radiX, Aussendungen
Februar
2001
Anti-Opernballdemo:

Polizeiprügel, Provokateure und Verhaftete

Auch auf die diesjährigen Opernballdemo reagierte die Polizei mit massiven Prügeleinsätzen, aufgefahrenen Wasserwerfern und Verhaftungen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist die genaue Zahl der Verhafteten nicht bekannt. Laut dem Vizepräsidenten der Polizei Wien Günther Marek in der ZIB 3 wurden insgesamt 42 DemonstrantInnen festgenommen, die wegen Sachbeschädigung, Widerstand gegen die Staatsgewalt und Körperverletzung angezeigt werden sollen. Laut ZIB 3 wurde außerdem die Grüne Nationalratsabgeordnete Madleine Petrovic von WEGA-Beamten niedergestoßen,worüber sich Marek sehr überrascht zeigte. Ein vorläufiger Demobericht kann höchstens einige Eckdaten der Demonstration und der staatlichen Repression bekannt machen.

Bereits im Vorfeld wurde mit einer Sperrzone um die Oper das ursprünliche Konzept der „Checkpoint Austria“-Gruppe verhindert. Die Donnerstagsdemo traf sich also wie üblich am Heldenplatz und zog durch den Graben in die Kärntnerstraße wo sie erstmals von Polizeiabsperrungen aufgehalten wurde. Die Demo wendete und kam schließlich beim Schwarzenbergplatz auf den Ring, wo es zu ersten Prügeleien mit der Polizei kam. Der bewaffneten Staatsmacht gelang es dabei nicht nur einige DemonstrantInnen blutig zu schlagen, sondern auch die Demo aufzuspalten. Erst mühsam gelang es die Demonstration — bzw. das, was davon übrig geblieben ist – auf dem Schwarzenbergplatz vor dem Sowjetdemkmal wieder zu sammeln und vor die Oper zu ziehen. Nach erneuten Angriffen der Polizei wich die Demonstration immer weiter zurück und floh – teilweise rennend – auf der Zweier-Linie in Richtung Mariahilferstraße. Dabei kam es vor der Sezession unseres Wissens nach zu Verhaftungen. Auf der Zweier-Linie wurden teilweise brennende Barrikaden gegen die anrückende Polizei, bestehend aus „normalen“ Beamten und WEGA, errichtet. Zugleich gelang es hinter den Barrikaden zwei Provokateure der Polizei zu enttarnen, die als „Autonome“ verkleidet versucht hatten, die Demo aufzuhetzen und in militärische Auseinanderstzungen zu treiben, die nicht zu gewinnen gewesen wären. Dort wurde sie gespalten. Angeblich wurde ein Teil der Demonstration eingekesselt, der andere floh in die Mariahilferstraße.

Gejagt von der Polizei wurden immer wieder kleinere, aber weitgehend unwirksame Barikaden errichtet.

Nachdem ein Versuch über die Gumpendorferstraße zum Kessel zurückzugehen gescheitert war, versuchte die Demo über die Wienzeile und die U4-Station Kettenbrückengasse in den 5. Bezirk zu flüchten. Nur ein verlorenes Häufchen DemonstrantInnen blieb schließlich in Panik flüchtend zurück. Einem Teil gelang es, ins Filmcasino zu flüchten. Mindestens zwei DemonstrantInnen wurden vor dem Filmcasino festgenommen und ca. eine halbe Stunde festgehalten bzw. genötigt an der Wand zu einem Billa-Geschäft in der Kälte zu stehen.

Wie auch immer einzelne Leute oder Gruppen zu den verschiedenen Aktionen stehen, die von Seiten verschiedener DemonstrantInnen auf der Demo passiert sind (auch wir finden nicht alles sinnvoll und toll, was dort passiert ist) möchten wir alle antifaschistischen Gruppierungen und Personen in diesem Land dazu aufrufen, nun solidarisch mit den Verhafteten zu sein und sich nicht in „böse und gute DemonstrantInnen“ spalten zu lassen. Gemeinsam sind wir stark und nur gemeinsam können wir Tendenzen aufhalten, die Österreich in einen starken und autoritären Polizeistaat verwandeln wollen.

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