Aber wo gibt es Natur noch? Vor allem dort, wo sie sich durch „Schädlingsbefall“ zur Wehr setzt. Der Kampf um die biblisch „verfluchte“ Erde geht weiter, denn es gibt viele hungrige Mäuler: prophetisch hat Adam seine Gefährtin Ischa (die weiblich-kreative Seite Adams) nach der Vertreibung in Chawa (Vervielfältigerin) umbenannt ...

Ökopax

Oder soll im großen Maßstab (durchrationalisiert, systematisiert, kybernetisiert) zwischen Ökonomie und Ökologie schlau balançiert werden? „Ökopax“ bietet sich an, eine Optimierungsstrategie von sehr hoher, vielleicht bald zu hoher Komplexität. Die biblische Paradieserzählung sieht (nach meiner Exegese) in der menschlichen Zivilisation den Versuch der Überkompensation einer tiefen narzißtischen Kränkung und ein Arrangement, das die Wahrheit verbirgt und ihr Gegenteil vortäuscht. Adams Bestimmung war, den ihm gegebenen Lebensraum zu pflegen, sprachlich zu interpretieren, und im zwischenmenschlichen Dialog Erfüllung zu finden. Die Früchte des „Lebensbaumes“ waren ihm nicht verwehrt. Er versuchte jedoch den Mechanismus „in die Hand zu bekommen“, der die „gute“ Welt vom „schlechten“ Nichtsein geschieden hatte. So trug Adam die Spaltung in den Lebensraum hinein und verlor ihn. Im selben Augenblick erfuhr er seine innere Haltlosigkeit: von nun an war er von immer weiteren Herstellungen des „Guten“ abhängig, und dem dabei immer neu entstehenden „Schlechten“ (z.B. dem Tod) ausgeliefert. Der „Baum des Lebens“ ist unerreichbar geworden. Denn die Probleme werden (bei dieser Methode) immer mehr und immer vielfältiger (die „Kerubim“), und am „kreisenden Flammenschwert“ (d.i. unkontrollierbare Destruktion) muß der Versuch des Menschen scheitern, sich des Lebensursprungs zu bemächtigen und seine Nichtigkeit aufzuheben.

Bliebe die verrückte Hoffnung, daß das größenwahnsinnige Programm zusammenkracht, bevor der letzte Mensch tot ist und nur mehr Unkräuter existieren.

* Zu Bettina Riese: Baumzeit — Bäume in der Stadt. 144 Seiten, DM 12/öS 92,— und Sybille Zerling: Halt, da blüht noch was! Heilkräuterkalender 1983, 240 Seiten, DM 9/öS 69,—‚ beide im Verlag Clemens Zerling, Graefenstraße 26a, D-1000 Berlin 61, 1982

[**░░░░ Hier dürfte im Druck eine Zeile dem Umbruch zum Opfer gefallen sein.

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