Ferdinand Lacina
Beiträge
Context XXI, Heft 7-8/2001 — 1/2002

Der Fall Borodajkewycz

Februar
2002

Unter den zahlreichen Professoren, die ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit zum Trotz auch nach 1945 an Österreichs Universitäten lehrten, sorgte in den 60er Jahren ei­ner für besondere Aufregung: Taras Borodajkewycz, Professor an der Hochschule für Welt­handel (Wirtschaftsuniversität). Taras (...)

Beiträge von Ferdinand Lacina
FORVM, No. 375-378

Hundert Worte Sozialismus

Juni
1985

Das FORVM hat seinen dreißigsten Geburtstag gefeiert. Aber nicht in der Redaktion und nicht in einem Jubiläumsheft, sondern in der Au bei Hainburg. Trotzdem — oder vielleicht gerade deshalb — war uns dieses Datum Anlaß eines Begriffes zu gedenken, über den sich diese Zeitschrift und ihre Autoren (...)

Context XXI, Heft 7-8/2001 — 1/2002

Vor 40 Jahren — der Fall B.

Februar
2002

5 Jahre nach dem Staatsvertrag tauchten an den Wänden Österreichs Hakenkreuze und sogenannte Odalsrunen auf, „Heimattreue“ be­gannen sich erneut zu regen. Das Unterrichtsministerium empfahl Zeitgeschichte zu lehren. Der Professor für Wirtschaftsgeschichte an der Hochschule für Welthandel berichtete (...)

Ferdinand Lacina (2017)

Ferdinand Lacina (* 31. Dezember 1942 in Wien) ist ein österreichischer Politiker (SPÖ).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ferdinand Lacina, dessen Eltern aus der tschechischen Volksgruppe in Wien stammten, besuchte von 1952 bis 1960 das Bundesrealgymnasium Waltergasse. Weiters wird er sowohl vom Komensky-Schulverein[1] als auch von Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen[2] als Absolvent der Wiener Tschechischen Schule angegeben.

Schon früh engagierte sich Lacina auf der Seite der Sozialisten und fungierte beispielsweise als Studentenfunktionär des VSStÖ. Lacinas Vorlesungsmitschrift, die die antisemitischen Entgleisungen des Professors Taras Borodajkewycz festhielt, spielte eine wesentliche Rolle in der diesen betreffenden politischen Affäre. Schon während seines Studiums an der Hochschule für Welthandel (Sponsion 1965, Dipl.-Kfm) trat Lacina 1964 in die Arbeiterkammer Wien ein, wo er unter anderem gemeinsam mit Oskar Grünwald eine große Studie zum Thema Auslandskapital in der österreichischen Wirtschaft verfasste (Europaverlag Wien 1970). 1973 wurde Lacina als Nachfolger von Eduard März Leiter der wirtschaftswissenschaftlichen Abteilung der AK Wien.

Ab 1980 war er Kabinettschef des langjährigen österreichischen Bundeskanzlers Bruno Kreisky. Von 1982 bis 1984 war er als Staatssekretär im Bundeskanzleramt u. a. für Wirtschaftsfragen zuständig. Von 1984 bis 1986 war Lacina Bundesminister für Verkehr und wurde in dieser Zeit vor allem mit der Krise der verstaatlichten Industrie und ab November 1985 speziell mit dem Intertrading-Skandal konfrontiert. Ab diesem Zeitpunkt profilierte sich Lacina als Verfechter der Entpolitisierung und zumindest teilweisen Privatisierung dieses Wirtschaftssektors. Von 1986 bis 1995 war Lacina Bundesminister für Finanzen und damit einer der längstdienenden Finanzminister Österreichs.

Nach seinem Abschied aus der aktiven Tagespolitik war er bis 1997 Generaldirektor der österreichischen GiroCredit Bank AG der Sparkassen. Im Wintersemester 2007/08 fungierte Lacina im Rahmen des Programms „Politiker in Residence“ als Gastprofessor am Institut für Politikwissenschaft der Universität Innsbruck.[3][4]

Aus seiner ersten Ehe hat Lacina zwei erwachsene Kinder[5], sein Sohn Robert ist unter dem Künstlernamen Robert Rotifer als Journalist und Musiker tätig. Die Widerstandskämpferin, Politikerin (KPÖ) und Philanthropin Irma Schwager war seine Schwiegermutter. Lacina ist in zweiter Ehe mit der SPÖ-Politikerin Gertraud Knoll verheiratet.[6]

Positionierung bei der SPÖ-Mitgliederbefragung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der SPÖ-Mitgliederbefragung 2023 unterstützte Lacina offen die Kandidatur von Andreas Babler, da der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil die Partei gespalten und sich wie die amtierende SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner beschädigt habe. Er kritisierte in einem Interview mit dem Standard die Politik Doskozils Politik scharf, etwa dass Landesbedienstete im Burgenland einen gesetzlichen Mindestlohn bekommen, auf den viele in der Privatwirtschaft keine Chance haben: „Damit wird eine kleine Gruppe privilegiert. Das ist eine Spaltung der Arbeiterschaft. Das ist nicht sozialdemokratisch. Ein gesetzlicher Mindestlohn ist abzulehnen. Den könnte eine schwarz-blaue Regierung etwa kippen, und die Gewerkschaften wären geschwächt.“ Lacina lobte dagegen Babler für seine erfolgreiche Politik mit beeindruckenden Wahlsiegen in Traiskirchen, die mit größten Flüchtlingszentrum Österreichs kein einfaches Schicksal habe.[7]

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jörg Mahlich, Robert Schediwy (Hg): Zeitzeugen und Gestalter österreichischer Wirtschaftspolitik, Wien, LIT-Verlag 2008 (lebensgeschichtliches Interview mit F. Lacina). ISBN 978-3-8258-1076-4.
  • Ferdinand Lacina: ein bedeutender Steuerreformer, in Wolfgang Fritz: Für Kaiser und Republik. Österreichs Finanzminister seit 1848. Wien, Ed. Atelier 2003. ISBN 978-3-85308-088-7.
  • Ferdinand Lacina: Vor 40 Jahren – Der Fall B. In: Context XXI – Siegfrieds Köpfe – Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus an der Universität, ISSN 1028-2319.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ferdinand Lacina – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Absolventen :: Schulverein Komenský. Abgerufen am 11. Juni 2023.
  2. Vier Generationen der Wiener Tschechen und Slowaken haben im Prater ihr Jubiläum gefeiert. 30. September 2022, abgerufen am 11. Juni 2023.
  3. Vorlesungsverzeichnis der Uni Innsbruck
  4. Newsportal der Uni Innsbruck
  5. "profil": Ex-Finanzminister Lacina und Gertraud Knoll, Leiterin der SPÖ-Zukunftswerkstatt, sind ein Paar. Abgerufen am 3. Mai 2021.
  6. Österreich vom 14. November 2008;Heute vom 14. November 2008
  7. Standard-Redaktion: Ex-Finanzminister Lacina unterstützt Babler: "Doskozil hat die Partei gespalten". 6. April 2023, abgerufen am 7. April 2023.
  8. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)