Amelie Lanier, 4. Abschnitt
November
2012
11.11.2012

Protokoll 27

Maschinerie und große Industrie 2, Kapitel 13/1-2

13. KAPITEL: Maschinerie und große Industrie

1. Entwicklung der Maschinerie, Fortsetzung

Es ist nun zweierlei zu unterscheiden, Kooperation vieler gleichartiger Maschinen und Maschinensystem.

(S 399, 2. Absatz)

Erst beschreibt Marx an Hand der Briefkuvert-Herstellung einen Prozeß, wo viele verschiedene Arbeitsgänge von einer Maschine übernommen werden. Das ist zwar noch kein Maschinensystem, aber eben deshalb, weil eine Maschine verschiedene Arbeitsgänge hntereinander ausführt. Dann beschreibt er im gleichen Absatz, wie viele Maschinen den gleichen Arbeitsvorgang nebeneinander ausführen. Er beschreibt also die erste Stufe der Maschinerie, wo eine Maschine mehrere Arbeiter ersetzt, sei es durch hintereinander ausgeführte Arbeitsgänge, die von einer Maschine durchgeführt werden, oder durch gleichzetige, wo eine Maschine die Arbeit von mehreren nebeneinander werkelnden Arbeitern ersetzt.
Die Fortsetzung ist, wo mehrere solcher Maschinen hintereinander geschaltet werden.

Hier erscheint die der Manufaktur eigentümliche Kooperation durch Teilung der Arbeit wieder, aber jetzt als Kombination von Teilarbeitsmaschinen.

(S 400, 2. Absatz)

Die Kombination verschiedener Maschinen ist also die Weiterentwicklung derjenigen Maschinen, die ihrerseits bereits verschiedene Arbeitsprozesse übernommen haben. Die Kombination von verschiedenen Maschinen ist die Weiterentwicklung derjenigen Maschine, die ihrerseits verschiedene Arbeitsgänge bei sich vereint.

Diskussion:

Was ist gemeint mit der Gegenüberstellung von „Isolierung“ und „Kontinuität“?

Die Maschinerie – bzw. das Mshinensystem überwindet die Vereinzelung der Arbeitsproßesse in der Manufaktur, wo ein einzelner einen – spezialisierten – Arbeitsgang verrichtet, und das Halbfertigprodukt dann an jemand anderen übergibt. Diese Pore der Produktion wird sozusagen durch die „Maschinenstraße“ überwunden, wo gerade der Übergang wegrationalisiert wird.

Die „Isolation“ der Arbeitsprozesse ist nämlich ein Ergebnis der Spezialisierung, der geschickten Arbeit, die für die Manufaktur charakteristisch ist.

Marx weist hier darauf hin, daß die Maschinerie nicht nur die einzelnen Arbeitsgänge beschleunigt bzw. mechanisiert, sondern auch den Fortgang in der Bearbeitung des Arbeitsgegenstands rationalisiert.

Auch sonst wird duch die Wegrationalisierung der bearbeitenden Hand und ihren Ersatz durch einen Mechanismus einiges eingespart, z.B. der Stiel bei einem Hammer:

Wird der Arbeiter dem Prozeß angeeignet, so ist aber auch vorher der Prozeß dem Arbeiter angepaßt. Dies subjektive Prinzip der Teilung fällt weg für die maschinenartige Produktion.

(S 401 ganz oben)

Ein weiterer Fortschritt der Automatisierung besteht darin, daß sich bei Fehlern der Zufuhr die Maschine selbst ausschaltet. Also nicht nur die Kontinuität, sondern auch die Diskontinuität wird automatisiert, wodurch wieder Arbeitsplätze wegrationalisiert werden.

Ein weiterer Schritt der Ausweitung der Maschinenproduktion ist, daß die Maschinen selbst nicht mehr handwerksmäßig, sondern selbst maschinell hergestellt werden. Der Beruf des Werkzeugmachers, des Maschinen-Herstellers fällt weg, und ein neuer Produktszweig entsteht: Die Produktionsgüterindustrie, und der Maschinenbau. Dadurch werden wiederum Maschinen erfunden und gebaut, die nur maschinell hergestellt werden können.
Marx erwähnt die Druckmaschinen (S 405): Der wesentliche Sprung in der Druckerei entstand dadurch, daß statt Druckplatten Walzen eingesetzt und dadurch der Druckvorgang ungemein beschleunigt wurde. Diese Walzen – aus Metall – wurden bereits maschinell erzeugt.
Auch die Normierung von Maschinenbestandteilen – z.B. Schrauben – wurde erst durch die maschinelle Erzeugung möglich.

Auch die Landwirtschaft wird langsam der Umwälzung der Produktionsmittel unterworfen, durch die Landwirtschaftsmaschinen.

Durch den Bedarf aus allen Sphären, auch der des Transportwesens, entstehen auch größere Antriebsmaschinen, gigantische Motoren. All das spornt wieder die Maschinenbau-Industrie an und es kommt zur Entwicklung neuer Produktionstechniken. Es ändern sich auch die Dimensionen, alles wird größer, und das wiederum erfordert höheren Kapitalvorschuß in der Produktionsgüterindustrie.

Die Maschinerie, mit einigen später zu erwähnenden Ausnahmen, funktioniert nur in der Hand unmittelbar vergesellschafteter oder gemeinsamer Arbeit. Der kooperative Charakter des Arbeitsprozesses wird jetzt also durch die Natur des Arbeitsmittels selbst diktierte technische Notwendigkeit.

(S. 407, 2. Absatz)

Die kollektive Arbeit anderer tritt dem an der Maschine Arbeitenden als tote Kraft gegenüber, die er anwenden muß. Die Arbeit vieler war notwendig, damit dieses Ding zustandekam, aber sie gleichsam darin ausgelöscht. Der gesellschaftliche Fortschritt erscheint so dem Arbeiter als eine Quasi-Naturgewalt, die er mit genau vorgegebenen Handgriffen bedienen muß.

2. Wertabgabe der Maschinerie an das Produkt

Maschinen möge zwar Arbeitskräfte ersetzen, „einsparen“, es ist aber nicht gesagt, daß nicht die Herstellung der Maschine mehr kostet, als sie dem Anwender einsparen hilft:

Wenn es daher auf den ersten Blick klar ist, daß die große Industrie … die Produktivität der Arbeit außerordentlich steigern muß, ist es keineswegs ebenso klar, daß diese gesteigerte Produktivkraft nicht durch vermehrte Arbeitsausgabe auf der andren Seite erkauft wird.

(S. 408, 1. Absatz)

„Arbeitsplätze werden teurer!“ – heißt das heute. Ein größerer Vorschuß an Kapital muß vom Unternehmer geleistet werden, der sich Maschinen in die Fabrik stellt, als von dem, der noch manufakturmäßig arbeiten läßt. Wie muß das Verhältnis sein zwischen Vorschuß-Überschuß oder zwischen der zur Herstellung der Maschine nötigen Arbeit und der Arbeit, die sie in ihrer Anwendung überflüssig macht.

Das ist auch nichts, was die VWL bestreiten würde. Die Firmen machen Berechnungen, schreiben Investiionen von der Steuer ab und rechnen sich Gewinne aus – das kann klappen oder auch nicht. Die VWL erkennt diese Kalkulationen an, und sucht wahrscheinlich nach Formeln, wie man diese Investitionen ganz wasserdicht machen könnte, wofür es bestimmt irgendwann einen Nobelpreis gibt.

Hier wird ein Rätsel vorgestellt:

Diese Differenz jedoch zwischen Benutzung und Abnutzung ist viel größer bei der Maschinerie als bei dem Werkzeug . … Ziehn wir von beiden, von Maschinerie und Werkzeug, ihre täglichen Durchschnittskosten ab oder den Wertbestandteil, den sie durch täglichen Durchschnittsverschleiß und den Konsum von Hilfsstoffen, wie Öl, Kohlen usw., dem Produkt zusetzen, so wirken sie umsonst, ganz wie ohne Zutun menschlicher Arbeit vorhandne Naturkräfte. Um soviel größer der produktive Wirkungsumfang der Maschinerie als der des Werkzeuge, um soviel größer ist der Umfang ihres unentgeltlichen Dienstes, verglichen mit dem des Werkzeugs.

(S. 409, 1. Absatz)

Also entweder die Maschine gibt Wert ab oder sie wirkt umsonst. Was jetzt?
Sie überträgt Wert, aber in welchem Verhältnis?
Was heißt hier Abnutzung?
Die Maschine kann nur den Wert übertragen, den sie besitzt, der also bei ihrer Produktion geschaffen wurde. Davon überträgt sie nur Wert-Teile auf die Produkte, die mit ihr hergestellt werden. Hat sie ihren Wert bereits „erarbeitet“, so läuft sie van da an scheinbar „umsonst“. Je größer der Output der Maschine, um so größer die Differenz zwischen ihrem Gesamtwert und dem von ihr übertragenen Wert-Teil.

Erst in der großen Industrie lernt der Mensch, das Produkt seiner vergangnen, bereits vergegenständlichten Arbeit auf großem Maßstab gleich einer Naturkraft umsonst wirken zu lassen.

(ebd.)

Was heißt hier Naturkraft? Angetrieben muß sie doch werden, die Maschine.
Und was heißt „der Mensch“? Der Unternehmer, die die Maschine einkauft, oder der Arbeiter, der sie bedienen muß?
Die Maschine stellt sozusagen ein Arbeits-Konzentrat dar, das ihrerseits wieder viel Arbeit in Bewegung setzt – deshalb erscheint es wie eine Naturkraft.
Aber warum „umsonst“?!

Hier wird ein Paradox aufgebaut, das erst in der Folge zu klären ist: Eine große dicke und auch teure Maschine setzt, je mehr mit ihr produziert werden kann, dem Produkt umso weniger Wert zu. Sie erzeugt möglichst viele Waren, indem sie möglichst wenig Wert abgibt. Langsamere Maschinen übetragen mehr Wert als schnelle. Je weniger Wert eine Maschine überträgt, um so besser scheint das zu sein.

Seiten 412-13 beschreiben einfach, wie Arbeitskräfte durch Maschinerie ersetzt werden. Man erkennt auch, daß daß diese Fortschritte in der Verarbeitung der Baumwolle wiederum dazu führten, daß eben die Baumwolle sich als Rohstoff enorm verbilligte und deshalb zum bevorzugten Rohstoff der Textilindustrie wurde.
Es geht ja im Kapitalismus nicht darum, Arbeitskräfte zu ersetzen, sondern Arbeitslohn einzusparen – weswegen in Gegenden, wo Niedriglöhne gezahlt werden – Rumänien, Indien, China – vieles noch händisch gemacht wird, was hier durch Maschinen ersetzt wurde.
Gerade dieses Moment des Kapitalismus – Entwicklung von Maschinen, die Menschen überflüssig machen – haben die Realsozialisten sehr bewundert und „Entwicklung der Produktivkräfte“ genannt. Sie übersahen dabei geflissentlich, welchem Ziel dieser Fortschritt dient.

Absatz S 413 Ende/Anfang 414 sagt aus: Bei der Anschaffung der Maschine ist ihr Preis ins Verhältnis zu setzen zum Arbeitslohn der Arbeiter, die sie überflüssig macht und nicht zum von diesen Arbeitern geschaffenen Wert. Im weiteren kommt es darauf an, wieviele Arbeiter dann noch in welchem Verhältnis von notwendiger Arbeit und Mehrarbeit an dieser Maschine arbeiten, um zu errechnen, was für ein Gewinn herauskommt, und ab wann sich die Maschine „amortisiert“. Wichtig ist hier: Ersatz von lebendiger Arbeit durch vergegenständlichte allein verursacht keinen Gewinn, der kann nur durch die Anwendung der lebendigen Arbeit, deren Mehrarbeit, erzeugt werden.

Halten wir doch hier einen Widerspruch der kapitalistischen Produktion fest: Lebendige Arbeit wird durch vergegenständlichte ersetzt, obwohl diese keinen Wert zusetzt, sondern nur Wert überträgt.

Warum hat der Unternehmer dennoch einen Vorteil davon?
Weil er der erste ist?
Weil die Maschine viel länger läuft, als sie bereits irgendwie ihren Einkaufswert ersetzt hat?
Ob die Maschine ein Erfolg ist, kann sich weder bei ihrer Produktion noch bei ihrem Einkauf herausstellen, sondern erst in ihrer Anwendung erweist sich ihre Tauglichkeit.
Wo Arbeitskraft billig genug ist, wird auf Maschinen auch wieder verzichtet. Siehe oben.

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