FORVM, No. 329/330
Mai
1981
Interview mit zehn Wiener Jugendlichen*

Wir Kojoten

Leichte Krawallerie
„Von den Linken werden wir als Chaoten hingestellt“:
Zweite Jungenddemo am 7. März, Fußgängerzone Kärntner Straße (Foto Lui Frimmel)

Unerfüllbare Forderungen

Fangen wir dann bitte an mit dem Interview.

ERSTER JUGENDLICHER: So geht das nicht, da müssen wir erst ein Plenum einberufen! (Lachen)

Die Zeitungen und zum Teil auch die Linken werfen euch vor, daß ihr keine konkreten Ziele hättet. Stimmt das? Vielleicht könnten wir damit anfangen. (Hohngelächter)

ZWEITER: Wieso willst du mit den Zielen anfangen? Die stehen doch erst am Schluß!

Ich hab das gemeint als eine Art Selbstdarstellung eurer Gruppe, was ihr so wollt und vorhabt.

DRITTER: Schätze, jeder will was anderes.

VIERTER: Von den Linken werden wir als Kojoten hingestellt (Kojotengeheul) — von den Linken werden wir als Chaoten hingestellt, na gut und schön. Weil wir vielleicht nicht das reformistische Gehabe zutage legen, sondern weil sich das Ganze gegen den Staat wendet, wie sowieso bekannt. Weil wir Forderungen stellen, die unerfüllbar sind.

FÜNFTER: Es geht überhaupt nicht um eine Forderung oder um zwei Forderungen, es gibt auch keinen Katalog von Forderungen, sondern einfach um Sachen, die mich und viele andere anstinken. Das ist der ganze Militarismus, die Atomkraft, die Bürokratie, die ganze Erziehung, der Scheiß in den Schulen und Hochschulen. Worauf ich hinauswill ist: Erstens wollen wir alles und zweitens alles zusammen und wir wollen uns besser verstehen.

SECHSTER: Ich will eigentlich viel mehr streiten.

Ihr habt gesagt: „Forderungen, die nicht erfüllbar sind“. Was hat es für einen Sinn, solche Forderungen zu stellen?

FÜNFTER: Die sind eben im jetzigen System nicht erfüllbar. Weil das System beruht auf Militarismus, auf Autorität und Ordnung — is klar, daß die Leute nicht einverstanden sind, wenn wir dagegen sind.

VIERTER: Es sind mehr vom Feeling begründete Sachen dahinter. Die meisten von uns denken sich, wenn das so weitergeht, ohne daß wir was unternehmen, artet die weltpolitische Lage in ein Chaos aus, macht uns der Dritte Weltkrieg fertig, letztendlich. Unsere Forderungen haben ihre Berechtigung darin, daß wir das ganze einmal durchmachen müssen. Wir werden uns hoffentlich so lange wehren, bis wir das einmal durchgekriegt haben, die unerfüllbaren Forderungen.

ERSTER: Lang brauch ma uns eh net wehren, weil wenn’s einen Atomkrieg gibt, ist in sieben Minuten alles dahin.

DRITTER: Na leiwand.

ERSTER: Ich mein, daß das irrsinnig verniedlicht wird, daß die Idioten da total Atomwaffen lagern in Deutschland und daß das eh wurscht is, wo’st bist, in Österreich oder wo — es dauert nach wissenschaftlichen Grundlagen genau sieben Minuten, bis es West- und Mitteleuropa nicht mehr gibt. Daß ich bis dahin warte und mich brav einordne und das Wirtschaftssystem unterstütze ... Das basiert auf einer totalen Lügenstrategie. Wenn du das nicht willst, dann bist eben ein Trottel oder Chaot.

Discos, beamtengetscheckt

DRITTER: Ich glaub, daß wir auch als Chaoten und Kopflose bezeichnet werden, weil wir gegen prinzipielle Spielregeln verstoßen. Weil wir keine Verbesserungen und keine Reform anbieten, sondern einfach sagen, was uns stinkt. Unsere Ziele sind von unseren Zwängen überhaupt nicht zu trennen. Und diese Zwänge sind so umfassend, daß wir gegen alles sind. Es ist ja nicht einmal möglich, sich einen Freiraum zu erkämpfen.

ERSTER: Wir haben einfach die am besten funktionierende Sozialdemokratie, die’s überhaupt gibt. Bei allen Sachen, die Freiräume sind, ob das jetzt Gassergasse [1] oder Amerlinghaus [2] ist, das ganze wird von der Gemeinde diktiert. Das ist ein totaler Schas. Du hast sofort irgendwelche Verhandlungen, die dich total einelegen. So klar ist das Feindbild nicht. Da kommen dann irgendwelche total leiwande Magistratsbeamte und sagen „Pfah — des tscheck ma scho!“. Und des tscheckens net amoi in zwa Joa — und dann bist wida im Oasch. I bin total dagegen, daß man irgendwas mit der Gemeinde verhandelt, weil die des nur ummedrahn. Und damit kann ich mich abfinden oda net und ich find mich hoit net ob.

SIEBENTER: Aber seit dem 1. März flippt die Gemeinde total. Jetzt wollen sie plötzlich die Arena [3] subventionieren und haben auf einmal ein oder zwei Millionen für die Gassergasse.

Aber grad bei den Jugendzentren kann man doch sagen, daß es im Moment so viele gibt wie noch nie. Wenn man am Abend wohin will, Live-Musik hören oder so, kann man das. Das war vor drei oder vier Jahren noch nicht so.
„Ein bißchen Terror muß dabei sein“:
Solidarität mit den Hungerstreikenden vom 2. Juni?

ACHTER: Das ist das totale Alibi. Daß sie Jungwähler kriegen.

DRITTER: Das ist, daß sie unsere Aggressionen als grundlos hinstellen können. Schaut’s her, wir bieten euch ja an — aber ihr wollt’s ja nicht.

Aber man kann doch diese Einrichtungen tatsächlich benützen ...

DRITTER: Du kannst ja dort nichts machen! Schau dir das Amerling-Haus an. Auf die echten Entscheidungen hast du überhaupt keinen Einfluß. Du kannst konsumieren gehen. Das ist alles.

FÜNFTER: Das ist für mich das Symbol für die Zukunft. In diesen Jugendzentren hast du eine Garderobe und Überwachungskameras. Da gibt’s nur Konsum. Da geht die brave Jugend vom Busek hin. Auf die er sich dann stützt, wenn er sagt: es sind eh nicht alle so, wie die, die am 1. März mitgegangen sind. Auch die Gemeindejugendzentren sind nur auf Konsum aufgebaut. Außer vielleicht ein paar Einzelpersonen, Sozialarbeiter, die mit guten Vorstellungen hinkommen.

SIEBENTER: Aber die werden dann außeghaut.

VIERTER: Diese ganzen Jugendzentren sind eine Beschäftigungstherapie. Das ist ja das Perfideste, was es gibt. Das ändert ja nichts daran, daß wir unter der Hand der Machthaber leben. Um uns herum wird gehandelt, wie sie wollen — und wir sollen uns da mit Beschäftigungstherapie auspuffen.

FÜNFTER: Da hast du dann einen Freiraum unter Anführungszeichen, und wenn du wieder rauskommst, fällt der ganze Scheiß wieder auf dich drauf.

NEUNTER: Ich bin ausgebildeter Jugendleiter. Ich könnte in so einem Jugendzentrum arbeiten — aber ich scheiß drauf. Weil ich nicht sehen kann, wie man sich von fünf bis sechs eine Diskussion geben kann, von sechs bis sieben darf Tischtennis gespielt werden, und von sieben bis neun ist die Disco offen. Die haben in den letzten fünf Jahren 15 Millionen Schilling dafür ausgegeben, Discos in Jugendzentren zu bauen. Man darf aber auf die Wände nichts hängen, wenn ein Reißnagel wo eingehaut wird, ist gleich der Hausleiter da. Die scheißen drauf, die Jugendlichen. Die gehen dort nicht hin.

Wen konkret hauen?

Noch einmal zur Sache mit der Minderheit. Zeitungen und Politiker sagen: das ist eh nur eine kleine Gruppe, die Mehrheit der Jugendlichen ist eh angepaßt.

FÜNFTER: Das ist leider wahr.

ZEHNTER: Das stimmt nicht. Es gibt eine große Unzufriedenheit. Wie hoch ist in Wien die Fixerrate? Alkoholismus? Die Selbstmorde? Man muß ja nicht unbedingt auf die Straße gehen, um seinen Frust zu zeigen.

NEUNTER: In der Großfeldsiedlung werden die Jugendlichen Vandalen. Die artikulieren das halt anders. Und die meisten sozial nicht so gut gestellten Jugendlichen saufen sich halt nieder.

VIERTER: Daß wir eine Minderheit waren mit der Demo, das ist nur darauf zurückzuführen, daß eben die bürgerliche Propaganda, die sagt, daß ein Bürger nicht demonstrieren geht, so gut funktioniert. Das mit dem Vandalismus ist so: die Leute wollen sich aggressiv äußern, trauen sich aber nicht demonstrieren, wegen eben dieser Moral. Und außerdem ist es in unserem totalitären Staat so, daß die Unterdrückung so tief ist, daß man seinen Feind nicht mehr sieht. Wenn zu mir einer kommt und sagt: Ich hau dir eine auf die Pappen, dann kann ich zurückhauen. Aber wenn man von allen Seiten unterdrückt wird, dann fängt man halt an, um sich zu schlagen. Man weiß aber nicht, wen man konkret hauen soll. Und wenn die Typen, die jetzt die Telefonzellen zammhauen, draufkommen, daß Demonstration was Legitimes ist — das ist die große Gefahr für die Sozialdemokratie. Und ich glaub, daß die Schweine deshalb jetzt so viele Jugendzentren aufmachen. Daß sich die Leut wieder ansaufen können, daß sie wieder beschäftigt sind.

Habt ihr das Gefühl, daß ihr mehr werdet?

NEUNTER: Ich hab nach der Demo viele Jugendliche getroffen, die das sehr klaß gefunden haben. Jugendliche, die ich sonst gar nicht getroffen hätte.

FÜNFTER: Ich glaub, wir werden in dem Moment mehr, wo wir konstruktiv was machen. Wo wir uns zum Beispiel ein Jugendzentrum nehmen. Oder ein Haus. Wir sind jetzt noch in einer Phase, wo wir alles sondieren.

DRITTER: Wir tschecken das noch.

FÜNFTER: Und wenn die sehen, das ist nicht dieser übliche linke Klüngel, der da was auf die Beine stellt.

VIERTER: Vor allem, daß es keine Rädelsführer sind, sondern Leute, die selbst unzufrieden sind. Daß es eine Initiative der Unzufriedenheit ist. Das ist das Wichtigste.

Was waren für euch die Folgen des 1. März?

DRITTER: Daß wir eingesperrt wurden.

Blut aus der Niere

ERSTER: Von mir aus sind entweder vier oder sechs Scheiben eingegangen am 1. März. Es wurden aber fast hundert Leute festgenommen. Das sind zwanzig Leute für eine Scheibe. Aber an und für sich gibt es doch so Regeln, daß Menschen höher stehen als Sachen. Aber wenn Fensterscheiben draufgehen, da haut man da so hin als Bulle, daß es scheißegal ist, ob der hin wird oda net. Menschenrechte ... Aber wenn das Eigentum verletzt wird, ist halt der Mensch ein unheimlicher Dreck.

VIERTER: Der eine Fall ist der Peter mit der Niere. Der ist beim ersten Polizeiangriff schon verdroschen worden und ist dann in der Gruppe mit mir verhaftet worden. Der Bulle ist hergekommen, hat gesagt: Wir kennen uns ja schon! und hat ihn nach Waffen abgetatschelt von oben bis unten. Der Peter hat gesagt: Greifts mir bitte nicht auf die Niere, die tut mir weh. Und der Bulle hat mit einer Wucht hingehaut, die hätt ich nie aufbringen können. Mit voller Wucht in die Nieren. Der hat sich gekrümmt. Auf dem Wachzimmer hat er dann Blut gepinkelt. Der zweite Fall war der Wolfgang aus Innsbruck. Bei den Fingerabdrücken, beim erkennungsdienstlichen Behandeln, wo die meisten Faschisten waren, muß man sagen, bin ich neben ihm gestanden. Da waren zwei Bullen mit Fingerabdruckgeräten, und die haben ihn gekannt, weil er Knastbesuche gemacht hat — was aber vollkommen legitim ist, was vollkommen legitim ist, wenn du die Bewilligung hast, kannst du das machen. Ein Bulle geht also hin und greift ihm total fest auf die Hand — es hat echt geknackst. Der Wolfgang hat gesagt: Bitte nein, das tut mir weh. Und der Bulle sagt: Was, du greifst meinen Kollegen an? Dann sind noch andere gekommen, und sie haben ihn zu fünft in einer Ecke niedergeboxt und niedergetreten. Er hat sich dann durch einen lauten Schrei befreien können, weil die anderen Verhafteten im Nebenzimmer gewartet haben. Die haben ihn in einer Weise niedergetreten — da bin ich knieweich geworden. Soviel zum Thema Polizei.

DRITTER: Da stellt sich die Frage, wer hier die Chaoten sind. Weil wenn fünf Polizisten auf einen einprügeln das ist der totale Chaotismus für mi. Der eine haut Telefonzellen zamm, und die hauen halt Leit zamm.

Aber es hat doch immer geheißen, die Wiener Polizei sei besonders tolerant vorgegangen und hätte so lang gewartet?

NEUNTER: Die haben so lang gewartet, bis sie einmal so richtig hinhauen konnten. Wenn du dir die Gesichter anschaust von Bullen, die prügeln — das ist pervers, völlig pervers.

SIEBENTER: Es waren bei der Demo Polizeiprovokateure dabei. Das ist erwiesen, weil denen haben überall die Antennen rausgeschaut — aber sonst mit Palästinensertuch auf ausgeflippt und so. Steinewerfend. Die Polizei hat das eskaliert.

Wer hat jetzt den ersten Stein geworfen?

ERSTER: Polizeiprovakateure haben vor allem am Judenplatz Steine geworfen.

DRITTER: Das ist nicht erwiesen.

SIEBENTER: Bei der friedlichen Demo am 7. März hat man aber richtig gesehen, wie sie enttäuscht waren, daß nix passiert ist. Die Zeitungen genauso.

ERSTER: Da stellen sie die Antiterroreinheit Kobra auf. Denen ist den ganzen Tag fad. Warum wirst denn a Kobrist? Weilst was tun willst. Weil dir der Krieg so abgeht. Weilst endlich richtig hinhauen willst. Und die warten halt echt, daß was passiert, daß sie endlich wieder Krieg spielen können. Ob das jetzt Provokateure sind oder nicht ist scheißegal.

Bezirksvorsteher von Wien I, Inschinör Heinrich A. Heinz (ÖVP)
beim Schokoladeverteilen im Burggarten ...

Marx dabei, Anarchos dabei

In Berlin sind die Krawalle vor allem wegen der Wohnungsnot. Ist das in Wien auch aktuell?

FÜNFTER: Klar. Schau mal in die Spalten von Kurier und Krone. Als Normalsterblicher kriegst du keine Wohnung. Nicht einmal Substandard.

NEUNTER: Das ist schon ein Zynis.mus, das Wort Substandard. Da jammern sie über Polen: Rationierungen, nur alle zwei Wochen Fleisch und sonstwas. Und bei uns wohnst du Substandard. Wenn ich haus mit Wasser am Gang, muß ich aber trotzdem der Deodoranthygiene entsprechen. Wenn du dir ka Wohnung leisten kannst — a Fleisch kannst da eh a net leisten. Was ist das überhaupt für ein Wohlfahrtsstaat und für einen Standard, den wir haben? Das ist alles ein Zynismus und nicht mehr.

Wollt’s ihr euch in Zukunft auf die Wohnungsfrage konzentrieren? (Lachen)

FÜNFTER: Was habt ihr in Zukunft so vor? (Lachen)

SIEBENTER: Es gibt so viele Probleme, daß man sich nicht auf eines so fixieren soll.

Was haltet’s ihr eigentlich von linker Theorie, Marxismus und so?

DRITTER: Jeder, wie er will.

FÜNFTER: Wir sind da sehr pluralistisch. Du hast Marx dabei, du hast Anarchos dabei. Vor allem sind auch viele Leute dabei, die theoretisch überhaupt nichts drauf haben. Ich find auch blöd, eine Theorie aufoktroyieren zu wollen. Die Leute sollen aus der Erfahrung lernen.

SIEBENTER: Man kann so sagen: Wir haben’s alle zu Haus, wir lesen’s aber nicht.

DRITTER: Vielleicht lernen die Dogmatischen einmal was von uns. Die sitzen und träumen von der Revolution, sind gewaltfrei, haben sich lieb und bis zum großen Tag pflanzen sie biologisches Gemüse an. Und rechts sitzen die Amerikaner und links die Russen, und die schauen sich das alles an und sagen pfah — wie lieb!

SIEBENTER: Ich seh das nicht ein, wieso man so Theorien, die sich ein gewisser Karl Marx vor hundert Jahren überlegt hat, auf die heutige Lage projizieren soll.

FÜNFTER: Aber der Witz ist ja, daß es heute noch stimmt!

Wieso waren eigentlich keine weiteren Demos in letzter Zeit? (Lachen)

FÜNFTER: Es waren eh genügend Demos, eine El-Salvador-Demo ...

ERSTER: Ich seh den Sinn und Zweck der Bewegung nicht darin, sich als Verein zur Organisierung samstäglicher Demonstrationen zu profilieren ...

DRITTER: ... oder als Schlagzeilenzulieferer!

ERSTER: ... sondern das wird sich in der Gruppe schon regeln. Aktion ist nicht unbedingt Demonstration. Für mich ist eine eingeschlagene CA-Scheibe genauso eine gute Aktion wie ein besetztes Haus.

SIEBENTER: Auf der anderen Seite ist es schade, daß die Bullen immer in ihrem Revier sitzen müssen. Zur Arbeitsplatzsicherung und zur Senkung der Frustration der Polizei müßte jeden Samstag eine Demo stattfinden.

NEUNTER: Ich find das irrsinnig lustig: bei der El-Salvador-Demo waren ein paar tausend Leute. Da waren dann ein paar Zeilen in der Zeitung. Und wenn’s eine etwas militantere Demo gibt mit fünfhundert Leuten — dann wird geschrieben. Die dürfen uns nur ernst nehmen, wenn wir Fensterscheiben zammhauen.

FÜNFTER: Insofern sind Scheiben wirklich Argumente.

NEUNTER: Um ein gewisses Maß an Öffentlichkeit zu erhalten, sind Steine das Beste.

ZWEITER: Ich seh schon kommen, die werden beim nächsten 1. Mai Scheiben aufstellen mit der Aufschrift: Für unsere jungen Krawallmacher haben wir auch Verständnis. So ist eben unsere Sozialdemokratie.

Ahnung vom Burggarten

Was ist eigentlich im Burggarten [4] los?

NEUNTER: Der blüht und gedeiht.

SIEBENTER: Polizisten paaren sich in der Wiese.

FÜNFTER: Polizeiwagen fahren andauernd auf und ab. Die ahnen was.

ERSTER: Ich find das ziemlich bezeichnend, daß da Leute in der Wiese gesessen sind, und das Resultat war: Knast. Wenn man noch ein ärgeres Beispiel will, um diese Perversion zu sehen, dann weiß ich nicht.

DRITTER: Aber was liegt näher, als daß du, wenn du am Rasen sitzt, endlich einmal in eine Zelle kommst, wo Beton ist. Damit du dich dran gewöhnst. Das ist doch sozial.

*) Die Fragen stellte Michael Hopp; die Jugendlichen Nr. 1, 6 und 9 sind weiblichen Geschlechts.

[1Nach zweijährigen Verhandlungen mit der Gemeinde Wien konnte am 21. März das Kulturzentrum Gassergasse (im ehemaligen WÖK-Verwaltungsgebäude) eröffnet werden. Kontakt: Kulturzentrum Gassergasse, Wien 5, Eingang Laurenzgasse 2, Telefon 55 15 82

[2Das Amerlinghaus wurde 1975 besetzt und 1977 als Kommunikationszentrum mit Subvention der Gemeinde eröffnet: Stiftgasse 8, Wien 7, Telefon 93 64 75

[3Das Gelände des Wiener Auslandsschlachthofs in Wien-St. Marx (3. Bezirk) wurde am 27. Juni 1976 besetzt und nach drei Monaten, Anfang Oktober, von der Polizei geräumt. Siehe dazu: Cornelia Frey: Sankt-Marxismus, FORVM September/Oktober 1976; felicitas gressl: macht’s doch gleich ein puff auf! FORVM September/Oktober 1976; Heidi Pataki: Fetzenarena, FORVM Dezember 1976; Rudolf Kohoutek/Gottfried Pirhofer: Das verlorene Paradies, FORVM Jänner/Februar 1979; siehe auch die Dokumentation in der Zeitschrift Wespennest Nr. 22 („Arena — besetzt“)

[4Der Kampf um die Rasenfreiheit im Wiener Burggarten (Hofburg, die Wiese in der Ecke Goethegasse/Palmenhaus) begann schon im Frühjahr 1979; siehe: Michael Siegert: Zwischen Hunden und Autobahnen, FORVM November/Dezember 1979. Am 21. Oktober 1979 wurde für einen Tag die niederzureißende Phorushalle im 5. Wiener Gemeindebezirk besetzt.

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