(Ex-) Jugoslawien
Beiträge
FORVM, No. 19/20

Titos großes Spiel

August
1955

Die Analysen, die Prof. Franz Borkenau (Zürich) über die Vorgänge im Weltkommunismus und in der Sowjetunion anstellt (vgl. FORVM 11/15), erregen immer wieder lebhaftes Interesse bei Freund und Feind — bei Feind erregen sie außerdem noch Unbehagen, das sich in hämischen Bezeichnungen wie (...)

FORVM, No. 126/127

Portrait des Mörders

Juni
1964

Gavrilo Princip wurde 1894 als Sohn einer Kmet-(Leibeigenen-) Familie im Grahovo-Tal, Nordwest-Bosnien, geboren. Geschichtliche Umstände hatten die Entwicklung der bosnischen Gesellschaft verzögert; eine urtümliche Stammeskultur war unter türkischer Herrschaft bis tief in die Neuzeit erhalten (...)

FORVM, No. 128

Die Revolution der primitiven Rebellen

Zweiter Teil des Aufsatzes „Portrait des Mörders“
August
1964

Eine ganze Reihe theoretischer Spielarten des Individualterrorismus beeinflußte das Denken der Gruppe um Gavrilo Princip. Auf Grund der von mir eingesehenen Dokumentation kannten und studierten Princip und seine Freunde: Die klassischen Vorstellungen des Tyrannenmordes, in einem weiten Bogen (...)

FORVM, No. 146

Warum ich schweigen muß

Februar
1966

Dr. Mihajlo Mihajlov, Dozent der Universität Zadar, wurde wegen einer Artikelfolge, worin er die Sowjetunion kritisierte, verhaftet und verurteilt. Er berief, und der Oberste Gerichtshof Kroatiens hob das Urteil auf. Sodann wurde er von seiner Hochschule eliminiert. Er berief, und der Oberste (...)

FORVM, No. 148-149

Besuch bei Frau Djilas

April
1966

Der Authentizität halber wurde der nachfolgende, in deutscher Sprache niedergeschriebene Bericht in seinem originalen, zur schwedischen Muttersprache des Autors hinneigenden Zustand fast unverändert belassen. Seit etwa neun Jahren habe ich Kontakte mit Milovan Djilas und seiner Frau Stephanie. In (...)

FORVM, No. 150-151

Bekenntnis zu Djilas

Juni
1966

„Warum ich schweigen muß“ hieß der erste FORVM-Aufsatz des jungen Dozenten der Universität Zadar, Dr. Mihajlo Mihajlov. Mit dem nachfolgenden Aufsatz bricht er dieses Schweigen. Wir neigen uns vor seinem Mut. Das beste Zeugnis der wahren Liebe zur Freiheit in jedem Lande ist die Lage, in der sich (...)

FORVM, No. 152-153

Fall Ranković: Säuberung, nicht Liberalisierung

September
1966

Es ist lächerlich, wenn in der westlichen Presse steht, der Sturz Ranković’ bedeute einen Sieg der Liberalen über die Dogmatiker in Jugoslawien, als Folge dessen sich das Land rasch demokratisieren werde. Es scheint, daß die Menschen aus der Geschichte keine Lehre gezogen haben. Fast mit den (...)

FORVM, No. 152-153

Brief an Marschall Tito

September
1966

Hochgeehrter Genosse Präsident der Sozialistischen Föderativen Volksrepublik Jugoslawien, Ich nehme mir die Freiheit, diesen offenen Brief an Sie zu richten, weil ich es als meine Pflicht betrachte, öffentlich auf einige sehr scharfe Worte zu antworten, die Sie in Ihrer kürzlichen Rede direkt oder (...)

FORVM, No. 152-153

Für eine freie Stimme

September
1966

Jüngsthin gab es in Jugoslawien eine immer größere Zahl offener und öffentlicher Äußerungen von Leuten, die mit der Politik des Bundes der Kommunisten (KP Jugoslawiens) ideologisch nicht übereinstimmen und die marxistische Philosophie nicht akzeptieren, auch nicht deren Jugoslawisch-„revisionistische“ (...)

FORVM, No. 152-153

Requiem für Habsburg

Eine Novembernacht des Jahres 1918
September
1966

Notwendige Vornotiz „Obzor“, Nachmittagsausgabe, 14. November 1918, Nr. LXIX, S. 3: Das Fest dauerte bis zum frühen Morgen. Und wie es schon geht in diesen stürmischen Zeiten, in denen sich alle, selbst die intimsten, geselligen Veranstaltungen allzugerne in politische Versammlungen verwandeln, (...)

FORVM, No. 154

Requiem für Habsburg

(Schluß des Beitrages aus Heft 152/153)
Oktober
1966

Ich bin in einer wahren Hamlet-Stimmung. Von der Galerie herab beobachte ich diese ganz gut organisierte kaiserliche und königliche Offiziersmesse — man raucht Zigarren, Frontwitze werden erzählt (hier haben wir soundsoviele Geiseln erschossen, dort haben wir Tausende dieser Schurken und Verräter (...)

FORVM, No. 158

Gebt Gedankenfreiheit

Verteidigungsrede vor dem Kreisgericht Zadar, 22. September 1966
Februar
1967

Milovan Djilas ist frei, desgleichen einige Mitarbeiter an der von Mihajlov geplanten Zeitschrift der Opposition. Es besteht Aussicht, daß Tito, der großmütigste unter den kommunistischen Herrschern, auch Mihajlov freilassen wird. Vielleicht kann unser Abdruck der bisher nicht erhältlich gewesenen (...)

FORVM, No. 166

Mit Marx in Dalmatien

Oktober
1967

Das Neue FORVM fühlt sich der philosophischen Revue PRAXIS aus mancherlei Gründen verwandt. Die Zagreber Zeitschrift — zu deren Internationalem Redaktionsrat u. a. Erich Heintel zählt, führendes Mitglied der Paulus-Gesellschaft, Österreichische Sektion, sowie Ernst Bloch und Erich Fromm, die auch dem (...)

FORVM, No. 179-180

Exempel Jugoslawien

Internationale marxistische Sommerschule auf Korčula
November
1968

Den 150. Geburtstag von Karl Marx zu ehren, hatten die um die philosophische Zeitschrift „Praxis“, Zagreb, gescharten jugoslawischen Pioniere einer zeitgemäßen Sozialismus-Philosophie für ihre diesjährige Sommerschule auf der Insel Korčula das Thema „Marx und die Revolution“ gewählt. 150 Jahre sind in (...)

FORVM, No. 226/227

Die Zukunft der Selbstverwaltung

Gespräch
Dezember
1972

I. Technostruktur und Selbstverwaltung Ein wesentliches Problem unserer Zeit ist der Widerspruch zwischen technischer Rationalität und Effizienz auf der einen Seite, positiver menschlicher Freiheit im Sinne der Selbstverwirklichung auf der anderen Seite. Der Kapitalismus gab in seiner (...)

FORVM, No. 228

Antijugoslawismus

Januar
1973

Als vor 10 Jahren Österreich das Südtirol-Problem vor die UNO brachte, fand man es hierzulande für selbstverständlich, die Frage der deutschsprachigen Minderheit in Italien zu internationalisieren. Rechtsextremisten, die Terroranschläge auf italienische Einrichtungen verübten und in Italien in (...)

FORVM, No. 233

Wie kapitalistisch ist Jugoslawien?

Mai
1973

Die jüngste Entwicklung in Jugoslawien wird von manchen Beobachtern als eine aufgefaßt, die politisch gegen die „Rechte“ sich wendet, ökonomisch gegen die „Rekapitalisierung“ des Landes. Wie weit insbesondere letztere schon gediehen ist, deutet der nachfolgende Text an, der sich auf die (...)

FORVM, No. 255

Gefährlicher Sozialismus

Über die sokratische Existenz der jugoslawischen Intellektuellen
März
1975

Auszüge aus der Ansprache des bekannten jugoslawischen Schriftstellers Dobrica Cosić (Partisanenroman „Fern ist die Sonne“) auf dem Symposium der Serbischen Philosophischen Gesellschaft in Divčibara am 9. Februar 1974, veröffentlicht in der philosophischen Zeitschrift Praxis (Nummer 3-5/Mai-Oktober (...)

FORVM, No. 289/290

Räte raten rot

Das jugoslawische Experiment mit der Selbstverwaltung
Januar
1978

Die sozialistische Revolution erhält erneut ihren Sinn, wenn sie sofort als selbstverständlich die Forderung „die Fabriken den Arbeitern“ stellt und für das Absterben des über der Gesellschaft stehenden staatlichen Zwangsapparates sorgt. Auf diese Weise erlangt die politische Revolution des (...)

FORVM, No. 289/290

„Nicht einen Dinar können wir verteilen!“

Aus der Sitzung eines jugoslawischen Arbeiterrats
Januar
1978

Wie die Mitbestimmung der Arbeiter in der jugoslawischen Selbstverwaltung ausschaut, zeigt dieses Beispiel aus einem mazedonischen Betrieb. Es geht um die Verteilung von betrieblichen Überschüssen. Ein westlicher Besucher (Wolfgang Soergel) schrieb in der Sitzung vom 18. Oktober 1973 mit (...)

FORVM, No. 360

Tito im Taubenloch

Dezember
1983

Balkanleben. In solidarischer Besorgnis gewidmet Mile Šekeljić — Red. Drei Jahre ist er nun schon tot, der große balkanische Revolutionär. Tito war der einzige kommunistische Staatschef, der sich niemals sowjetischen Hegemonieansprüchen gebeugt, und der (seit 1949) stets darauf geachtet hat, das (...)

FORVM, No. 406-408

Das größte jugoslawische Abenteuer

Oktober
1987

Kein anderes Thema, nicht mal die dreistellige Inflationsrate, unzählige Streiks, Rückgang des Lebenstandards, nimmt — abseits von „Agrokomerc“ — in den jugoslawischen Medien (vor allem in Serbien) mehr Raum ein als das Thema „Kosovo“. „Heute ist das wichtigste nicht, was Jugoslawien mit Kosovo machen (...)

FORVM, No. 411/412

Die Sonne südöstlich der Alpen

März
1988

Die Slowenen — in Kärnten vom Staatsvertrag unwirksam geschützte Minderheit, politisch, ökonomisch und gesellschaftlich zum Schaden auch der Mehrheit niedergehalten — haben ihre „Sozialistische Republik Slowenien“, als zweitkleinste Teilrepublik Jugoslawiens nur gut doppelt so groß wie Kärnten, zur (...)

FORVM, No. 417-419

Der Kampf in YU

um Magna Charta & was noch
Oktober
1988

Waren es Prophezeihungen oder Hiobsbotschaften, jene Aussagen vor fast zwei Jahrzehnten, als die jetzige, nun wieder heftig kritisierte Verfassung, in der Rohfassung diskutiert wurde? So schrieb noch 1971 der Belgrader Juraprofessor Djuric: Jugoslawien ist heute bereits nur ein geographischer (...)

FORVM, No. 420-422

Vier heiße Jahreszeiten

Jugoslawische Bruchlinien
Dezember
1988

Nach einem heißen Sommer kam ein „heißer“ Herbst. Der jugoslawische November 1988 wird in Erinnerung bleiben, als der Monat der weiteren Entschleierungen der wahren Intentionen mancher Republik-/Provinzführungen und als Zeugnis der Paralysierung der föderativen Spitze, die aufgestauten Krisen auf (...)

MOZ, Nummer 41
Pulverfaß „Naher Balkan“:

Die Schlacht am „Kosovo Polje“

Mai
1989

Serbien ist wieder Herr über Kosovo. Der Widerstand der albanischen Bevölkerungsmehrheit hat dennoch nichts Vergleichbares mit den Kämpfen in Palästina oder Nordirland. Kosovo ist anders. Das Jahr 1389 ist in der Geschichte des serbischen Volkes als Katastrophe vermerkt: der serbische König Lazar (...)

FORVM, No. 432

Dokumente widerlegen Tito

Dezember
1989

Pauschalangriffe auf Titos Namen und Werk, ohne fundierte Analyse und spezifische Argumentation, hat das Zentralkomitee des Kommunistischen Bundes Jugoslawiens — entnehmen wir der „Politika“ vom 28. Oktober 1989 — als „zur Zerstörung gesellschaftlicher Grundwerte und Zerstörung von Jugoslawien selbst (...)

MOZ, Nummer 48
Jugoslawien vor der Zerreißprobe

Slowenien gegen Serbien

Januar
1990

Nach dem fehlgeschlagenen Versuch, die slowenische Hauptstadt Ljubliana mit einem ungebetenen Aufmarsch von bis zu 100.000 serbischen DemonstrantInnen zu beglücken, wurden die innerjugoslawischen Beziehungen durch beispiellose serbische Boykottmaßnahmen gegen Slowenien vollends aus dem (...)

MOZ, Nummer 51
Kosovo:

„Demokratie und Ruhm“

April
1990

Die Verlegung von Panzereinheiten der jugoslawischen Armee in den Kosovo hat Anfang Februar 1990 eine Ausweitung albanischer Massendemonstrationen hin zu einem allgemeinen Volksaufstand verhindert. Die Zeit im Kosovo scheint damit — wieder einmal durch direkte Gewalt — vorerst angehalten. (...)

MOZ, Nummer 54
Das kroatische Volk hat gewählt:

Jugoslawien kaputt?

Juli
1990

Der Wahlerfolg der nationalistischen „Kroatischen demokratischen Union“ hat größte Auswirkungen auf die politische Krise in Jugoslawien. Zudem kommen noch Probleme aus unbewältigter Vergangenheit ans Tageslicht. „In der Partei der Sieger, der HDZ, existiert ein aggressiver ustaschoider Kern, welcher (...)

MOZ, Nummer 57
Krise in Jugoslawien

Rundum Nationalisten

November
1990

Der nationale Konflikt zwischen Serben und Kroaten in den gemischtsprachigen Gebieten Kroatiens ist ein weiteres Hindernis für die politische und wirtschaftliche Konsolidierung Jugoslawiens. Die serbische Enklave Knin liegt rund 70 Kilometer von Sibenik an der dalmatinischen Küste im (...)

MOZ, Nummer 58
Die Reaktion sitzt fest im Sattel:

Gefahr im Osten

Dezember
1990

Geschichte wiederholt sich nicht. Der Held der Reaktion sitzt dennoch wieder, wie schon zu Zeiten der österreichisch-ungarischen Donaumonarchie und Ustascha-Kroatiens, fest im Sattel des fünfeinhalb Meter hohen Reiterstandbildes im Zentrum von Zagreb. Diesmal allerdings reitet Joseph Jelacic (...)

FORVM, No. 455

Die Kriegserklärungen der österreichischen Presse

Oktober
1991

Die kursiv gesetzten Zitate sind am 2. Juli wörtlich erschienen. Den Wahrheitsbeweis, mit Grüßen an Schalek, treten wir gerne an. Vorbereitungen zum Krieg Die Kufsteiner Jäger haben schon Grenzerfahrung aus dem Assistenzeinsatz im Burgenland. (Presse) Ein Krieg löst oft einen anderen ab. Der (...)

FORVM, No. 456

Die Zerstörung Kroatiens

Rede in Wien, am 19. November 1991, Alte Schmiede*
Dezember
1991

Ich muß Ihnen, zu meiner Trauer und zu ihrem Entsetzen, gleich im ersten Satz mitteilen, daß ich aus dem einzigen Land der Welt komme, in dem ein brutaler, ungerechter, durch nichts hervorgerufener, ja sogar — welch eine Ironie! — nicht einmal erklärter Krieg geführt wird: ich komme nämlich aus der (...)

FORVM, No. 465-467

Ein paar Fakten über die Vojvodina

November
1992

Die Vojvodina liegt im Nordosten Jugoslawiens. Ihr Territorium (21.506 Quadratkilometer = 24,34 Prozent der Gesamtfläche Serbiens) befindet sich im Gebiet der Dreiländergrenze Jugoslawiens, Ungarns und Rumäniens. Dieses Gebiet nimmt den südöstlichen Teil der pannonischen Tiefebene ein. Die Flüsse (...)

FORVM, No. 465-467

Vojvodina, Herbst 1992

November
1992

Kleinlicher, gewalttätiger Nationalismus Wahr ist ferner, daß in dieser Region wirrste politische Philosophien und grobschlächtigste politische Lügen wuchern, die in Gesellschaften mit einer gesunden Entwicklung nicht einmal formuliert werden könnten, geschweige denn glaubwürdig wären. Es wäre aber (...)

FORVM, No. 465-467

Einige Fragen an Peter Pilz

Offener Brief* vom 11. September 1992
November
1992

Im FALTER Nr. 33/92 stellt der Wiener Kommunalpolitiker Peter Pilz in Form eines Kommentars drei Fragen in den Raum, deren prompte Beantwortung dem Leser eine begrenzte UN-Militärintervention in Bosnien als die vernünftigste Lösung im dort herrschenden Bürgerkrieg nahelegen soll. Damit „legt er (...)

FORVM, No. 465-467

Die Barbaren ante portas?

November
1992

Die Berichte der meisten österreichischen Massenmedien über das ehemalige Jugoslawien sind auch 1992 meistens einseitig und oft genug werden Fakten mit Kommentaren vermischt. Manchmal entsteht der Eindruck, das österreichische Fernsehen wäre ein Organ des autoritären Tudjman-Regimes. Diesbezüglich (...)

FORVM, No. 473-477

Über Nationalismus und Staatsgründungen

in der Umgebung von Österreich und überhaupt
Juli
1993

Eine Erscheinung beunruhigt die Gemüter, die angeblich als „überwunden“ galt, geistesgeschichtlich im vorigen Jahrhundert und politisch bei Extremisten und Querulanten angesiedelt wurde: „Nationalismus“ macht sich breit in Europa, wird mit Lichterketten und frommen Wünschen bzw. ernsten Warnungen (...)

Amelie Lanier, Transformation Osteuropas

Über Nationalismus und Staatsgründungen

Juli
1993

FORVM, No. 473-477

Dialektik der Gewalt

Juli
1993

Der Autor dieser Studie über die „ethnischen“ Gruppen und Konflikte in Bosnien-Herzegowina war Professor für Politikwissenschaften und Sozialpathologie an der Universität Sarajewo, als es diese noch gab. Seit einem Jahr wird in Bosnien-Herzegowina ein Krieg geführt, der einer der grausamsten in der (...)

FORVM, No. 473-477

Politik, Krieg und Moral

Juli
1993

In einem allerdings läßt Bosnien einen eher gespenstischen Rückschluß aufs Dritte Reich zu: Vermutlich hätte niemand Hitler Widerstand geleistet, wenn er sich darauf beschränkt hätte, Juden und Zigeuner auszurotten. PM. Lingens »Standard« vom 16./17.1.1993 Moral = Kriegshetze Die europäische (...)

EuropaKardioGramm, EKG 5-6/1995
Jugoslawien

Krieg den Hütten, Friede den Palästen

Oktober
1995

In den letzten Wochen des Krieges kann keine der Parteien sich mehr Sentimentalitäten leisten. Jetzt muß schnell miteinander abgemacht werden, was abzumachen ist. Wenn dabei auf allen Seiten die eigentlichen Absichten unerwünscht deutlich zu Tage treten, muß man das halt in Kauf nehmen. Drei (...)

Context XXI, Political Culture

Ein Entschuldigungsbrief oder der erste Brief aus der Fremde

Geschrieben in Wien, am 15.08.1991
Oktober
1995

Dies ist kein gewöhnlicher Brief. Es ist ein Brief an die Heimat, die ich vorübergehend oder für längere Zeit verlassen habe. Es ist ein Brief der erklären soll, soweit man überhaupt erklären kann, warum man der Heimat den Rücken kehren kann. Es ist ein Versuch einen Brief über etwas zu schreiben, wo (...)

FORVM, No. 499-504

Kriegssprachspaltung

Dezember
1995

Vom österreichischen Justizminister, seinen Experten und unserer Verwicklung ins Jugoslawische Chaos. Was hat der Josefstädter Notar und österreichische Justizminister Dr. Nikolaus Michalek mit Herrn Milosevic aus Serbien und Herrn Tudjman aus Kroatien gemeinsam? Nichts natürlich, ist der (...)

Streifzüge, Heft 1/1996

Immer am Rande Europas

März
1996

Seit dem Mittelalter steht Osteuropa in Abhän­gigkeit von den wirtschaftlichen Zentren des Kontinents. Erst die stalinistischen Entwick­lungsdiktaturen entzogen die Region dem öko­nomischen Zugriff des Westens — allerdings nur vordergründig: Mit der Aufnahme von Krediten im Westen zur Überwindung der (...)

Context XXI, ZOOM 3/1996

Ghetto – Geheimes Leben einer Stadt

Juni
1996

Zwei Belgrader Filmemacher bannen den wütenden Protest isolierter Belgrader Rockmusiker in beklemmende Bilderfolgen. „Geto — Tajni Zivot Grada“ (Ghetto — Secret Life of a City) – eine schonungslose Abrechnung mit dem Belgrader Regime. Nach fast vollständigem Abbruch der Beziehungen wurde der Dialog (...)

Context XXI, ZOOM 6/1996

Abwehrkampf gegen die Erinnerung

Oktober
1996

Der „Abwehrkampf gegen die Erinnerung“ ist – obwohl das der Titel vielleicht nahelegt – kein Kärntner Spezifikum. Die Mechanismen des Vergessens, des Umdeutens der Geschichte, der Selbstrechtfertigung sind weder individuelle Erscheinungen noch auf bestimmte Regionen oder Gruppen begrenzt. Nach (...)

Streifzüge, Heft 1/1997

Auferstanden aus Modernisierungs-Ruinen

Das Buch von Ernst Lohoff über Wallensteins Lager in Jugoslawien
März
1997

Ernst Lohoff: Der dritte Weg in den Bür­gerkrieg. Jugoslawien und das Ende der nachholenden Modernisierung. Bad Honeff: Horlemann — edition krisis. Während die einen vom Ausbruch animalischer Instinkte schwatzen, die anderen über die Serben als die neuen Nazis schwadronieren und der Rest sich mit (...)

Weg und Ziel, Heft 1/1997

Das Balkan-Blutbad — nur „Nationalismus“?

Wieder ein aktueller politischer Roman von Paul Blaha*
März
1997

Nun sind innerhalb von fünf Jahren drei Romane von Paul Blaha erschie­nen, die sich alle mit Themen aktueller Politik befassen. War die „Schöne freie Welt“ (Langen Müller, 1991) noch als Polit-Fiction mit Zeit­reisen zwischen unserem und dem nächsten Jahrhundert angelegt, blie­ben „Die Hinterbliebenen“ (...)

Weg und Ziel, Heft 1/1997

Über die Bewältigung von Vergangenheiten und Gegenwart

Paul BLAHA im Gespräch
März
1997

Im Publikum herrscht gespannte Aufmerksamkeit, als der Autor im De­zember 1996 nach der Lesung in einer Wiener Bücherei auf die Fragen der Zuhörer eingeht. „Ja natürlich, die Ge­schichte Jugoslawiens — des ehemaligen Jugoslawien — hat mich sehr bewegt und ich habe einiges zurechtzurücken versucht, was (...)

Amelie Lanier, Transformation Osteuropas

Ein eher klein dimensioniertes Pulverfaß: Das Kosovo

 
1998

1. Das „Problem“ Die Existenz von ethnischen Minderheiten gilt als problematisch, die Minderheiten als Opfer, verschiedene regierende Bösewichte als Täter und die ganze Veranstaltung als Menschenrechtsfrage – wenn diese Minderheiten in Ost- und Südosteuropa leben. Im Unterschied zu Moslems in (...)

Context XXI, ZOOM 2/1998

Kriegsdienstverweigerer in Belgrad in Haft

Mai
1998

Pavle Bozic, ein religös mo­tivierter Kriegsdienstver­weigerer aus einem Dorf na­he bei Belgrad, wurde am 23. Februar von einem Militär­gericht in Belgrad wegen Ver­weigerung militärischer Be­fehle zu einem Jahr Gefäng­nis verurteilt. Er war 1993 bereits aufgrund des gleichen Vorwurfs neun Monate (...)

Context XXI, ZOOM 4/1998
Der Konflikt in Kosov@*

Von der Politik zum Krieg und zurück zur Politik?

Oktober
1998

Mit den Ereignissen in Drenica Ende Februar/Anfang März erhielt der Kosov@-Konflikt die volle Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft. Und wieder reagierte die Welt, allen voran aber Europa, überrascht, schockiert und unvorbereitet. Seit Herbst letzten Jahres war es offensichtlich, daß (...)

radiX, Texte

Bombardiert das deutsche Hauptquartier

März
1999

Der nachfolgende Text entstand im März 1999 als Aufmacher für die Zeitschrift ÖkoLinX, Heft 30, die leider nicht erschien. Jugoslawien wird, wie der NATO-Oberkommandierende General Wesley Clark formulierte, systematisch angegriffen und verwüstet. Die Bomben der westlichen Wertegemeinschaft treffen (...)

Context XXI, ZOOM 2/1999

Stoppt den Krieg!

Aufruf zu antimilitaristischen Aktionen gegen den Krieg in Jugoslawien
März
1999

Nach mehreren Wochen Bombardements und Vertreibungen ist ein Ende des Krieges noch lange nicht absehbar. Und während woanders, in Rom beispielsweise (und dort mit sichtbarem Einfluß auf die Position der Regierung), Zehntausende auf die Straßen gehen, um aus einer klaren antimilitaristischen (...)

Context XXI, ZOOM 2/1999
NATO – Anarchie

Bomben auf das Völkerrecht

März
1999

NATO-Bombardements auf Jugoslawien stellen einen inflagranten Bruch des Völkerrechts dar und können völkerrechtlich nicht gerechtfertigt werden. Es ist ein beliebtes Ritual der Politik und vieler Medien, rechtswissenschaftliche Lehrmeinungen gegeneinander auszuspielen, um sich nach Belieben (...)

Context XXI, ZOOM 2/1999

„Irrational und rachsüchtig“

März
1999

Im folgenden dokumentieren wir die Antwort Noam Chomskys auf eine im Netz-Forum des US-amerikanischen Z-Magazins an ihn gerichteten Frage über die Gründe für den US/NATO-Krieg gegen Jugoslawien, die unserer Auffassung nach einige interessante Hinweise enthält. Frage: Inwieweit hängt die Anwendung (...)

Context XXI, ZOOM 2/1999

Briefe aus Budapest

März
1999

6. April 1999 Tausende von Leuten aus Serbien sind bereits nach Ungarn gekommen, auch einige unserer Freunde. Frauen, Kinder, Ältere und einige Männer, die vor der Intervention kamen. Die Grenze wurde vor zwei Wochen für alle Männer zwischen 18 und 60 Jahren geschlossen. Der Umfang der (...)

Context XXI, ZOOM 2/1999

Bombardements und Medienkrieg

März
1999

Die Tragödie der kleinen und armen Stadt Aleksinac, die hauptsächlich von Bergarbeitern bewohnt wird und auf deren Häuser vor einigen Tagen Bomben fielen, bestimmen immer noch die Gefühle der Menschen, denen zumindest gelegentlich bewußt wird, daß die Bomben der waffenschwingenden Weltmacht (...)

Café Critique, Jahr 1999

Albaner auf Schindlers Liste

Über den NATO-Einsatz gegen Auschwitz
April
1999

Während Ostern seit je Wagners Parsifal gegeben wird, bringt das österreichische Fernsehen nun zusätzlich am Karfreitag Schindlers Liste. Erlöst der „reine Tor“ auf der Bühne durch bloße Keuschheit die Gralsritter von der „ewigen Jüdin“ Kundry und rettet den heiligen Gral, so zeigt der reine Unternehmer (...)

Context XXI, Heft 1-2/1999
Die Republik, der Krieg und die Flüchtlinge

Wann wer verfolgt wird, bestimmen wir

Juni
1999

Kein anderes Land versteht es wie Österreich, sich als blühender Garten des Humanismus darzustellen und ihn gleichzeitig bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit der größten Selbverständlichkeit und der harmlosesten Miene zu mißachten und zu untergraben. Daß in diesem Land der NATO-Krieg gegen das (...)

Context XXI, Heft 1-2/1999

Censorship from the sky

Diskussion zur Situation der unabhängigen Medien in Jugoslawien
Juni
1999

Am 10. Juni fand — während in der Zeit im Bild das Ende des Kosovo-Krieges verkündet wurde — eine Podiumsdiskussion zum Thema „war, web & the media“ statt. Wie ist die Situation der unabhängigen Medien in Jugoslawien, wie können sie unterstützt werden? So die angekündigten Fragestellungen, die von (...)

Context XXI, Heft 1-2/1999

NOTO KOSOWAR

Vermischte Bemerkungen zu einigen Kriegsbildern
Juni
1999

Bereits in der letzten Ausgabe veröffentlichten wir Bilder aus der Serie NOTO KOSOWAR ([NOTO-WEB->https://web.archive.org/web/20010501233715/http://www.t0.or.at:80/~noto). In der vorliegenden Ausgabe finden Sie wieder Bilder von Bildern des Krieges aus dieser Serie. Der folgende Text ist auch (...)

Context XXI, Heft 1-2/1999

Kollateralschaden

Zu den Bildern der Belgrad Winterproteste, November/Dezember 1996
Juni
1999

Den NOTO KOSOWAR-Kriegsbildern von Christian Helbock stellen wir in diesem Heft Fotos aus einer Dokumentation der Wochenzeitung Vreme über die Winterproteste 1996/97 in Belgrad gegenüber. Mit täglichen Massenprotesten setzte damals das Oppositionsbündnis Zajedno („Gemeinsam“) aus Demokratischer (...)

Context XXI, Heft 1-2/1999
Bogdan Bogdanovic — Erinnerungen

Der verdammte Baumeister

Juni
1999

Die Stadt und einer der sie liebt, der sie träumt, der für sie kämpft, stehen im Zentrum des „Verdammten Baumeisters“. Bogdan Bogdanovic ist poète maudit der urbanen Welt, er ist ein maudit — ein Verdammter, der als Exilant aus dem ehemaligen Jugoslawien, aus Belgrad, seit 1993 in Wien lebt, wo er (...)

radiX, Nummer 2

Wenn der nationale Wahn einmal ausgebrochen ist ...

Juni
1999

... scheint er immer noch große Teile der Linken anzusprechen. Auch wenn es sich angesichts der Kriegsgreul, Vertreibungen und NATO-Bomben wie eine Nebensache anhört, so ist das Verhalten vieler Gruppierungen der Österreichischen Linken symptomatisch für ihre unreflektierte Unterstützung aller (...)

Café Critique, Jahr 1999

Mountainbiker kontra Waldläufer

Über Handkes Fahrt nach Serbien und Peymanns Fahrt nach Berlin
Juli
1999

Das Stück spielt „ein Jahrzehnt nach dem vorläufig letzten Krieg in Jugoslawien“: ein amerikanischer und ein spanischer Regisseur wollen gemeinsam einen Film über diesen Krieg drehen. Zu diesem Zweck lassen sie sich in einer Art weltanschaulichem Casting oder theatralischem Hearing die Parteien und (...)

Café Critique, Jahr 1999

Ressentiments in Aktion

Psychologische Kriegführung in Deutschland und Österreich
Juli
1999

In den 90er Jahren findet eine erstaunliche Auslagerung, ein Outsourcing von Propaganda statt: Kroatien, Bosnien-Herzegowina und zuletzt die Albaner engagierten eine amerikanische Public Relation-Firma, um die politische Öffentlichkeit in den USA, die ursprünglich proserbisch und gegen die (...)

Context XXI, Heft 3/1999

Die Folgen des NATO-Krieges gegen Jugoslawien

Eine Analyse der Interessenlagen
September
1999

Bei der Entscheidung der NATO, einen Luftkrieg gegen Jugoslawien zu führen, spielten handfeste machtpolitische und geostrategische Überlegungen der USA eine entscheidende Rolle. Seit dem erzwungenen Rückzug des Osmanischen Reiches liegt der Balkan im Spannungsfeld dreier bzw. zweier Großräume: (...)

Context XXI, Radiosendungen 1999
Der imperiale Krieg

Geostrategie am Balkan

Oktober
1999

Der NATO-Luftkrieg gegen Jugoslawien ist beendet — der Kriegszustand am Balkan damit noch lange nicht. Die Zerstörung Jugoslawiens ist so gut wie abgeschlossen — die Gründe dieser Zerstörung bleiben so unklar und umstritten wie zu Beginn der NATO-Bombardements. Nie zuvor waren die Gründe für einen (...)

Context XXI, Heft 4-5/1999

Interesse, Gewissen und Projektion im Jugoslawienkrieg

November
1999

Eine Kritik der geomaterialistischen Erklärungsversuche für die NATO-Aggression inklusive einer Replik auf Hannes Hofbauers Beitrag „Die Folgen des NATO-Krieges gegen Jugoslawien“ in der Nummer 3/99 von Context XXI Die klassische Aufklärung hielt Ideologie für das Werk „lügender Priester“. Diese (...)

Context XXI, Radiosendungen 1999

Krieg, Sinn und Wahnsinn

Die politische Ökonomie der Interesselosigkeit
November
1999

Die Frage, welche Art von Krieg die NATO gegen Jugoslawien führte, ist immer noch offen. Viele Kriegsgegner und Kriegsgegnerinnen stehen mit einer gewissen Ratlosigkeit nicht nur vor den Trümmern, die dieser Krieg am Balkan hinterlassen hat, sondern auch vor den Trümmern ihrer eigenen (...)

Context XXI, Heft 6/1999

Jugoslawien und die neue Konkurrenz im Weltmaßstab

Dezember
1999

Eine Anknüpfung an die Beiträge „Die Folgen des NATO-Krieges gegen Jugoslawien“ (Context XXI, Nr. 3/99) und „Interesse, Gewissen und Projektion im Jugoslawienkrieg“ (Context XXI, Nr. 4-5/99) nebst einer Besprechung des Sammelbandes von Hannes Hofbauer zum Konflikt auf dem Balkan von Erinnert sich (...)

Context XXI, Heft 6/1999

Auschwitz im Kosovo

Dezember
1999

Die penetrante Lüge von der Vergleichbarkeit der Geschehnisse im Kosovo mit der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie stieß bei vielen Überlebenden der Shoah auf Widerspruch. Während des Kosovo-Krieges ermöglichte die Parallelisierung der Geschehnisse im Kosovo mit den deutschen (...)

Context XXI, Heft 1/2000

Haus für Deserteure aus Jugoslawien in Budapest

Februar
2000

Die Idee für das Projekt entstand im Mai 1999 unter Deserteuren und Kriegsdienstverweigerern aus Jugoslawien, die in Ungarn Zuflucht gesucht haben. Das Haus für Deserteure steht nicht nur Kriegsdienstver­weigerern serbischer Herkunft als Anlaufstelle zur Ver­fügung, sondern zum Beispiel auch jenen, (...)

Context XXI, Heft 1/2000

Bombengeschäfte

Die politische Ökonomie des Kosovo-Krieges
Februar
2000

Ein Buch von Winfried Wolf — gelesen von Winfried Wolf analysiert die Ursachen des Golfkrieges vor dem Hintergrund des militärisch-industriellen Komplexes. Er bietet damit ein weiteres Erklärungsmodell neben den bisher in Context XXI veröffentlichten Analyseversuchen. Das Erklärungsmodell (...)

Context XXI, Heft 2/2000

Mythen und Fakten im Kosovo-Konflikt

April
2000

Karl Kaser, Wolfgang Petritsch und Robert Pichler haben sich in einem letzten Herbst erschienenen Band vorgenommen, die Geschichte des Kosovo und der Verhandlungen von Rambouillet an Hand von Originaldokumenten zu entzaubern. Es ist ein merkwürdiges Buch. Bereits seine bibliophile Aufmachung — (...)

Café Critique, Jahr 2000

Krieg der Stämme oder der Projektionen?

Mai
2000

Über die deutsche Notwendigkeit, in Jugoslawien Krieg zu führen Die zivilgesellschaftlichen Freunde des Kriegs – wie Dan Diner, Jürgen Habermas oder Daniel Goldhagen – wollen den Kosovo-Krieg als vollkommene Integration Deutschlands ins westliche Bündnis verstanden wissen. Aber die Frage lautet: wer (...)

radiX, Nummer 3

Von der nationalen Logik zu den „ethnischen Säuberungen“

Mai
2000

Der Zerfall oder die Zerschlagung Jugoslawiens machte einmal mehr deutlich welch mörderische Konsequenzen nationalistische und völkische Logiken auch heute noch haben können. Jugoslawien bildete dabei nach dem zweiten Weltkrieg in seinem Nationenkonzept einen Sonderfall, der neben der Föderation (...)

radiX, Nummer 3

Krieg als langfristige Zerstörung von Lebensgrundlagen

Mai
2000

Generell, egal ob die Menschen in Österreich die NATO-Bomardements gegen Jugoslawien unterstützten oder dagegen auftraten, bestreitet niemand die schweren Schäden, die das Bombardement der jugoslawischen Industrie und Infrastruktur zugefügt hat. Aber dies stellt nicht die einzige Folge der (...)

radiX, Nummer 3

Die Folgen der Bomben auf Jugoslawien

Mai
2000

Während in den bürgerlichen Medien der NATO-Krieg gegen Jugoslawien kein Thema mehr ist, leidet die Bevölkerung in Serbien, im Kosovo und in Montenegro immer noch unter den Folgen von Krieg und Nationalismus. Um nicht nur immer von Außen über die Situation zu berichten führte für diese Nummer Thomas (...)

Context XXI, Heft 3-4/2000

Kritik der reinen Projektion

Über die deutsche Notwendigkeit, in Jugoslawien Krieg zu führen
Juni
2000

Überarbeitete Fassung des zweiten Teils eines Vortrags, der im Februar in Hamburg als Veranstaltung der Jugoslawien-Filmgruppe gehalten wurde. Die ganze Entwicklung in Jugoslawien vom Anfang der neunziger Jahre bis zum Kosovo-Krieg läßt sich — wie in den Arbeiten von Jürgen Elsässer und Matthias (...)

Context XXI, Heft 7-8/2000

„Deutschtum“ im Ausland

Dezember
2000

Benes-Dekrete und Avnoj-Beschlüsse: Die historischen Hintergründe der Aussiedlung der „Volksdeutschen“ aus der Tschechoslowakei und Jugoslawien. Die „Volksdeutschen“, jener Teil des „deutschen Volkskörpers“ außerhalb der gültigen Grenzen Deutschlands, stellten schon Jahre vor der nationalsozialistischen (...)

Context XXI, Radiosendungen 2001

Tödliche Lügen

Die Kriegsverbrechen der „westlichen Wertegemeinschaft“ im Kosovo
April
2001

Jürgen Elsässer, Autor der Zeitschrift konkret, veröffentlichte ein Buch mit dem Titel Kriegsverbrechen — Die tödlichen Lügen der Bundesregierung und ihre Opfer im Kosovo-Krieg, in dem er die Nachrichtenmanipulationen und Lügen von Regierungen und Medien der „Westlichen Wertegemeinschaft“ offenlegt, (...)

Streifzüge, Heft 2/2001

Kosovo und Auschwitz

Wiedergeburt einer deutschen Sonderform aus dem Geist der westlichen Universalisierung
Juli
2001

„Aus Auschwitz kann man nicht lernen, und niemand, indem er antistaatlich und antivölkisch ist und die beiden essentiellen Bestandteile der Genoziddefinition damit vermeidet, ist aus dem Schneider.“ Ilse Bindseil hat das anläßlich des Kosovo-Kriegs über „die Geburt der internationalen (...)

Context XXI, Heft 3-4/2001

Medien und Krieg

Krieg und Geschlechterverhältnis
Juli
2001

Geschlecht und Medien sind vielfältig miteinander verwoben. Eine Analyse am Beispiel des Nato-Angriffskrieges in Südosteuropa 1999 Die Synergie zwischen Krieg und Medien ist so intensiv, dass sie beinahe als eine Symbiose erscheint - ein wechselseitiges Verhältnis zu beiderseitigem Nutzen: (...)

Context XXI, Heft 7-8/2001 — 1/2002

Mahnmal in Jasenovac

Februar
2002

Context XXI, Radiosendungen 2002

Ergänzungswirtschaftsraum

Über die neokoloniale Aufteilung des Balkans am Beispiel Montenegros
Dezember
2002

Die kleinere der beiden verbliebenen Teilrepubliken des nunmehr Serbien-Montenegro genannten ehemaligen Jugoslawien ist ein gutes Beispiel für den ökonomischen und politischen Zugriff Deutschlands, Westeuropas und der USA auf den Balkan, wie Alex Dajkovic auf Einladung der Ökologischen Linken (...)

Context XXI, Heft 8/2003 — 1/2004

Aufklärung als AnTITOtalitarismus

Zwei Ausstellungen in Kärnten/Koroška
Dezember
2003

Die Thematisierung von „antifaschisti­schen Gräueltaten" fungiert in Kärnten/Koroska als Instru­ment revisionistischer Deutschnationaler. Aber auch die SPÖ beteiligt sich an der Relativierung der NS-Verbrechen. Die traditionelle Vor­gangsweise der Institu­tionen und pressure groups in Kärnten/Koroska, (...)

Context XXI, Heft 2-3/2004

Gastarbejteri — 40 Jahre Arbeitsmigration

Eine Ausstellungsbesprechung
März
2004

Der Ausstellungskomplex Gastarbajteri umfasst drei Vermittlungsebenen und -orte: die historisch-doku­mentarische Ausstellung im Wien-Museum, die künstlerischen Darstellungen in der Wiener Hauptbücherei und Filme zum Thema im Film­archiv Austria. Die Ausstel­lung besteht somit aus meh­reren (...)

Context XXI, Heft 4-5/2004

Holocaust und Revisionismus in Kroatien*

Juni
2004

Der eliminatorische Antisemitismus orientierte sich im Ustascha-Kroatien zwar an deutschen und österreichischen Vorbildern, die Verfolgung und Ermordung von Jüdinnen und Juden wurde aber größtenteils eigenständig durchgeführt. Der Antisemitismus hat in Kroatien keine lange Tradition, denn obwohl (...)

Café Critique, Jahr 2005

10 Jahre Dayton

Ein ethnisch reiner Frieden
Juni
2005

Nach Wochen zäher Verhandlungen konnten die amerikanischen Verhandlungsführer der Weltöffentlichkeit am 21. November 1995 auf einer Air Force Base in Dayton, Ohio, den erhofften politischen Erfolg präsentieren. Das Abkommen, auf das sich die Präsidenten Tudjman, Milosevic und Izetbegovic (...)

Grundrisse, Nummer 26
Dragomir Olujić:

„Unsere Bewegung war pro-jugoslawisch“

Mai
2008

Dragomir Olujić zählte zur Kerngruppe der Protagonisten der jugoslawischen Studentenbewegung. Er wurde 1948 in der Vojvodina geboren. Olujić begann 1967 in Belgrad Politische Wissenschaften zu studieren. Nach den Protesten im Juni 1968 engagierte er sich in der studentischen Neuen Linken und wurde (...)

Amelie Lanier, Transformation Osteuropas

Das Haager Tribunal (ICTY)

Juli
2009

Recht, Verfassung, Völkerrecht Angesichts dessen, daß wir zweifelsohne in einem Rechtsstaat leben und das für jedermann der natürlichste Zustand von der Welt ist, wollen wir einmal ein paar einleitende Worte darüber verlieren, was Recht eigentlich ist. Recht wird von einer Staatsgewalt (...)

Grundrisse, Nummer 32

„Wir haben uns selber angeführt!“

Über 1523 TextilarbeiterInnen in Novi Pazar, Serbien
Dezember
2009

Anfang Mai 2009 war in bürgerlichen Medien die Geschichte vom abgeschnittenen kleinen Finger der linken Hand des Zoran Bulatovic lesen. In der deutschen Taz wurde der Artikel mit „Wenn Arbeiter zu Kannibalen werden“ betitelt, in österreichischen Tageszeitungen wurde vom „Kannibalen aus dem (...)

Grundrisse, Nummer 40

Ontologie der Revolution

Elf Thesen zum PRAXIS-Zirkel — heute
Dezember
2011

Der folgende Text basiert auf einem Vortrag für die Konferenz zur jugoslawischen PRAXIS-Philosophie, zu der die Rosa Luxemburg Stiftung in diesem Oktober nach Korcula geladen hatte. Auf dieser Insel vor der kroatischen Küste fanden zwischen 1963 und 1974 die berühmten „Sommerschulen“ der (...)

Amelie Lanier, Transformation Osteuropas

Handke-Interview in News 1999

Dezember
2019

Angesichts der moralischen Entrüstung und des Handke-Bashings als Reaktion auf die Verleihung des Nobelpreises habe ich mir die Mühe gemacht, sein Interview mit der Zeitschrift NEWS aus dem Jahr 1999 aufs Netz zu stellen. Dieses Interview scheint es nämlich bisher nicht aus Internet geschafft zu (...)

Jugoslawien
Jugoslavija/Југославија (Serbokroatisch)
Jugoslavija (Slowenisch)
Југославија (Mazedonisch)
Flaggen
(1918–2003)
Wappen
(1918–2003)
Die drei unterschiedlichen Jugoslawien
Sprache(n) Serbokroatisch, Slowenisch, Mazedonisch, Albanisch
Hauptstadt Belgrad
Fläche
 • 1918–1941
 • 1954–1991
 • 1992–2003

247.542 km²
255.804 km²
102.350 km²
Bevölkerung
 • 1921
 • 1991
 • 2003

11.998.000
23.271.000
10.832.545
Währung Jugoslawischer Dinar (YUD)
Internet-TLD .yu
Telefonvorwahl +38
Zeitzone UTC+1
Nationalhymne Hej Sloveni
Nachfolgestaaten
Slowenien Slowenien
Kroatien Kroatien
Bosnien und Herzegowina Bosnien und Herzegowina
Serbien Serbien
Montenegro Montenegro
Kosovo Kosovo (umstritten)
Nordmazedonien Nordmazedonien

Jugoslawien (serbokroatisch Југославија Jugoslavija, slowenisch Jugoslavija, mazedonisch Југославија, wörtlich übersetzt „Südslawien“ von slawisch Jug = Süden) war ein von 1918 bis 2003 bestehender Staat in Mittel- und Südosteuropa, dessen Staatsform und -territorium sich im Laufe seiner Geschichte mehrfach änderten.

Von 1918 bis 1941 existierte das Königreich Jugoslawien („Erstes Jugoslawien“), danach bestand von 1945 bis 1992 die Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien („Zweites Jugoslawien“). Während der Jugoslawienkriege bildete sich von 1992 bis 2003 aus Serbien und Montenegro die Bundesrepublik Jugoslawien, gefolgt 2003 bis 2006 vom territorial und völkerrechtlich identischen Staatenbund Serbien und Montenegro („Restjugoslawien“).

Derzeit gibt es sechs international anerkannte Nachfolgestaaten Jugoslawiens: Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Montenegro, Nordmazedonien, Serbien und Slowenien. Der völkerrechtliche Status des Kosovo ist strittig.

Staatsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 29. Oktober 1918 wurde auf bisher österreichisch-ungarischen Gebiet der Staat der Slowenen, Kroaten und Serben (serbokroatisch Држава Словенаца, Хрвата и Срба Država Slovenaca, Hrvata i Srba (kurz: Država SHS), slowenisch Država Slovencev, Hrvatov in Srbov), der sich am 1. Dezember mit den Königreichen Serbien und Montenegro zusammenschloss.

Der dadurch entstandene Staat trug vom 1. Dezember 1918 bis 4. Februar 2003 folgende Namen:

  • Kraljevstvo Srba Hrvata i Slovenaca Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, ausgerufen von König Petar Karađorđević am 1. Dezember 1918, abgekürzt SHS-Staat genannt
  • Kraljevina Srba Hrvata i Slovenaca ‚Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen‘, erste Umbenennung aufgrund der Vidovdan-Verfassung vom 28. Juni 1921, abgekürzt SHS-Staat genannt
  • Kraljevina Jugoslavija Königreich Jugoslawien, nach dem Putsch vom 6. Januar 1929 bis 17. April 1941
  • Demokratska Federativna Jugoslavija ‚Demokratisches Föderatives Jugoslawien‘, 29. November 1943 bis Ende 1945
  • Federativna Narodna Republika Jugoslavija ‚Föderative Volksrepublik Jugoslawien‘, 31. Januar 1946 (neue Verfassung) bis 1963
  • Socijalistička Federativna Republika Jugoslavija Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien, 1963 bis 1992
  • Savezna Republika Jugoslavija Bundesrepublik Jugoslawien, 27. April 1992 bis 4. Februar 2003 (häufig auch als Rest-Jugoslawien bezeichnet; als Neustaat bestand die BRJ aus den ehemaligen sozialistischen Teilrepubliken Serbien und Montenegro)

Der Name Jugoslawien wurde seit 1915 vom Jugoslawischen Komitee verwendet und wurde international schon vor der offiziellen Umbenennung für den SHS-Staat verwendet.[1]

Staatsrechtliche Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Königlich Jugoslawische Währung (Dinar) im Jahr 1929, ausschließlich in kyrillischem Serbokroatisch bedruckt

Während es zwischen dem ersten (Königreich 1918–1941) und dem zweiten jugoslawischen Staat (Föderative Volksrepublik 1945–1963, Sozialistische Föderative Republik 1963–1992) eine juristische Kontinuität gab, war das 1992 gegründete „dritte“ Jugoslawien (Bundesrepublik bzw. Staatenbund aus Serbien und Montenegro) nach vorherrschender Rechtsauffassung der Badinter-Kommission und der UN-Versammlung nur einer von fünf Nachfolgestaaten des zweiten Jugoslawiens. Die Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien zerfiel demzufolge in die folgenden souveränen Republiken, von denen die meisten daraufhin ihre staatliche Unabhängigkeit erklärten und nach und nach international anerkannt wurden: Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Bundesrepublik Jugoslawien (Serbien und Montenegro) und Mazedonien (1993 unter dem Namen The former Yugoslav Republic of Macedonia[2] [ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien] in die Vereinten Nationen aufgenommen).

Am 4. Februar 2003 wurde die Bundesrepublik Jugoslawien durch die territorial und aus völkerrechtlicher Sicht identische Staatliche Gemeinschaft Serbien und Montenegro abgelöst.[3] Die Staatenunion von Serbien und Montenegro, deren Rechtsnachfolge Serbien antrat, löste sich 2006 mit dem Ausscheiden Montenegros auf, sodass heute alle früheren Teilrepubliken der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien unabhängige Staaten darstellen. Am 17. Februar 2008 erklärte auch das Kosovo seine Unabhängigkeit von Serbien.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf den Triglav, den mit 2864 m höchsten Berg Jugoslawiens (heute Slowenien)

Ausdehnung und Grenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit von 1954 bis 1991 hatte Jugoslawien eine Fläche von 255.804 km². Es bestand aus den sechs Teilrepubliken Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Montenegro, Mazedonien und den beiden autonomen Provinzen Vojvodina und Kosovo innerhalb Serbiens.

Jugoslawien grenzte an Italien, Österreich, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Griechenland und Albanien und hatte eine lange Küste am Adriatischen Meer mit zahlreichen Inseln.

Topographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Nordosten des Landes war relativ flach, der Rest des Landes eher gebirgig. Höchster Berg war der Triglav (2864 m, in den Julischen Alpen nahe Jesenice), gefolgt vom Golem Korab (2753 m, im Korabgebirge, auf der Grenze zu Albanien westlich von Gostivar) und dem Titov Vrv (2747 m, im Šar Planina nahe Tetovo).

An der Grenze zu Albanien lagen drei große Seen: der Skutarisee, der Ohridsee und der Prespasee. Die Donau durchfloss den Nordosten Jugoslawiens (u. a. die Städte Novi Sad und Belgrad) und bildete einen Teil der Grenze zu Rumänien, das dortige Durchbruchstal wird als Eisernes Tor (serbokroatisch: Đerdap) bezeichnet. Wichtige Nebenflüsse der Donau in Jugoslawien waren die Drau (Drava), die Save (Sava) und die Morava.

Bevölkerung und große Städte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung

Jugoslawien hatte 1991 rund 23,1 Millionen Einwohner.

1991 gab es 19 Großstädte. Die fünf größten Städte waren in alphabetischer Reihenfolge:

Größte Hafenstädte waren Rijeka, Split, Ploče, Bar und Koper.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Serbien und MontenegroSerbien und MontenegroSozialistische Föderative Republik JugoslawienSozialistische Föderative Republik JugoslawienSozialistische Föderative Republik JugoslawienKönigreich JugoslawienZweiter WeltkriegKönigreich JugoslawienKönigreich Jugoslawien

Königreich Jugoslawien (1918–1941)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zerfall Österreich-Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg entstand durch den Vertrag von Trianon vom 4. Juni 1920 das neugeschaffene Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen. Der Vertrag von Sèvres diente anschließend nur noch der abschließenden Bestätigung, wobei der territoriale Neuerwerb Rumäniens und Jugoslawiens durch die Türkei anerkannt wurde, dem letztendlich auch die USA zustimmten (diese hatten vorher dem Trianon-Vertrag wegen der Benachteiligung Rumäniens nicht zugestimmt). Der neue jugoslawische Staat entstand aus den vorher unabhängigen Königreichen Serbien und Montenegro (unter Einschluss der von Serbien in den Balkankriegen 1912/13 erworbenen mazedonischen Gebiete) und Teilen Österreich-Ungarns, hauptsächlich Kroatien-Slawonien mit Dalmatien, das ehemalige Kronland Krain mit südlichen Gebieten der Kronländer Kärnten und Steiermark (heutiges Slowenien), sowie Bosnien, die Herzegowina, Teile des Banats und der Batschka.

Staatsoberhaupt wurde der serbische König Peter I. (Karađorđević). Von Beginn an war die politische Situation des neuen Staates geprägt von dem sich zuspitzenden Konflikt zwischen den nach Autonomie strebenden Teilstaaten und den großserbischen Nationalisten. Der Staat zeichnete sich durch Zentralismus aus. Der Autonomiegedanke hinsichtlich nichtserbischer Ethnien und anderer Religionen blieb weitgehend unterdrückt. Die ethnischen und die konfessionellen beziehungsweise religiösen Spannungen blieben bestehen und verschärften sich zum Teil noch. Das Scheitern eines politischen Ausgleichs führte schließlich zur Staatskrise: König Alexander I. setzte 1929 die Verfassung außer Kraft und errichtete die erste Königsdiktatur auf dem Balkan. Am 3. Oktober veranlasste er die Umbenennung des Staates in Königreich Jugoslawien (Kraljevina Jugoslavija).

Ab 1935 kam es zur Bildung einer profaschistischen Regierung unter Milan Stojadinovic (1888–1961). Sie wurde vor allem durch die Jugoslawische Nationalpartei und die Jugoslawische Radikale Vereinigung getragen. Ihre politische Orientierung erfolgte in Richtung Deutschland und Italien. Immer offener entwickelte sich das Land zu einem deutschen Vasallenstaat. Diesen eingeschlagenen Weg setzte 1939 die Regierung unter Dragisa Cvetkovic (1893–1969) noch extremer fort. Der Gipfelpunkt dabei war der unter äußerem Druck erfolgte Beitritt Jugoslawiens zum Dreimächtepakt. Damit war zugleich das bisher Bündnis Jugoslawiens in der „Balkan-Entente“ zerstört. Am 25. März 1941 wurde durch einen Staatsstreich die bestehende Regierung gestürzt und eine Militärregierung unter General Simovic installiert. Diese schloss einen Freundschaftsdienst- und Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion ab und beendeten die wirtschaftliche Ausplünderung ihres Landes durch das Deutsche Reich. Um die damit im Balkanraum entstandene strategisch neue Lage rückgängig zu machen und sich weiter des jugoslawischen Territoriums für einen Angriffskrieg auf die Sowjetunion zu sichern griffen am 5. April 1941 deutsche und italienische Truppen Jugoslawien an.[4]

Mit dem damit begonnenen deutschen Balkanfeldzug im April 1941 wurde das Königreich Jugoslawien von NS-Deutschland und dem Königreich Italien besetzt und aufgelöst: Während Serbien als Vasallenstaat militärisch besetzt blieb, wurde Slowenien zwischen Deutschland, Italien und dem Königreich Ungarn geteilt, Kroatien (inkl. Bosnien und Herzegowina) zu einem großkroatischen, de facto faschistischen Vasallenstaat namens Unabhängiger Staat Kroatien, während Montenegro als Unabhängiger Staat Montenegro und einige weitere südliche Gebiete, die zum Königreich Albanien geschlagen wurden, italienisch besetzte Vasallenstaaten wurden. Am 8. Juli 1941 schließlich wurde das Ende der selbständigen staatlichen Existenz Jugoslawiens verkündet.

1942, noch unter deutscher Besatzung, hatten die Kommunisten das aktive und passive Frauenwahlrecht anerkannt.[5]

Föderative Volksrepublik Jugoslawien (1945–1963)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die AVNOJ-Beschlüsse vom 29. November 1943 legten noch während des Zweiten Weltkrieges den Grundstein für eine neue Föderation südslawischer Völker unter der Führung der Kommunistischen Partei Jugoslawiens (KPJ). Die nach Kriegsende von Josip Broz Titos kommunistischer Volksfront gewonnenen Wahlen führten am 29. November 1945 zur Gründung der Föderativen Volksrepublik Jugoslawien (Federativna Narodna Republika Jugoslavija), bestehend aus den sechs Teilrepubliken Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Montenegro und Mazedonien. Das Land erhielt am 31. Januar 1946 eine nach dem Vorbild der Sowjetunion gestaltete Verfassung. Das Frauenwahlrecht wurde 1946 eingeführt.[6]

1948 distanzierte sich Tito immer mehr von der Sowjetunion und dem Ostblock. Es kam 1950 schließlich zum Bruch zwischen den Parteien, der bis zum Ende der Stalin-Ära andauerte. Tito verfolgte einen eigenen jugoslawischen Kommunismus, den sogenannten Titoismus. Jugoslawien näherte sich außenpolitisch dem Westen an und pflegte schon bald engere wirtschaftliche Beziehungen zu den kapitalistischen Staaten. Tito wurde zum Mitbegründer der antiimperialistischen Bewegung der Blockfreien Staaten, in der Jugoslawien eine führende Rolle einnahm.

Am 7. April 1963 wurde der Staat in Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien (Socijalistička Federativna Republika Jugoslavija), kurz SFRJ, umbenannt.

Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien (1963–1992)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flagge der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien
Das Parlament in Belgrad, die Skupština

1974 wurden die Provinzen Vojvodina und Kosovo in einer neuen Verfassung (Artikel 2) zu autonomen Provinzen innerhalb Serbiens erklärt. Faktisch wurden sie dadurch zu Republiken aufgewertet, die Serbien nur formell unterstanden. Doch wurde ihnen im Gegensatz zu den Republiken kein Recht auf Selbstbestimmung (einschließlich des Rechts auf Sezession) eingeräumt. So bestand die SFRJ aus sechs Teilrepubliken (Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Serbien, Slowenien) und zwei Autonomen Provinzen innerhalb Serbiens (Kosovo, Vojvodina).

Nach dem Tod Titos am 4. Mai 1980 übernahm das Präsidium der Republik die Regierungsgeschäfte. Die acht Mitglieder setzten sich aus je einem Vertreter der sechs Teilrepubliken und der zwei autonomen Provinzen zusammen. Immer mehr kam es jedoch zu Unstimmigkeiten, da die integrative Persönlichkeit Tito fehlte.

Zerfall Jugoslawiens ab 1991[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das politisch zerfallene Jugoslawien (2008)

Außer in Serbien wurden in allen Teilrepubliken der SFR Jugoslawien nach durchgeführten demokratischen Wahlen Referenden über die staatliche Souveränität abgehalten. Bei jeweils sehr hohen Wahlbeteiligungen, allerdings vor allem in Kroatien und Bosnien-Herzegowina von den jeweils serbischen wahlberechtigten Einwohnern boykottiert, ergaben sich folgende Ergebnisse:

  • Slowenien (23. Dezember 1990): 88,2 % für die Unabhängigkeit, 5,38 % für Verbleib bei Jugoslawien (Wahlbeteiligung: 83,56 %)[7]
  • Kroatien (19. Mai 1991): 94,7 % für Unabhängigkeit, 4,29 % für Jugoslawien (Wahlbeteiligung: 93,46 %)[8]
  • Mazedonien (8. September 1991): 96,46 % für Unabhängigkeit („einen souveränen und unabhängigen Staat Mazedonien mit dem Recht, einer zukünftigen Union souveräner Staaten Jugoslawiens beizutreten“)[9]
  • Bosnien-Herzegowina (29. Februar/1. März 1992) 99,4 % für Unabhängigkeit, 0,6 % für Jugoslawien (Wahlbeteiligung: 63 %)[10]
  • Montenegro (1. März 1992): 3,14 % für Unabhängigkeit, 95,65 % für Jugoslawien (Wahlbeteiligung: 66,04 %)[11][12]

Belgrad versuchte die Unabhängigkeitsbestrebungen zuerst militärisch zu unterdrücken. So intervenierte die Jugoslawische Volksarmee (JNA) zuerst 1991 in Slowenien (10-Tage-Krieg) und daraufhin in Kroatien (Kroatienkrieg). Als dies jedoch misslang, verschoben sich die Kampfhandlungen zunächst auf die von Krajina-Serben beanspruchten Gebiete in Kroatien. Im Folgenden verlagerte sich der Krieg dann immer mehr nach Bosnien-Herzegowina (Bosnienkrieg). Letzten Endes gelang den drei Staaten aber die Durchsetzung der Unabhängigkeit. Die Unabhängigkeitsbestrebungen im Kosovo (Kosovokrieg) führten 1999 zu Interventionen der NATO auf dem gesamten Territorium der Teilrepublik Serbien, die schließlich die Einrichtung einer UN-Verwaltung in der Provinz bei bestehender Zugehörigkeit des Gebietes zur Bundesrepublik Jugoslawien zur Folge hatten.

Viktor Meier, Südosteuropa-Korrespondent für die Neue Zürcher Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Zeitung, schrieb 1996, Jugoslawien sei keine „künstliche Schöpfung“ gewesen, „aber in dem Augenblick, da dieses Staatsgebilde unrealistisch und untragbar wurde, war es nötig, dies auch einzusehen“. Die internationale Anerkennung Sloweniens und Kroatiens Ende 1991 sei ein überfälliger Akt gewesen.[13]

Nachfolgestaaten von Jugoslawien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Großraum Balkan
  • Slowenien (Unabhängigkeitserklärung im Juni 1991)
  • Kroatien (Unabhängigkeitserklärung im Juni 1991)
  • Nordmazedonien (Unabhängigkeitserklärung im September 1991)
  • Bosnien und Herzegowina (Unabhängigkeitserklärung im März 1992)
  • Montenegro (Unabhängigkeitserklärung im Juni 2006)
  • Serbien (formale Unabhängigkeitserklärung im Juni 2006)
  • Kosovo (Unabhängigkeitserklärung von Serbien im Februar 2008)

„Serbien-Montenegro“ (1992–2006)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Serbien und Montenegro

Die Vollversammlung der Vereinten Nationen beschloss am 22. September 1992 durch Mehrheitsbeschluss (Billigung von 127 Ländern bei 26 Enthaltungen und sechs Gegenstimmen), dass die aus Serbien und Montenegro bestehende Bundesrepublik Jugoslawien (BRJ) nicht automatisch die alleinige Rechtsnachfolge der SFRJ als Mitgliedstaat der UN antreten könne, sondern sich ebenso wie die anderen Nachfolgestaaten der SFRJ neu um die Mitgliedschaft bewerben müsse. Die BRJ durfte deshalb den Sitz der SFRJ in der UN-Vollversammlung nicht mehr wahrnehmen. Da die Bundesrepublik Jugoslawien sich weigerte, diesen Beschluss zu akzeptieren, verlor sie de facto ihren Sitz in der Vollversammlung; die Mitgliedschaft von Jugoslawien war ab 1992 suspendiert. Erst im Jahre 2000 wurde die BRJ, nachdem sie sich wie gefordert neu beworben hatte, wieder in die UN aufgenommen und der frühere jugoslawische UN-Sitz ihr wieder übertragen.

Mit der Annahme einer neuen Verfassung im Jahre 2003 benannte sich die Bundesrepublik Jugoslawien um in „Serbien und Montenegro“. Dies stellte das Ende des Begriffs „Jugoslawien“ als Staatsnamen dar. Nach einer Volksabstimmung am 21. Mai 2006 proklamierte Montenegro am 3. Juni 2006 seine Unabhängigkeit. Am 17. Februar 2008 erklärte sich die Provinz Kosovo für unabhängig, wobei ihr völkerrechtliche Status bis heute umstritten ist.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesamtüberblicke (weiterführende Literatur in den Artikeln der einzelnen Staaten)

  • Holm Sundhaussen: Jugoslawien. In: Konrad Clewing, Holm Sundhaussen (Hrsg.): Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Böhlau, Wien u. a. 2016, ISBN 978-3-205-78667-2, S. 440–447.
  • Sabrina P. Ramet: Die drei Jugoslawien: Eine Geschichte der Staatsbildungen und ihrer Probleme. München 2011.
  • Marie-Janine Calic: Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60646-5.[14]
  • Holm Sundhaussen: Experiment Jugoslawien : Von der Staatsgründung bis zum Staatszerfall (= Meyers Forum. Band 10). BI-Taschenbuchverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 1993, ISBN 3-411-10241-1.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Antun Barac: Geschichte der jugoslavischen Literaturen von den Anfängen bis zur Gegenwart. Harrassowitz, Wiesbaden 1977, ISBN 3-447-01874-7.
  • Udo Kultermann: Zeitgenössische Architektur in Osteuropa. DuMont, Köln 1985, ISBN 3-7701-1554-6.
  • Ljiljana Blagojević: Modernism in Serbia. The elusive margins of Belgrade architecture, 1919–1941. Inst. za književnost i umetnost, Belgrad 2003, ISBN 0-262-02537-X.
  • Wolfgang Thaler, Maroje Mrduljas, Vladimir Kulic: Modernism in Between – Architecture in Socialist Yugoslavia. Jovis, Berlin 2012, ISBN 978-3-86859-147-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Jugoslawien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Jugoslawien – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Adriatic Notes Will be Revealed to Public Today. In: Washington Evening Star. 26. Februar 1920, abgerufen am 27. Mai 2023 (amerikanisches Englisch, Digitalisierung in der Datenbank Chronicling America der Library of Congress).
  2. Vgl. dazu die offizielle Webseite über die UN-Mitgliedstaaten.
  3. Michael Forster: Nation Building durch die internationale Gemeinschaft. Eine völkerrechtliche Analyse der Verwaltungsmissionen der Vereinten Nationen im Kosovo und in Ost-Timor. 1. Auflage. Cuvillier, Göttingen 2005, S. 134 f.
  4. Weltgeschichte, kleine Enzyklopädie, Leipzig 1971, S. 313ff.
  5. Marie-Janine Calic: Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert Verlag C.H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60645-8, S. 167
  6. Jad Adams: Women and the Vote. A World History. Oxford University Press, Oxford 2014, ISBN 978-0-19-870684-7, Seite 438
  7. Izviješće o provedenom referendumu. (deutsch: Bericht über das durchgeführte Referendum). Wahlkomitee für das Referendum, 22. Mai 1991, archiviert vom Original am 27. Februar 2012; abgerufen am 19. Mai 2021 (kroatisch).
  8. Beat Müller: Slowenien, 23. Dezember 1990 : Unabhängigkeit. In: sudd.ch. 23. Dezember 1990, abgerufen am 2. Januar 2024.
  9. Dieter Nohlen, Philip Stöver: Elections in Europe: A Data Handbook, 2010, S. 1278.
  10. Jürgen Elvert (Hrsg.): Der Balkan. Steiner Verlag, Stuttgart 1997, ISBN 3-515-07016-8, S. 256.
  11. Referendum na pola – Referendum 1992 Montenegro
  12. Im Unabhängigkeitsreferendum in Montenegro 2006 sprachen sich schließlich 55,5 % für eine Unabhängigkeit des Landes aus.
  13. Michael Thumann: Der Weg in den Krieg. In: Die Zeit, Nr. 6/1996; zit. n. Viktor Meier: Wie Jugoslawien verspielt wurde. C.H. Beck, München 1995 (Beck’sche Reihe 1141).
  14. Ljiljana Radonic: Rezension.