FORVM, No. 478/479
November
1993

Sehr geehrter Herr Oscar Bronner, Ihr »Faustrecht« und Ihre »Brandanschläge«?

Wien, 21. Oktober 1993

Betrifft: Ihre Berichte iS »Zigeuner«-Problem in H, R und Slowakei

Sehr geehrter Herr Bronner,

aus Gründen der Qualität lassen wir uns über alles am liebsten von Ihnen informieren. Beim »Zigeuner«-Problem haben Sie uns jedoch in eine gewisse Verwirrung gestürzt, aus der Sie uns vielleicht auch wieder heraushelfen können:

Heute berichten Sie im »Standard« auf Seite 3 sehr kritisch über ein Pogrom, bei dem zwei Roma von einer Menge aus 500 Menschen gelyncht worden seien, die danach in der Roma-Siedlung 13 der 32 Roma-Häuser zerstört haben. Dies habe sich in der Nacht vom 21. zum 22. September im siebenbürgischen Dorf Hadareni (Kreis Mures) in Rumänien ereignet.

— Sie hatten uns dankenswerterweise ja schon am 27. September, mit verschiedenen Überschriften, aber sonst [fast] wortgleich und simultan, in den ungarischen Komitatszeitungen

  1. »Somogyi Hirlap« unter dem Titel »Brandanschläge im Komitat Maros« (Seite 9) und
  2. »új Dunántúli Napló« unter der Schlagzeile »Faustrecht« (Seite 5)

davon unterrichtet. Da sollte der doppelte Lynchmord sich allerdings »in einem Dorf im Komitat Maros mit vorwiegend rumänischer [und] zigeunerstämmiger Bevölkerung (vom Stamme der Hedereni) und einer ungarischen Minderheit«, also in Ungarn, und am »Montag Abend«, also am Abend des 20. September zugetragen haben. Freilich fanden wir die redaktionelle Tendenz der Berichtsdublette in ihren ungarischen Blättern — wie überhaupt Ihre Blätterlinie im Nachbarland — schon höchst irritierend: Nachdem Sie die Brandstiftung und den DoppelIynchmord reportiert hatten oder hatten reportieren lassen, schloß Ihr Artikel nämlich mit dem Satz: »Offenbar von schlechtem Gewissen gepeinigt, flüchtete die Roma-Bevölkerung des Ortes in die naheliegenden Wälder.«

Also: Nachdem sie angeblich erlebt hatten, daß ein Ungar von einem Roma erstochen worden war, worauf der Täter und ein weiterer Roma von Ungarn ermordet wurde, wobei ein Haus in Flammen aufging nach dem sie dies also angeblich erlebt hatten, soll die übrige, an dem Geschehen bis dahin unbeteiligte Roma-Bevölkerung des Ortes in die Berge geflüchtet sein, und zwar, so die Botschaft Ihres Artikels, »offenbar von schlechtem Gewissen gepeinigt«. Ganz, als wären sie durch sowas wie Sippenhaft, schon weil sie Roma sind, [subjektiv und objektiv] schuldig.

Solche redaktionelle Hetzereien waren wir von Ihnen — den wir als Herausgeber zweier Periodika, die eine für österreichische Verhältnisse doch immerhin beachtliche Qualität erreichten — wahrlich nicht gewöhnt, bis wir begannen, Ihre ausländischen Zeitungen als Informationsquellen auszuwerten. Inzwischen eines Schlechteren belehrt, wessen Sie als Zeitungstycoon fähig sind: der Verbreitung rassistischer Hetze gegen Zigeuner und des Schürens nationalistischer Emotionen bis zur Artikulation von Gebietsansprüchen gegen die Nachbarländer Slowakei und Rumänien.

Nun könnten Sie sagen, Sie wären weder Alleineigentümer noch Herausgeber Ihrer ungarischen Zeitungen und hätten auch keinen Einfluß auf die dortigen Redaktionen, sondern diesen nähme nur Ihr dortiger und dasiger Partner, der Axel Springer Verlag, der dieserhalben auch die dortigen und diesigen redaktionellen Produkte zu verantworten hätte.

Wir wollen aber von Ihnen nur wissen: 1. Lesen Sie Ihre Blätter? Können Sie Ungarisch? [und/oder können sie Deutsch?] Oder wie halten Sie sich darüber informiert, was Sie zumindest mitzuverantworten haben? — 2. Warum nehmen Sie im Ausland, und warum ausgerechnet in den politisch so labilen Ländern des ehemaligen sowjetischen Einflußbereiches Geldverluste durch Investitionen in Kauf oder Geldgewinne, die aus nationalistischer Kriegs- sowie rassistischer Hetze gewonnen oder für dieselben eingesetzt werden? Trotz des warnenden Beispiels der Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien? — 3. Hat das erwähnte Pogrom gegen Roma in Rumänien oder in Ungarn, und hat es am Abend des 20. oder in der Nacht vom 21. auf den 22. September stattgefunden? Mit der Bitte um Aufklärung, beste Empfehlungen,

G.O.

P.S: Es war im rumänischen Kreis Maros, umgebracht wurden vier Zigeuner, worauf in Bukarest blutige Auschreitungen gegen Zigeuner folgten. Die Polizei schaute überall freundlich zu; in Maros wurde der Polizeichef deshalb entlassen.

Sehr geehrte Frau Magret Rausch,

unsere Recherchen ergaben die nebenstehenden Verflechtungen, aber vielleicht ist alles nicht wahr. Dann wäre der Österreicher Oscar Bronner, der laut untenstehender MTI-Graphik 5% der gesamten ungarischen Tageszeitungen besitzt, gar nicht Ihr Chef, oder dieser ist in Ungarn nicht mit Axel Springer verbunden, der nur diese 7 (regionalen) Komitatsblätter täglich macht.

Mit Dank für Ihre Freundlichkeit, schönste Grüße, Ihr

Gerhard Oberschlick

Zündeln im rassistischen Heuhaufen — gegen Zigeuner:

»új Dunántúli Napló« Montag, 27. September 1993, Seite 5

Faustrecht

In einem Dorf im Komitat Maros, mit vorwiegend rumänischer, zigeunerstämmiger Bevölkerung (Hedereni) und einer ungarischen Minderheit, kam es Montag Abend zu einer Messerstecherei. Zwei Zigeuner fingen Streit mit einem ungarischen Mitbürger an. Der Ungar wurde durch einen Stich ins Herz getötet und starb an Ort und Stelle. Die beiden Attentäter flüchteten in ein nahes Haus, das kurz danach von einer aufgebrachten Menge umstellt wurde.

Die beiden Zigeuner wurden aufgefordert, das Gebäude zu verlassen, und da diese der Aufforderung nicht Folge leisteten, zündete man kurzerhand das Gebäude an. Daraufhin verließen die beiden das brennende Haus. Sie wurden von der Menge sofort gelyncht.

In dieser Nacht gingen dann noch einige Zigeunerhäuser in Flammen auf. Offenbar von schlechtem Gewissen gepeinigt, flüchtete die Roma-Bevölkerung des Ortes in die naheliegenden Wälder.

Zündeln im rassistischen Heuhaufen — gegen Zigeuner:

»Somogyi Hirlap« Montag, 27. September 1993, Seite 8

Brandanschläge im Komitat Maros

In einem Dorf im Komitat Maros, mit vorwiegend Hadrevi-Bevölkerungsanteil, rumänischer Mehrheit Bevölkerung, ungarischer Roma-Minderheit, begannen zwei Roma vor einigen Tagen Streit mit einem ungarischen Mitbürger, der dabei durch einen Stich ins Herz getötet wurde. Der Mann starb an Ort und Stelle, die beiden Attentäter flüchteten in ein nahegelegenes Haus, das kurz danach von einer aufgebrachten Menge umstellt wurde.

Die beiden Zigeuner wurden aufgefordert, das Gebäude zu verlassen, und da diese der Aufforderung nicht Folge leisteten, zündete man kurzerhand das Gebäude an. Daraufhin verließen die beiden das brennende Haus. Sie wurden von der Menge sofort gelyncht.

In dieser Nacht gingen dann noch einige Zigeunerhäuser in Flammen auf, in einem Haus fand die Polizei verkohlte Überreste eines Leichnams. Offenbar von schlechtem Gewissen gepeinigt, flüchtete die Roma-Bevölkerung des Ortes in die naheliegenden Wälder.

Zündeln im rassistischen Heuhaufen — gegen Zigeuner:

»új Dunántúli Náplo«, Mittwoch, 29. September 1993, Seite 3

Zigeunerkultur und Geldmangel

Das Aladár-Rácz-Kulturzentrum in Pécs (Fünfkirchen, Anm. d. Übers.) steht vor dem finanziellen Zusammenbruch. Die Führung des Zigeunerzentrums verlangt zur Aufrechterhaltung und Förderung ihres Kulturzentrums mehr Geld von der öffentlichen Hand. [...] Dr. Zsolt Páva, der Leiter des Zentrum, hat an Gábor Fodor, den zuständigen Leiter des Minderheitenausschusses der Nationalversammlung, ein Bittschreiben gesandt, auch an die Kulturabteilung des Rathauses von Pécs ist Bettelbrief gerichtet worden. [...] Die Politiker haben es nun in der Hand, zu entscheiden, ob in dieser Zeit der wirtschaftlichen Rezession die Erhaltung fragwürdiger Kulturzentren der wirtschaftlich geschwächten Nation überhaupt noch zumutbar ist. [...]

(Aládar Rácz, ein Roma, wurde durch seine Bach- und Vivaldi-Interpretationen auf dem Zymbal weltberühmt, Komponisten wie Ravel, Milhaud, Stravinskij und Bartok, um nur einige zu nennen, haben Kompositionen für ihn geschrieben, Anm. d. Übers.)

Zündeln im rassistischen Heuhaufen — gegen Zigeuner:

»Somogyi Hirlap«, Montag, 27. September 1993, Seite 5

Innerhalb einiger Tage verjubeln sie die Unterstützung
Die „Z“-Variation von Somogyszentpál
Der Krach [*] wird mehr oder minder programmiert

Wie die Katze den heißen Brei umgeht der Bürgermeister von Somogyszentpál das „Z-Thema“. Als wäre ein gefallenes Mädchen oder ein Straffälliger in der Familie, so drückt sich der Politiker um das Problem seines Dorfes. Die Ursachen für diesen Mißstand reichen noch weit in die kommunistische Zeit zurück, als man per Parteibeschluß die soziale Integration beschloß.

In dieser Zeit wurden die Zigeuner in das ansonsten friedliche ungarische Dorf eingebürgert. Auf Grund einer dummen Politik und einer falschen sozialen Einstellung beschloß man die Unterstützung der Roma, wie man sie damals nannte, also der Zigeuner. Das wäre sicherlich nicht so ein großes Problem, wenn nicht bereits ein Viertel der 950 Einwohner von Szentpál von Zigeunern gestellt wäre. Ein Ende der gespannten Situation ist nicht abzusehen, ohne Rücksicht auf die anständige Bevölkerung steigt die Geburtenrate in dem mittlerweile zu einem Slum heruntergekommenen Zigeunerviertel, wo in einer Hütte oft bis zu drei Generationen zu zehnt oder zwölft unter einem Dach leben.

Zu den kleineren Problemen zählt noch der „Duft“, der von diesen Hütten und deren Bewohnern ausgeht. Obwohl nach wie vor finanzielle Notstützungen vergeben werden, können diese nicht fruchten, da die Empfänger dieser Hilfen das Geld bereits in wenigen Tagen verjubelt haben. Die Bevölkerung sieht nicht mehr ein, warum mit ihren Steuergeldern die Gastwirtschaften des Ortes indirekt subventioniert werden sollen. Die Folgen des Verjubelns wirken sich auch nachteilig auf den Frieden im Dorf aus. Ein betrunkener Zigeuner ist gefährlich und nicht zurechnungsfähig.

Tagtäglich wird der Bürgermeister der Gemeinde von Zigeunern bestürmt. „He, Chef, gib mir etwas Knete für meine Kleinen, wenn du mir nichts gibst, geh ich einbrechen.“ Das ist keine leere Drohung, wenn sie kein Geld bekommen, ist nichts in der Ortschaft vor ihnen sicher.

Die geplagten ungarischen Bewohner sind gegenüber dieser Heimsuchung machtlos, es ist nur schön, daß sie ihr Dorf sehr lieben und nur in den seltensten Fällen aus ihrer Heimatgemeinde wegziehen.

Trotzdem sich die Zigeuner so asozial gegenüber den friedfertigen Bürgern benehmen, quellen die Lager des Roten Kreuzes und anderer sozialer Stellen von Spenden, hauptsächlich Bekleidung, fast über. Jetzt, wo der Herbst Einzug ins Land gehalten hat und der Winter vor der Tür steht, teilen sie Bekleidung und Wäsche unter den Parasiten aus — damit ihre kleinen Bastarde nicht in der Kälte erfrieren.

Zündeln im nationalistischen Heuhaufen — gegen Rumänien:

»24 óra«, 30. September 1993, Seite 2

In Rumänien alles Okay ...?

Unter den Rednern der UNO-Vollversammlung am letzten Dienstag war auch der rumänische Außenminister. Melescanu berichtete über die bisherigen Erfolge der gesellschaftlichen und politischen Umwandlung in seinem Land und betonte, daß die Achtung der Menschenrechte zu einem „grundlegenden Prinzip in der Strategie der sozialen Entwicklung in meinem Land geworden ist“. Er teilte weiters mit, daß Rumänien bereits sämtliche Menschenrechtskonventionen ratifiziert habe und im Begriffe sei, diese in der rumänischen Verfassung zu verankern. Die Mitgliedschaft im Europarat wird dieses Bild vervollständigen, betonte er. Danach erwähnte er, daß in Rumänien 14 nationale und ethnische Minderheiten registriert seien.

Leider, fügte er hinzu, lebt ein agressiver Nationalismus und Fremdenhaß als starker Destabilisierungsfaktor weiter und gefährdet die internationale Sicherheit, einschließlich des mittel- und osteuropäischen Gebietes.

»In allen zukünftigen Problemlösungsversuchen darf man nicht der von außen nach Rumänien gebrachten nationalistischen Tendenz erliegen. Das verzerrte Bild, das durch manche Staaten von der Situation der in Rumänien ansässigen Minderheiten gezeichnet wird, hilft bei den Problembewältigungen sicher nicht«, betonte Melescanu und wich danach auf die Situation in Moldavien aus.

Der folgende Artikel, im selben Blatt auf der selben Seite erschienen, kommentiert die im vorigen Artikel dargebotene Information und kritisiert Rumänien wie den Europarat:

Rumänien freut sich

Der Pressesprecher des rumänischen Staatschefs, die Regierung, Abgeordnetenhaus und zahlreiche Politiker begrüßten am Dienstag die Aufnahme Rumäniens in den Europarat.

Anscheinend ist der Europarat auf die verzerrten Darstellungen über die Minderheitenfragen durch den rumänischen Delegierten Traian Chebelu hereingefallen, anders ist die Aufnahme Rumäniens als Mitglied in den Europarat, nach den langwierigen Verhandlungen nicht zu verstehen.

Zündeln im nationalistischen Heuhaufen — gegen Slowakei:

»Heves Megyei Hirlap«, Donnerstag 30. September 1993, Seite 5

Postkarte aus Mogyorósbánya [**]

[...] Auf Grund einer Anweisung des Innenministeriums wurde nachgeforscht und man stellte fest, daß Mogyorósbánya bereits 1732 urkundlich erwähnt und und ein Teil des ungarischen Reiches war.

Soviel einleitend über diese wunderschöne Ortschaft mit ihren 850 Seelen, umringt von bewaldeten Hügeln. Die Luft ist sauber und frisch, der Himmel blau, ich muß gestehen, als ich dies bei meiner Ankunft sah, wußte ich, das ist ein Teil meiner Heimat. [...] Die Einwohner dieses paradiesischen Dorfes haben sich ihre Zukunft in der Heimat bitter verdient. [...] Und wenn sie wieder zu Hause sind, werden wir sie nie mehr ziehen lassen.

Zündeln im nationalistischen Heuhaufen — gegen Rumänien:

»Somogyi Hirlap«, Mittwoch, 29. September 1993, Seite 1

Rumänien ist im Europarat

Das Plenum des Europarates beschloß gestern — gegen massive Proteste und Stimmenthaltungen — die Vollmitgliedschaft Rumäniens in der Straßburger Organisation. Den Abgeordneten aus 31 Mitgliedstaaten ist hier ein demokratischer Fehlgriff unterlaufen, dessen Folgen unabsehbar sind. Trotz der massiven Kritik an der Handhabung der Menschen- und Minderheitenrechte in Rumänien ist man anscheinend auf die fadenscheinigen Garantien für demokratische Reformen hereingefallen.

Zündeln im nationalistischen Heubaufen — gegen Rumänien:

»Heves Megyei Hirlap«, Freitag, 1. Oktober 1993, Seite 13

Schüler aus Siebenbürgen im Gymnasium in Füzesabony
Danke schön, es geht ihnen gut ...

Füzesabony hilft seinen Freunden im Siebenbürgener Tusnádfürdö. Vier Schüler aus dem heute rumänischen Tusnádfürdö haben die Möglichkeit erhalten, vier Jahre lang, bis zur Matura, das Zsigmond Remnenyik Gymnasium zu besuchen. Die Kosten für die Schule und den Aufenthalt hat die Gemeinde Füzesabony übernommen. Unseren kleinen Landsleuten aus Siebenbürgen wird sogar ein Taschengeld für die Dauer ihres Aufenthaltes bereitgestellt. [...]

Mit zwei Mädchen haben wir uns in ihrer neuen Schule getroffen. Eva und Annamaria wirken nicht traurig oder verlassen in ihrer neuen Umgebung, sie versichern uns, daß sie sich bereits in ihre neue Schule und ihr neues Heim bestens eingelebt haben. Sie freuen sich sehr über die liebevolle Aufnahme hier in ihrer Heimat Ungarn.

— Warum sind sie so jung in die Fremde gefahren?

— darauf gibt es von den beiden eine eindeutige Antwort, sie und ihre Eltern sind sehr froh, daß ihre Ausbildung fern vom rumänischen Druck erfolgen könne. Hier haben sie wesentlich bessere Bedingungen als in Rumänien und auch das Leben ist hier für Ungarn viel schöner. Zur Zeit verbringen sie ihre Freizeit mit dem Kennenlernen von neuen Freunden, mit Ausflügen, Kinobesuchen, wie alle anderen in ihrem Alter. Diese Abwechslungen helfen ihnen, über die traurige Erinnerung an die Verhältnisse bei ihnen zu Hause hinwegzukommen. Auf die Frage, wie es denn ihren ungarischen Freunden und Angehörigen dort gehe, antworten sie sehr diplomatisch: siehe Titel.

Zündeln im rassistisch-nationalistischen Heuhaufen — gegen Slowaken:

»Heves Megyei Hirlap«, 30. September 1993, Seite 9

Des Sandlers tödliche Rache

„Läßt du einen töt [***] in dein Heim, schmeißt er dich aus deinem Haus!“ Dieses Sprichwort bewahrheitete sich auf tragische Weise, die Staatsanwaltschaft des Komitats Heves befaßt sich mit einem grauenvollen Mordfall. Denn im gegebenen Fall hat der Slowake nicht nur hinausgeschmissen, sondern gemordet [...]

Zündeln im Heuhaufen der Geschichte — Faschismus:

»új Dunántúli Napló«, Samstag 25. September 1993, Seite 3

Held oder Opfer?
Militärwissenschaftler über Gusztáv Jány [****]

„Er verlangte immer ein Butterbrot und etwas Tee“ — erzählt Zsofia Kincses, die ehemalige Haushälterin von Generalmajor Jány, die heute in Siklós lebt. Weiters berichtet sie, daß seine Exzellenz immer sehr bescheiden und gastfreundlich war, mit großer Gastfreundlichkeit wurden seine Gäste im grünen Salon seiner kleinen Villa empfangen und bewirtet. [...] Und wie urteilen Militärwissenschaftler über jene Helden, die bei der Don-Schlacht in treuer Pflichterfüllung gegenüber ihrer Heimat ermordet wurden. Und wie urteilen sie über die militärische Führung der Zweiten ungarischen Armee, an ihrer Spitze Generalmajor Gusztáv Jány, die wie er nach dem Krieg von einem kommunistischen Volksgericht zum Tode verurteilt wurde.

Nemeskürty Istvan

Der heute 67jährige Militärhistoriker und Essayist schrieb 1968 ein Buch über die Blutopfer der Don-Schlacht. Das „Requiem für eine Armee“ wurde von den Kommunisten als historisches Beweismittel für die Rechtfertigung der Hinrichtung des angeblichen, wie es da hieß, „faschistischen“ Generalstabsoffiziers benutzt. [...]

— Halten sie Gusztäv Jany für einen Helden oder für ein Opfer?

— Wenn Sie sich unbedingt an diese Kategorien halten wollen, so sehe ich ihn als tragischen Helden der Ereignisse.

Péter Gosztonyi

Der in der Schweiz lebende Militärhistoriker ist einige Jahre jünger als Nemeskürty (er ist General der Reserve in der neuen ungarischen Armee). Er sieht in Jány das klassische Opfer einer durch die Kommunisten verübten Geschichtsfälschung. Vitéz! [*****] Gusztáv Jány ist nach wie vor ein Vorbild für militärische Pflichterfüllung. [...]

Zündeln im Heuhaufen der Geschichte — Faschismus:

»24 óra«, 20. September 1993, Seite 6

In Rußland verstorben ...

Wir setzen die Veröffentlichung jener tragischen Liste der Namen unserer Helden fort, die im Kampf gegen die kommunistische Weltherrschaft der Sowjetunion im II. Weltkrieg und danach in den Kerkern der GULAGs oder in den Arbeitslagern gestorben sind.

[*Im Original »balhé«, mundartlich (im asozialen Milieu) für handgreifliche Auseinandersetzung, im Wienerischen etwa »Kelch« [kö’ch] (Anmerkung des Übersetzers).

[**Mogyorósbánya liegt ca. 10 km jenseits der Grenze in der heutigen Slowakei, wird schon in der Urkunde von 1732 mit dem auch jetzt gültigen slowakischen Namen Banabrzoarar erwähnt. Ihre Gründer waren die slowakischen Kleinadeligen Brzoarar; von ihnen und dem Bergwerk leitet sich der Name des Dorfes her (Brzoarar-Gruben). Die spätere ungarische Version, den die Nationalisten benützen, bedeutet »Haselnuß-Gruben«. Bei der Illustration des Artikels ist der Redaktion eine entlarvende Panne passiert: Sie verwendete Fotos einer — an den Trachten eindeutig als solche erkennbaren — slowakischen Tanzgruppe und einer Blasmusik-Kapelle, die gleichfalls eine zivile Tracht trägt: Die Ungarn haben aber nur militärische, keine zivilen Blasmusiken. (Anm. d. Ü.)

[***»töt«, mundartlicher Ausdruck äußerster Geringschätzung und Mißachtung mit der Bedeutung »Viech«, »Untermensch«; wird ausschließlich gegen Angehörige der slowakischen Minderheit verwendet. (AdÜ)

[****Jány war schon hochdekorierter Horthy-, später Pfeilkreuzler-Faschist. Als die anderen Generäle wegen Aussichtslosigkeit des Unternehmens sich weigerten, der Regierungsanweisung zu folgen, führte er freiwillig den Angriff der etwa 200.000 Mann starken 2. Ungarischen Armee gegen die Rote Armee am Don. Dabei starben ca. 200.000 Ungarn. (Anm. d. Übers.)

[*****»Vitéz« bedeutet Held, der Titel »Vitéz« war die höchste militärische Auszeichnung des Horthy-Regimes und später der Pfeilkreuzler-Regierung unter der Führung von Vitéz Szállasy. (AdÜ)

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